Hunger in Afrika"Humanitäre Hilfe muss inklusiv gestaltet sein"

21-06-2021

von HelpAge/Aktion Deutschland Hilft


Sisay Seyoum ist in Äthiopien Landesdirektor der Bündnisorganisation HelpAge. Im Interview spricht er über die derzeitige humanitäre Lage im Land und über inklusive humanitäre Hilfe.


Fast 900.000 Menschen sind in Äthiopien aufgrund von Gewalt und den Folgen des Klimawandels auf der Flucht. Wie steht es um ihre Versorgung? Was ist die derzeitige Hilfsstrategie von HelpAge?

Seyoum: Die Grundversorgung in den Camps ist eine große Herausforderung. Es besteht ein enormer Bedarf an medizinischer, psychosozialer Versorgung und an Nahrungsmitteln. Durch die COVID-Pandemie müssen zusätzlich Tests und Impfungen koordiniert werden, wobei die zur Verfügung stehenden Mittel sehr begrenzt sind.

Die Strategie von HelpAge sieht vor, bei Hilfsmaßnahmen sowohl die Geflüchteten in den Camps als auch die umliegende Bevölkerung miteinzubeziehen. Da die Lebensbedingungen in der unmittelbaren Umgebung in vielen Fällen defizitärer sind als in den Camps selbst, ist ein ganzheitlicher Ansatz für ein friedvolles Zusammenleben zwischen den Gruppen unabdingbar.

Wo sehen Sie den größten Bedarf für weitere Unterstützung?

Den größten Bedarf sehe ich darin, mehr Menschen mit unserer Arbeit zu erreichen. Nicht nur in den Camps für Geflüchtete sind die Bedarfe hoch. Viele Menschen in Äthiopien sind den Folgen des Klimawandels ausgesetzt und leiden somit unter anderem unter den Auswirkungen schwerwiegender Dürren.

Wie wird derzeit geholfen?

In den Camps kümmern wir uns um besonders vulnerable Menschen, vor allem um ältere Menschen, aber auch um Menschen mit Beeinträchtigungen, chronischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen. Mit Ernährungsprogrammen sichern wir die Nährstoffversorgung dieser Menschen.

Ein besonderer Fokus liegt darüber hinaus auf der psychosozialen Versorgung der Menschen vor Ort, die wir durch unser trainiertes Personal anbieten können. Uns ist es außerdem wichtig, die Position älterer Menschen in ihren Communitys zu stärken, indem den Älteren eine Plattform zum Austausch und zum Einfordern ihrer Rechte geboten wird.

Old People Friendly Spaces

HelpAge ist die einzige Organisation in Äthiopien, die sich auf das Wohl älterer Menschen spezialisiert hat. Die Schwerpunkte ihres Engagements im Land sind die Verbesserung der Gesundheitsversorgung, Maßnahmen zur psychosozialen Unterstützung, die Einrichtung von Pflegeservices und die Verteilung von zusätzlichen Nahrungsmitteln.

Außerdem fördert die Bündnisorganisation inklusive Ansätze und Schutzmaßnahmen durch die Errichtung von "Old People Friendly Spaces", durch die Bildung und Stärkung von Altengruppen und durch Trainings zum Thema Alter und Inklusion.


Worauf ist zu achten, wenn man ältere Menschen erreichen will?

Humanitäre Hilfe muss inklusiv gestaltet sein. Um alle Betroffenen, auch ältere Menschen und Menschen mit Behinderung, zu berücksichtigen, müssen Helferinnen und Helfer ihre Programme den Inklusionsstandards ausrichten. Ältere Menschen und Menschen mit Behinderung haben häufig aufgrund von Hör- oder Mobilitätsproblemen keinen Zugang zu essenziellen Informationen.

Sie wissen nicht, wo sie in ihrer Region soziale Dienste in Anspruch nehmen können, wo es humanitäre Hilfeleistungen gibt oder wie sie dorthin gelangen. Das sind alles Gegebenheiten, die bei Hilfsmaßnahmen und ihrer Bereitstellung berücksichtigt
werden müssen.

Was ist Ihnen bei der Unterstützung der Menschen besonders wichtig?

Für die Menschen in unseren Projekten wünschen wir uns, dass sie die Hoffnung nicht verlieren, sich gesellschaftlich einbezogen fühlen und ihr Leben in Würde führen können. Das steht für uns an allererster Stelle.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die vom Hungertod bedrohten Menschen in Afrika:

Spenden-Stichwort: Hunger in Afrika
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden