von Aktion Deutschland Hilft
Im Dezember 2000 wurde der 20. Juni von der UN-Vollversammlung zum internationalen Gedenktag für Geflüchtete erklärt. Der Tag ist den Binnenvertriebenen, Asylsuchenden, Geflüchteten und Staatenlosen auf der ganzen Welt gewidmet – also allen Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Terror oder Naturkatastrophen fliehen mussten.
Weltflüchtlingstag: Zahlen und Fakten
Weltweit waren Ende 2025 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon sind:
- 28,5 Millionen Geflüchtete und Menschen in flüchtlingsähnlichen Situationen
- 6 Millionen Geflüchtete aus palästinensischen Gebieten unter UN-Mandat
- fast 9 Millionen Asylsuchende
- 7,2 Millionen Menschen, die internationalen Schutz brauchen
- 68,7 Millionen Binnenvertriebene
Die Zahl der weltweit zwangsvertriebenen Menschen ist damit gegenüber Ende 2024 (123,25 Millionen) leicht zurückgegangen. Die Zahl der weltweit Vertriebenen ging im Jahr 2025 zum ersten Mal seit zehn Jahren zurück. Ursache hierfür sind vor allem umfangreiche Rückkehrbewegungen nach Afghanistan und Syrien. Viele dieser Menschen kehrten jedoch unter widrigen Umständen in fragile Kontexte zurück, in denen die Bedingungen für die Wiedereingliederung nach wie vor äußerst schwierig sind.
11 Dinge, die Sie zum Weltflüchtlingstag wissen sollten
23 Millionen Menschen, die Ende 2025 aus ihren Heimatländern geflohen sind, stammten aus gerade einmal fünf Ländern. Die meisten Menschen auf der Flucht sind Binnenvertriebene, also Geflüchtete innerhalb ihres Heimatlandes. Weltweit betrifft das fast 69 Millionen Menschen.
Die meisten fliehen aus Venezuela. Dort zählen die Vereinten Nationen 6,4 Millionen Geflüchtete, die meisten von ihnen haben in Lateinamerika und der Karibik Zuflucht gefunden. Das Land steckt in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, allein zwischen 2014 und 2020 büßte das Land ungefähr 80 Prozent des Bruttoinlandproduktes ein. Hinzu kommen politische Verfolgungen und Repressionen der Bevölkerung durch den Sicherheitsapparat.
Aus der Ukraine waren Ende des vergangenen Jahres 5,2 Millionen Menschen auf der Flucht, aus Syrien 4,9 Millionen. Trotz dem Ende des Krieges ist die Lage weiter instabil und das Land gezeichnet von Krieg und Kämpfen, die seit 2011 andauerten.
Aus Afghanistan flohen bis Ende 2025 3,7 Millionen Menschen. Seit 2021 herrschen dort erneut die Taliban. 2,8 Millionen Menschen sind aus dem Sudan geflohen, wo seit 2023 ein brutaler Konflikt zwischen zwei Generälen eskaliert und eine der größten humanitären Krisen auf der Welt ausgelöst hat.
Ende 2025 waren 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Zum Vergleich: Ende 2024 waren es rund 123 Millionen. Das bedeutet: Die Zahl der Menschen auf der Flucht ist erstmals seit zehn Jahren leicht gesunken, bleibt jedoch weiter auf einem sehr hohen Niveau. Kriege, Krisen und Konflikte führen zu den hohen Zahlen.
Ebenso trägt der Klimawandel seinen Teil bei. Neben den Kriegen in Nahost, der Ukraine und dem Sudan bestehen die Krisen im Jemen, in Syrien, in Venezuela und in der Demokratischen Republik Kongo weiter. Und auch die Fluchtbewegung aus Mittel- und Südamerika Richtung Norden hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen.
Im Sudan sind Mitte April 2023 schwere Kämpfe zwischen dem Militär und der paramilitärischen Gruppierung Rapid Support Forces (RSF) ausgebrochen. Die ohnehin schon angespannte humanitäre Lage spitzt sich zu, Menschen sterben und werden verletzt.
Viele fliehen vor den Kämpfen, vor allem in die Nachbarländer Südsudan, Äthiopien, Ägypten, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Die meisten Sudanes:innen fliehen innerhalb des Landes: Mehr als 9 Millionen Menschen sind 2025 innerhalb des Sudans vertrieben worden.
Vor dem Konflikt war der Sudan selbst ein Zufluchtsland. Nun kehren viele der Geflüchteten in ihre Herkunftsländer zurück. Mehr als 887.000 Menschen, die im Südsudan ankamen, waren Rückkehrer:innen, also Menschen, die einst selbst in den Sudan geflohen waren.
Insgesamt fast 3 Millionen Menschen sind Ende 2025 aus dem Sudan geflohen, die meisten von ihnen nach Ägypten, Südsudan, Libyen und Tschad.
Während des zweiten Bürgerkriegs im Südsudan in den 80er Jahren flohen etwa 20.000 Kinder aus ihrer Heimat – allein, ohne ihre Familien. Viele waren verwaist oder wurden während der Kämpfe von ihren Eltern getrennt. Vor allem die minderjährigen Jungen wurden nicht selten als Soldaten für die Rebellenarmee eingesetzt. Später werden sie als Lost Boys of Sudan bezeichnet.
Die meisten der 20.000 fliehenden Kinder waren Jungen zwischen sieben und 17 Jahren. In Gruppen waren sie manchmal Wochen, manchmal Jahre bis zum nächsten Geflüchtetencamp unterwegs, ohne Nahrung, ohne Besitz und ohne genaue Kenntnis, in welche Richtung sie am besten gehen sollten. Sie durchquerten Kriegsgebiete, waren Angriffen von wilden Tieren ausgesetzt und außerdem der sengenden Hitze.
Die meisten kamen in Äthiopien an und lebten dort bis zum Krieg 1991 in einem Camp. Die Kinder und jungen Erwachsenen flohen erneut; viele kamen im Geflüchtetencamp Kakuma in Kenia unter – heute einem der größten Camps weltweit.
Die Menschen leben dort wie in einer eigenen Stadt, allerdings ohne fließendes Wasser und ohne Elektrizität. Die Angaben, wie viele Geflüchtete dort untergebracht sind, variieren je nach Quelle zwischen 100.000 und 200.000 Menschen.
Einige der Lost Boys wurden später wieder mit ihren Familien zusammengebracht, anderen wurde die Umsiedlung in die Vereinigten Staaten angeboten. Frieden in ihrer Heimat, dem von Krieg und Konflikten geprägten Staat Südsudan, finden sie nicht.
Ende 2025 waren rund 69 Millionen Menschen innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht, ein Großteil davon aufgrund von Konflikten und Gewalt. Die Zahl liegt seit Jahren auf einem kontinuierlich hohen Level. Das liegt an verschiedenen neuen und auch bestehenden Krisen und Kriegen.
Konfliktlösungen, weniger Katastrophenrisiko, Klimaresilienz, Ernährungssicherheit und weniger Armut können den Menschen dabei helfen, in ihre Heimat zurückzukehren.
Mehr als 185.000 Menschen haben 2025 eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt auf sich genommen: über das Mittelmeer, vor allem nach Spanien, Griechenland, Italien und die Kanaren. Mehr als 1.500 Menschen sind auf dem gefährlichen Weg gestorben oder werden vermisst.
Starkregen, Dürreperioden, Hitzewellen und steigende Meeresspiegel: Der Klimawandel ist inzwischen überall auf der Welt sicht- und spürbar. Ausgerechnet die Länder, die bislang kaum Treibhausgase ausgestoßen haben und damit am wenigsten zum Klimawandel beitragen, leiden unter den Auswirkungen – die Länder des sogenannten Globalen Südens.
“Hätten wir schon vor einem halben Jahrhundert gehandelt, dann ständen wir heute nicht da, wo wir heute stehen”, sagt Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif. “Aber wir müssen jetzt weitermachen, denn die Umwelt ist das wichtigste, das wir haben!” Er meint damit besonders die Industrieländer, die aktiv werden müssen – denn diese Länder haben den größten Anteil an den CO2-Emissionen.
Mehr als 100 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Einige davon seien Klimageflüchtete, sagt Latif, messbar sei das aber nicht. Im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention gibt es keine Klima- oder Umweltflüchtlinge. Schätzungen zufolge könnte Klimawandel bis zum Jahr 2050 ungefähr 200 Millionen Menschen dazu zwingen, ihr Zuhause zu verlassen.
Doch wie die Realität aussehen wird, ist nicht eindeutig vorherzusagen. Benjamin Schraven ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Institut für Entwicklungspolitik und er sagt: Gerade die Ärmsten, die sehr stark vom Klimawandel betroffen sind, können es sich oft nicht leisten, ihre Heimat zu verlassen und Zuflucht in einem anderen Land zu suchen.
Und: Krieg und Gewalt sind nach wie vor Hauptgründe für Flucht. Ob die globale Erwärmung und deren Auswirkungen also der Grund für die Flucht war oder nur ein Aspekt von vielen, ist kaum sicher feststellbar.
Also: Der Klimawandel ist für Menschen ein Fluchtgrund – schon heute. Wichtig ist, das Klima zu schützen, um die Erde zu retten. Und Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen und eine Zuflucht zu bieten.
In vielen Teilen der Welt werden LGBTIQ+-Personen diskriminiert. Einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen sind in vielen Ländern nach wie vor strafbar. Verfolgung und Diskriminierung sind für LGBTIQ+-Personen oft Gründe, ihre Heimat zu verlassen.
LGBTIQ+-Personen gibt es in allen Kulturen und Gesellschaften. Eine Sensibilisierung der Helfer:innen ist daher wichtig: um von Diskriminierung betroffene Menschen zu schützen und eine Vertrauensbasis aufzubauen.
Auch in der Unterkunft für Geflüchtete müssen Schutz und Sicherheit sichergestellt sein. Genau wie angepasste und spezielle Gesprächsangebote auf Augenhöhe und sichere Räume, in denen sich die Menschen austauschen können.
Seit mehr als fünf Jahren lebt ein Großteil von ihnen im größten Flüchtlingscamp der Erde: die Rohingya. Im Süden von Bangladesch nahe der Stadt Ort Cox’s Bazar leben mehr als eine Million Menschen unter prekären Bedingungen, eingezäunt, bewacht und von vielen vergessen. Die Menschen dürfen das Camp nicht ohne Erlaubnis verlassen, und niemand darf unerlaubt hinein.
Das Volk lebte im heutigen Rakhine-Staat in Myanmar. Dort sind sie als muslimische Minderheit im buddhistischen Myanmar nicht als eigene Bevölkerungsgruppe anerkannt, haben keine Staatsbürgerschaft und verfügen deshalb über keine Rechte. Unter anderem wegen ihres Glaubens und ihrer nicht vollständig geklärten Herkunft sind sie seit Jahrzehnten von Diskriminierung betroffen.
Zu einer Eskalation des Konflikts innerhalb von Myanmar kam es im August 2017. Einen Angriff der selbst ernannten Rebellen-Armee der Rohingya auf verschiedene Kontrollposten in Myanmar nahm das Militär zum Anlass, eine Offensive gegen die gesamte Rohingya-Bevölkerung zu starten. Häuser und Dörfer brannten nieder, Menschen starben.
Als Reaktion auf die Gewalt flohen Hunderttausende Rohingya ins benachbarte Bangladesch. Dort leben sie seither im Geflüchtetencamp, oftmals ohne fließendes Wasser und ohne Perspektive.
Die Rohingya sind laut UN-Angaben die am meisten verfolgte Minderheit auf der ganzen Welt.
Ein sehr aktuelles Beispiel für Drittstaatengeflüchtete: Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, aber nicht die ukrainische Staatsbürgerschaft haben.
Anders als andere ukrainischen Geflüchteten erhalten sie nicht sofort den Aufenthaltsstatus. Die Menschen haben keine Arbeitserlaubnis und können auch das Studium nicht schnell fortsetzen, selbst wenn sie vorher auch an einer Universität eingeschrieben waren – im Gegensatz zu ukrainischen Staatsbürger:innen.
Kurz gesagt: Obwohl alle vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind, ist der Empfang in Deutschland nicht gleich. Die Menschen werden anders behandelt. Für Drittstaatengeflüchtete ist oft lange unklar, wie und ob sie bleiben dürfen. Das bedeutet sehr viel Unsicherheit in einer ohnehin schon unsicheren Zeit kurz nach der Flucht aus dem eigenen Zuhause.
Was Drittstaatengeflüchteten neue Hoffnung und Perspektive geben kann, hören Sie in unserem Podcast.
Der Weltflüchtlingstag soll auf die Notsituation der Menschen aufmerksam machen. Jedes Jahr am 20. Juni finden weltweit Aktionen statt, um die Öffentlichkeit aufzurütteln. Außerdem sollen damit Mut, Tapferkeit, Stärke und Entschlossenheit jener Menschen gewürdigt werden, die ihre Heimat aufgrund von Verfolgung, Konflikt, Gewalt oder Naturkatastrophen verlassen mussten – und fast alles zurücklassen mussten.
Bildergalerie: Was nehmen Geflüchtete mit?
12 Bilder
Kurz und kompakt: Zahlen zu Flüchtlingen weltweit
- Die Zahl der durch Krieg, Verfolgung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen vertriebenen Menschen lag Ende 2025 bei 117,8 Millionen. Die Zahl ist erstmals seit zehn Jahren leicht gesunken, bleibt jedoch weiter auf einem sehr hohen Niveau. Kriege, Krisen und Konflikte führen zu den hohen Zahlen.
- 39 Prozent der Geflüchteten sind Kinder.
- 23 Millionen der Geflüchteten stammen aus gerade einmal fünf Ländern: Venezuela (6,4 Millionen), Ukraine (5,2 Millionen), Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (3,7 Millionen), Sudan (2,8 Millionen).
- 75 Prozent der Geflüchteten werden von Ländern aufgenommen, die an Krisengebiete grenzen und Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind.
- Die am wenigsten entwickelten Länder gewährten 26 Prozent aller Geflüchteten Asyl.
- 65 Prozent aller Geflüchteten leben in den Nachbarländern.
Quelle: UNHCR (Stand: 06/2026)
Danke, dass Sie die weltweite Hilfe für geflüchtete Kinder, Frauen und Männer mit Ihrer Spende unterstützen! Danke, dass Sie helfen.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Nothilfe weltweit
Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Jetzt online spenden!






