von Aktion Deutschland Hilft
Yaroslava und Anatolii, Liubov und Dmytro, Katerina und Stanislav: Drei Paare aus der Ukraine, die nach Jahren des Krieges neu anfangen mussten. Zusammen, aber fernab von allem Vertrauten.
Krieg in der Ukraine: Drei Einzelschicksale stehen stellvertretend für Millionen
So wie ihnen geht es Millionen Menschen in der Ukraine. Rund 9,6 Millionen Menschen haben ihr Zuhause hinter sich gelassen, seit der Krieg 2022 großflächig eskalierte.
- action medeor beschreibt, dass die Angriffe auf die Energieinfrastruktur deutlich zugenommen haben. Die Sicherheitslage in den Projektgebieten hat sich deutlich verschlechtert, dadurch wird der Zugang zu sehr frontnahen Gebieten und die Versorgung der dortigen Bevölkerung erheblich erschwert.
- arche nova erläutert, dass sich der Schwerpunkt der Nothilfe verschoben hat, als klar wurde, dass der Krieg länger dauert. Inzwischen liegt der Fokus auf der Stärkung der Resilienz sowie dem Wiederaufbau von Häusern und Infrastruktur, der Unterstützung sozialer Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und auf der Bereitstellung von Unterkünften für Binnenvertriebene.
- Auch AWO International berichtet von einem zunehmenden Fokus auf Wiederaufbau und psychosozialer Unterstützung der Menschen. Dabei richtet sich die Hilfe nicht mehr nur nach den akuten Bedürfnissen. Sie ist lokal verankert und stärkt damit die lokalen Gemeinschaften.
- Auch bei CARE haben sich die Hilfsmaßnahmen mit der Erkenntnis verlagert, dass der Krieg in der Ukraine kein kurzfristiges Ereignis ist. Neben fortgesetzter humanitärer Hilfe in Front- und schwer erreichbaren Gebieten liegt ein zunehmender Schwerpunkt auf Schutzmaßnahmen, psychosozialer Unterstützung und der Stärkung von Resilienz. CARE investiert verstärkt in Programme zur Förderung von Frauen in Führungsrollen, in die Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt sowie in lokal geführte Wiederaufbauprozesse.
- HelpAge beschreibt, dass die Hilfe strukturierter, besser koordiniert und stärker an internationalen humanitären Grundsätzen ausgerichtet wird. Langfristige Programme und stabile Finanzierung ermöglichen bedarfsgerechte, Unterstützung wie Hygieneartikel, Bargeldhilfen, Medizinartikel, Winterhilfe sowie psychosoziale Angebote. Lokale Partner übernehmen stärker eine Führungsrolle in Hilfsprogrammen.
- Help – Hilfe zur Selbsthilfe sagt, von Anfang an wurden Nothilfe und Wiederaufbau, besonders von kritischer Infrastruktur, in der Ukraine parallel gedacht. Eine deutliche, positive Veränderung ist allerdings die immer stärkere Einbindung der lokalen Zivilgesellschaft.
- Von Anfang an haben die Johanniter und ihre Partner in der Ukraine der Zivilbevölkerung unter anderem bei der Evakuierung aus den Kampf- und Frontgebieten geholfen, Grundnahrungsmittel und medizinische Versorgung bereitgestellt, zerstörte Häuser wieder aufgebaut und Gesundheitseinrichtungen unterstützt. Aufgrund der erheblich gestiegenen Zahl an Kriegsveteranen ist zusätzlich das Thema Rehabilitation für Männer relevant geworden. Aus diesem Grund wird der lokale Partner ELEOS ab Anfang 2026 eine Unterkunft ausschließlich für männliche Veteranen einrichten.
- World Vision berichtet: 2022 konzentrierte sich die humanitäre Hilfe auf sofortige lebensrettende Maßnahmen – Nahrungsmittel, Unterkünfte, Evakuierungshilfe, Notfallgeld und Schutz für neu vertriebene Menschen. 2023 bis 2024 wurde die Hilfe um Schutzdienste, Wintervorbereitungen und Notfall-Energieversorgung sowie Unterstützung für Aufnahmegemeinden neben der fortgesetzten Nothilfe erweitert. Nun steht lebensrettende Hilfe bei gleichzeitiger Anpassung an sich verändernde Bedürfnisse wie Energieausfälle im Winter, andauernde Angriffe auf die Infrastruktur und die anhaltenden Bedürfnisse von Millionen schutzbedürftigen Zivilist:innen im Fokus.
- action medeor erklärt, dass sie derzeit die Hilfe wie bisher fortführen können. Ab dem kommenden Jahr erwarten sie nach jetzigem Stand einen starken Rückgang der Projekte.
- Auch arche nova berichtet von zurückgegangen Möglichkeiten – wegen der starken Kürzungen in den Mitteln der humanitären Hilfe und der zunehmend gefährlicheren Einsatzbedingungen für Helfer:innen. Wegen weniger Geldern musste arche nova wie viele andere auch Personal abbauen, ist aber im Süden, Osten und in der Zentralukraine weiter mit ihrem Kernteam im Einsatz.
- Auch AWO International musste den Umfang ihrer Hilfe anpassen und den Schwerpunkt auf nachhaltige und langfristige Projekte verlagern. Das führt aber auch dazu, dass Menschen in ländlichen, abgelegeneren Gebieten oftmals keinen oder wenigen Zugang zu wichtiger humanitärer Hilfe haben.
- CARE sagt: Der humanitäre Bedarf in der Ukraine ist weiterhin enorm. Gleichzeitig ist klar: Ohne verlässliche und langfristige Finanzierung kann Hilfe heute nicht mehr in dem Umfang geleistet werden wie in den ersten Monaten der Invasion. Für CARE und andere humanitäre Organisationen bedeutet das schwierige Priorisierungsentscheidungen. Die verfügbaren Mittel konzentrieren sich auf lebensrettende Maßnahmen und auf besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, häufig entlang der Frontlinien oder in neu betroffenen Gebieten. Andere zentrale Aktivitäten müssen reduziert oder aufgeschoben werden. Die Auswirkungen sind konkret spürbar: In Kramatorsk unterstützte CARE mobile medizinische Teams, die palliativ versorgungsbedürftige Menschen in abgelegenen Regionen erreichten. Ohne weitere Finanzierung können diese Besuche nicht fortgesetzt werden – für viele Patienten entfällt damit der Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung.
- Auch HelpAge spürt die Kürzungen und die sinkenden Geberbeiträge. Für ältere Menschen sind die Folgen besonders gravierend, vor allem für jene in Hochrisikogebieten, Alleinlebende oder Personen, die sich nach Vertreibung aufgrund von Wohnraummangel und begrenzter staatlicher Unterstützung kaum integrieren können. Weniger Mittel bedeuten für sie häufiger den Verlust lebenswichtiger Unterstützung und sozialer Begleitung.
- Help berichtet, dass die Mittelkürzungen in den laufenden Projekten glücklicherweise noch keine Auswirkungen haben. Jedoch ist die Konkurrenz bei den Antragstellungen deutlich größer geworden, da weniger Gelder vergeben werden.
- Laut den Johannitern hat sich der Umfang der Hilfe inzwischen erheblich verringert, wobei der Bedarf weiterhin immens hoch ist. Kämpfe und Flucht gehen unverändert weiter. Die humanitären Bedürfnisse der Bevölkerung nehmen nicht ab. Deshalb, so die Johanniter, ist die weitere Unterstützung der Ukraine für die europäische Gemeinschaft von entscheidender Bedeutung.
- World Vision berichtet davon, dass Finanzierungslücken ein großes Hindernis bleiben und den Umfang der Hilfe beeinträchtigen. Diese Lücken haben die humanitären Akteur:innen bereits dazu gezwungen, nur die dringendsten, lebensrettenden Maßnahmen zu priorisieren, und es besteht die Gefahr, dass die grundlegenden Dienstleistungen eingeschränkt werden, wenn die Mittel nicht aufgestockt werden.
Die Geschichten der drei Paare stehen stellvertretend für die vielen Schicksale – und erzählen, was Krieg und Flucht speziell für ältere Menschen bedeutet, die ihr ganzes Leben an ihrem Heimatort verbracht haben.
So wie Yaroslava und Anatolii. Als die beiden wussten, dass sie nicht bleiben können, hatten sie bereits sieben Monate ums Überleben gekämpft.
Ein Ort, der ihnen Halt gibt

Sein ganzes Leben hatte das Paar in Kakhova verbracht, einer Stadt in der Region Cherson. Bis der Krieg in der Ukraine großflächig ausbrach und ihre Heimat unter Besatzung geriet.
Angst, Unsicherheit, Kämpfe. Plötzlich war für Anatolii, 70 Jahre alt, und seine Frau Yaroslava, 69 Jahre, alles anders. Im August 2022 flohen sie schließlich nach Lviv in den Westen der Ukraine.
Doch das Leben dort ist schwierig, Arbeit finden der Bauleiter und die Buchhalterin nicht. Hilfsleistungen für binnengeflüchtete Menschen helfen ihnen dabei, die Miete zahlen zu können. Hinzu kommt: Beide sind auf Medikamente angewiesen, ein weiterer großer Kostenfaktor für das Paar.
Der lokale Community Safe Space von unserer Bündnisorganisation HelpAge gibt den beiden Halt. Fast jeden Tag sind sie dort. Dieser Ort hilft ihnen, sich ein bisschen mehr zu Hause zu fühlen, obwohl die eigentliche Heimat mehr als tausend Kilometer entfernt ist.
Der Safe Space ist längst ein fester Bestandteil im Leben von Yaroslava und Anatolii geworden. “Wir wissen nicht, was wir ohne diesen Ort tun würden. Er ist für Menschen unseres Alters aus der ganzen Ukraine, die wegen des Krieges ihr Zuhause verloren haben, zu einem zweiten Zuhause geworden”, sagt Yaroslava.
Es ist ein Ort, der den beiden Trost spendet, an dem sie neue Freundschaften geschlossen haben und der ihnen das Gefühl gibt, dazuzugehören. Yaroslava malt und bastelt dort und besucht Fitnesskurse. Anatolii spielt Schach und findet Ruhe und Entspannung, wenn er mit anderen Menschen redet, die Ähnliches wie er selbst erlebt haben.
Yaroslava sagt: “Für viele ist es heute der einzige Ort, an dem sie sich gebraucht fühlen.”
Dmytro, 68 Jahre, und seine Frau Liubov, 56 Jahre, haben Ähnliches erlebt. Es war August 2024, als fliehen mussten. Rund anderthalb Jahre war es da schon her, dass der Krieg eskaliert war.
Schmerz, nichts als Schmerz

“Wir haben alles gesehen”, sagt Dmytro und meint damit das, was mit den Kämpfen und der eskalierenden Gewalt zu tun hat. Bomben, Streumunition, zerstörte Häuser, verletzte Menschen, tote Menschen. “Es war brutal. Nur Schmerz, nichts als Schmerz”, sagt Dmytro.
Das Paar floh nur mit dem, was es tragen konnte, in Richtung Westen des Landes. Eine ihrer größten Sorgen: ihre Imkerei, eine wichtige Einkommensquelle für die beiden.
Mit einem kleinen Anhänger fuhren Dmytro und Liubov immer wieder hin und her, viermal, fünfmal, und transportieren die Bienenstöcke in ihre neue Zuflucht in der Nähe von Dnipro. 350 Kilometer pro Strecke waren das, sagt Dmytro.
Dann war es geschafft. Das Paar baute seine Imkerei wieder auf und bekam dabei Unterstützung von World Vision in Form von Weiterbildungen. “Die Schulungen haben uns sehr geholfen”, sagt Dmytro. “Sie haben uns wieder Selbstvertrauen gegeben.” Dank finanzieller Unterstützung konnten sie sich Ausrüstung wie Werkzeuge und Schutzkleidung kaufen.
Noch können die beiden nicht von der Imkerei leben, aber das ist das Ziel. “Wir sind noch nicht wieder ganz auf den Beinen”, sagt Dmytro. “Aber wir planen, dass die Imkerei unsere Haupteinnahmequelle wird.”
Kaum 15 Quadratmeter groß ist der Raum, den Katerina, 74 Jahre, und Stanislav, 81 Jahre, sich teilen. Zwei Betten, ein Kleiderschrank, ein Tisch, mehr passt nicht rein. “Wir mussten aus unserem Zuhause fliehen, als die Front näher rückte”, sagt Katerina.
Sie wollten nicht weg

Ihr Zuhause, das ist Huliaipole, eine kleine Stadt an der Frontlinie. Bevor der Krieg eskalierte, lebten dort etwa 12.000 Menschen. Jetzt ist es fast vollständig zerstört, kaum jemand ist mehr da. “Es war unser Zuhause, wir wollten nicht weg”, sagt Katerina. “Also bleiben wir hier in dieser Stadt, so nah wie möglich, ohne direkt an der Front zu sein. Ich möchte so nah wie möglich an meinem Zuhause leben.”
In einem ehemaligen Studierendenwohnheim in Zaporizhzhia im Südosten der Ukraine, rund 100 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt, fanden sie Zuflucht. In der Notunterkunft teilt sich das Paar das Zimmer, in das gerade das Nötigste hineinpasst.
In dieser Situation erhielt Roman eine finanzielle Unterstützung von Help. Mit dem Geld kaufte er unter anderem ein Babyfon, um seine Mutter auch außerhalb des Zimmers jederzeit hören und für sie erreichbar sein zu können.
“Jetzt kann ich kurz in den Laden gehen und weiß trotzdem, wie es ihr geht. Ich liebe meine Mutter und bin nicht bereit, sie gehen zu lassen.”
Roman, aus der Stadt Izium
Für ihn bedeutet diese Hilfe die Möglichkeit, seine Mutter in Würde zu pflegen – und gleichzeitig kleine Freiräume zum Durchatmen zu haben.
Die Helfer:innen unserer Bündnisorganisationen und deren lokale Partner stehen den Menschen in der Ukraine zur Seite: im Land, auf allen Stationen der Flucht und in den Zufluchtsländern. Und das seit vielen Jahren. Vielen Dank, dass Sie diese Hilfe mit Ihrer Spende möglich machen!
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die betroffenen Menschen aus der Ukraine.
Stichwort: Nothilfe Ukraine
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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