Hunger in Madagaskar - unsere Bündnispartner sind vor Ort

Kampf gegen Hunger in MadagaskarInterview: "Die Ernten reichen nicht aus"

07-04-2017

von ADRA

ADRA-Mitarbeiterinnen Gabriele Hansch und Heike Stumpf

Heike Stumpf (rechts) ist Länderkoordinatorin Burkina Faso, Mali, Burundi und Madagaskar bei unserem Bündnispartner ADRA. Sie hat das Projektgebiet bereist. Im Interview erläutert sie gemeinsam mit Gabriele Hansch (links), Leiterin der Afrika-Programme bei ADRA, wieso es in den Ländern Afrikas immer wieder zu Hungerkrisen kommt.

Warum bleiben Hunger und Ernährungsunsicherheit in vielen Ländern Afrikas, wie etwa auch in Madagaskar, problematisch?

Gabriele Hansch: Armut, Hunger und Ernährungsunsicherheit sind für 232 Millionen Menschen in Afrika eng miteinander verbunden. Fast jeder vierte Afrikaner hungert. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden durch externe Faktoren wie Klimawandel und bewaffnete Konflikte verstärkt. Vielen Menschen fehlen Land und erforderliche Mittel für den Anbau von Nahrung, die Ackerböden sind unfruchtbar und ausgelaugt. Die Ernten reichen nicht aus, um die Familien zu versorgen. Dies führt langfristig zu chronischer Mangel- und Unterernährung und hat Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen.

Heike Stumpf: Der Süden Madagaskars, wo unsere Projektregion liegt, ist extrem trocken und heiß. Viele Feldfrüchte wachsen dort nur schlecht, so dass das Angebot an Lebensmitteln auf wenige Sorten beschränkt bleibt. Das führt zu einer einseitigen Ernährung, die die Menschen langfristig schwächt und krank macht.

Insbesondere die Ernährung von Schwangeren und Kleinkindern in den ersten zwei Lebensjahren ist sehr wichtig. Eine unausgewogene Ernährung hemmt ihre körperliche und geistige Entwicklung und verursacht irreversible Schäden. Hinzu kommt, dass es kaum sauberes Trinkwasser gibt, weshalb Durchfallerkrankungen sehr häufig sind. Gleichzeitig sind die Menschen aber zu arm, um sich angepasstes Saatgut und landwirtschaftliche Produktionsmittel kaufen zu können, die ihre Lage verbessern könnten.

Inwieweit werden vorhandene Probleme in Afrika durch den Klimawandel verstärkt?

Gabriele Hansch: Die fortschreitende globale Erwärmung führt zu klimatischen Veränderungen. El Niño verschärft die bestehenden Probleme in den Zonen, die bereits unter zunehmender Trockenheit und Wüstenbildung leiden.


In Afrika ist insbesondere die Sahelzone betroffen, die sich von West- bis Ostafrika erstreckt, punktuell auch das südliche Afrika. So werden auch im südlichen Madagaskar die Dürreperioden immer länger und Niederschläge immer weniger. Andernorts ereignen sich sintflutartige Überschwemmen, die ganze Ernten und Erträge vernichten. Beides führt zur Vertreibung von Menschen aus ihrer Heimat und zu massiver Migration.

ADRA hat vor einem Jahr ein Projekt zur Verbesserung der Ernährungssicherheit in Madagaskar gestartet. Schildern Sie kurz, um was es dabei geht?

Heike Stumpf: Das Projekt besteht aus mehreren Komponenten. Eine der Komponenten ist die Ernährungssicherheit. Durch verbessertes Saatgut, die Vergabe von Ackerbaugeräten, Schulungen zu verbesserten landwirtschaftlichen Techniken sowie die Wiederherstellung von Brunnen wird eine bessere und vielfältigere landwirtschaftliche Produktion ermöglicht.

Die Menschen erhalten so mehr Lebensmittel und können sich ausreichend und ausgewogen ernähren. Zudem können sie Überschüsse auf lokalen Märkten verkaufen und sich so ein zusätzliches Einkommen verschaffen. Als Soforthilfemaßnahme wird für Schwangere und Kleinkinder spezielle Aufbaunahrung verteilt.

Eine weitere wichtige Komponente des Projekts ist die Katastrophenvorsorge. So werden verschiedene Pläne für Katastrophen wie Dürren und Heuschreckenplagen erstellt. Die Menschen können dann auf Katastrophen schneller reagieren, sind besser gewappnet und erholen sich schneller.

Frau Stumpf, Sie waren vor kurzem im Projektgebiet. In welchem Stadium befindet sich das Projekt aktuell?

Heike Stumpf: Mittlerweile haben sich die dörflichen Gemeinschaften organisiert und es wurden Demonstrationsparzellen sowie Baumschulen angelegt. Auf diesen wird der Anbau verschiedener Pflanzen erprobt, womit theoretische und praktische Elemente der Fortbildung verknüpft sind. Die Bäume, die in den Baumschulen vorgezogen werden, werden an die Bauern verteilt.

Einige Bauern nutzen auf ihren Feldern bereits die verbesserten Sorten und ihr erworbenes Wissen mit Erfolg. Und es wurden auch schon einige Brunnen wiederhergestellt, so dass eine bessere Bewässerung der Felder möglich ist und den Menschen sicheres Trinkwasser zur Verfügung steht. Verschiedene Katastrophenpläne wurden bereits erstellt und zum Teil auch validiert.

Das Projekt von ADRA ist also gut gestartet, hat aber noch einen weiten Weg vor sich. Alle Beteiligten sind aber trotz schwieriger Bedingungen gewillt, das Projekt zu unterstützen und aktiv mitzugestalten.

Infografik: Hungermaßband
 
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