Ein Mann aus Kenia vor seiner Hütte - seine Familie leidet großen Hunger

Hunger in AfrikaWas Menschen vom Hunger berichten

21-04-2017

Millionen Menschen leiden unter der Hungersnot

Vetrocknete Brunnen, fehlende Nahrung und Angst: Das ist trauriger Alltag für Millionen Menschen in Afrika. Die Vereinten Nationen haben in mehreren Ländern des Kontinents eine Hungersnot ausgerufen. Hier erzählen Menschen aus Kenia und Äthiopien, wie sie unter der Dürre leiden - und was ihnen hilft.

Koyo: "Schlimmste Dürre meines Lebens"

Koyo und ihre Tochter leiden unter der Dürre in Äthiopien
©HelpAge/Äthiopien

 

Koyo ist 115 Jahre alt. „Es ist die schlimmste Dürre, die ich je gesehen habe“, sagt sie. Das Leid in ihrer Familie und in ihrem Dorf Chokiso in Äthiopien ist für sie kaum zu ertragen.

Auf dem Bild steht sie rechts neben ihrer Tochter vor ihrer kleinen Hütte. Dort leben die beiden. Sie müssen weite Strecken gehen, um Feuerholz zu sammeln und es im Dorf zu verkaufen. Alle ihre Ziegen und Kühe sind gestorben, weil es kein Gras mehr gibt. Es wird immer schwerer für sie: "Wir brauchen dringend Hilfe, sonst werden wir verhungern“.

Eyanae: "Giftige Früchte sind besser als nichts"

Ein Mann aus Kenia vor seiner Hütte - seine Familie leidet großen Hunger
©HelpAge/Kenia

 

Auch in Turkana im Nordwesten Kenias ist die Lage dramatisch. 70 Ziegen hatte Eyanae einst, 15 sind ihm geblieben. "Aber sie sind zu mager, wir können sie weder verkaufen noch essen", sagt der 90-Jährige. Die Familie, zu der auch seine Frau Akiru und sechs Kinder gehören, kann sich kaum ernähren.

Manchmal finden sie wilde Früchte. Die sind zwar giftig und nur nach stundenlangem Kochen überhaupt essbar, "aber es ist besser als ein leerer Magen", erzählt Eyanae. An anderen Tagen finden sie den Kadaver eines Tieres und müssen das Fleisch essen, um zu überleben: "Es ist furchtbar und wir bekommen davon Durchfall, aber wir haben keine andere Wahl."

Ayanae: "Ich habe Angst, dass meine Kinder tot sind"

Ayanae Ebulon aus Kenia hat durch die Dürre fast ihre ganze Familie verloren
©HelpAge/Kenia

 

Ayanae Ebulon, die ebenfalls im kenianischen Turkana lebt, beschreibt die Situation ähnlich: „Unsere Brunnen sind ausgetrocknet, unser Vieh gestorben, auf den Feldern können wir nichts anbauen“, sagt sie. Seit mehr als zwei Jahren habe es nicht mehr geregnet.

Zwei ihrer Kinder sind bereits verhungert. Die 70-Jährige hat sie neben ihrer Hütte begraben. Die anderen beiden hatten so viel Hunger, dass sie fortgegangen sind, um etwas Essbares zu finden. Das war vor zwei Monaten und sie sind immer noch nicht zurückgekehrt. Ayanae hat Angst, dass sie tot sind.

Die beiden Enkelkinder, die in der nächstgelegenen Stadt um Essen betteln, müssen jetzt das Überleben der Familie sichern. Der Brunnen in der Nähe ist ausgetrocknet. Die Regierung hat Wassertanks errichtet, aber die reichen nicht aus für das ganze Dorf, erzählt Ayanae.

Dürre und Konflikte lassen Millionen Menschen hungern

Millionen Menschen in vielen Ländern Afrikas kämpfen derzeit aufgrund der Dürre um ihr Überleben, viele sind zusätzlich von Kriegen und Konflikten bedroht. Zusammen mit Aktion Deutschland Hilft und dem Verband deutscher Nichtregierungsorganisationen warnte die Osnabrücker Hilfsorganisation HelpAge seit Monaten vor den zu erwartenden extremen Auswirkungen der Dürre. Doch internationale Geberorganisationen waren bislang zurückhaltend.

Wie können Hilfsorganisationen die Not lindern?

„Die Dürre ist eine Naturkatastrophe, aber dass Tausende Menschen verhungern ist eine Mensch-gemachte Katastrophe“, sagt Lutz Hethey, Geschäftsführer von HelpAge. Er appelliert sowohl an die Regierung als auch an die Gesellschaft, die akute Not in den betroffenen Ländern nicht länger auszublenden und zu helfen, ihr Leben und ihre Menschenwürde zu bewahren. Angesichts der dramatischen Lage in Ländern wie Äthiopien, Kenia oder dem Südsudan sei eine Ausweitung der Hilfe dringend notwendig.

Versorgung sichern und Flüchtlingscamps bauen

Soforthilfe und Ernährungssicherung: Neben zwei BMZ-geförderten Projekten im Südsudan, in denen die Ernährungssituation von über 60.000 Menschen verbessert werden soll, engagiert sich HelpAge in Kenia und Äthiopien. Erst kürzlich konnte dank der Förderung durch das Auswärtige Amt und Aktion Deutschland Hilft ein neues Projekt in einem Flüchtlingscamp in Äthiopien begonnen werden.

Fast 12.000 Menschen versorgt HelpAge dort, darunter viele alte Menschen und Menschen mit Behinderung. Sie sind besonders von der Krise betroffen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die vom Hungertod bedrohten Menschen in Afrika:

Spenden-Stichwort: Hunger in Afrika
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden