Hochwasser Deutschland 2021Hochwasserhilfe: So unterstützt unser Bündnis lokale Hilfsaktionen und Vereine

19-11-2021

von Aktion Deutschland Hilft

Lucas Bornschlegl ist überzeugt: "In der AHRche gibt es den besten Kaffee an der Ahr." Wie auf Kommando kommen im selben Moment zwei Frauen mit dampfenden Kaffeetassen aus einem der großen Zelte. Sie grüßen ihn. Man kennt sich.

In Kürze: So unterstützt unser Bündnis lokale Hilfsaktionen und Vereine


Bornschlegl ist der Gründer des Vereins "Die AHRche".  Der Standort wirkt wie eine gut organisierte und bunte Mischung aus Wochenmarkt, Bauhandwerksmesse und Festival. Es gibt ein Küchenzelt, einen Friseurcontainer, ein Zelt mit Sachspenden und vieles mehr.

Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal ist ein ehemaliger Campingplatz in Ahrweiler zu dieser zentralen Anlaufstelle geworden: für die Menschen aus dem Viertel, für Helfer:innen und Betroffene aus anderen Stadtteilen.

Die AHRche

Frühstück, warme Mahlzeiten und Getränke, eine Sachspenden-Ausgabe, Werkzeugverleih, Waschsalon, Seelsorge, "1-Raum-Heizungen", Beratung für behördliche Fragen, Friseur- und Podologie-Container, Kinderkino – das Angebot der AHRche ist vielfältig.

Der Verein wurde in Folge der Flutkatastrophe ins Leben gerufen. Neben der lokalen Bevölkerung waren daran Helferinnen und Helfer aus ganz Deutschland beteiligt. Schon in der ersten Hochwasser-Woche startete die Hilfsaktion mit einem Lichtmast mit Scheinwerfer, einer Stromquelle zum Laden von Handys, einer Dusch- und Waschmöglichkeit sowie einer kleinen Verpflegungsstation; wenig später stand das Küchenzelt.

Die inmitten von Trümmern errichtete Hilfsstation ist inzwischen eine zentrale Anlaufstation für betroffene Menschen, Anwohnende und Helfende.

Mehr Infos finden Sie hier: www.die-ahrche.de

Vielfältige Angebote und vielfältige Menschen

Ella beispielsweise lebt gleich um die Ecke. Sie kommt an diesem Novembertag in der AHRche vorbei, um sich Werkzeug zu leihen. Auch ihr Haus hat Flutschäden erlitten, erzählt sie, heute will sie etwas an der Elektrik reparieren. In einem der großen Zelte unterhalten sich zwei ältere Damen beim Einkaufen mit großer Begeisterung über Lucas Bornschlegls Engagement.


Auch darum geht es hier: um den Austausch zwischen Menschen. Und darum, ein Stück Normalität im Katastrophengebiet zu schaffen. "Solche Anlaufpunkte sind wichtig", sagt Bornschlegl. "Die AHRche ist wie ein Dorfplatz, an dem Leute zusammenkommen können."

ADRA in der AHRche: Effektive Mikroorganismen

Durch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden Gift- und Schadstoffe angeschwemmt, die sich in vielen Häusern und Gärten abgesetzt haben. Um den Folgen entgegenzuwirken, stellt ADRA, Bündnisorganisation von Aktion Deutschland Hilft, in der AHRche effektive Mikroorganismen (EM) bereit. Sie helfen, Geruch und Schimmel zu bekämpfen.

Bei effektiven Mikroorganismen handelt es sich um eine Mischung verschiedener mikroskopisch kleiner Lebewesen. Diese dienen dazu, überschwemmte Flächen wieder nutzbar zu machen, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. ADRA stellt zusätzlich Informationsmaterial, Schutzkleidung und Sprühpumpen bereit und bietet Schulungen an.

Durch das Auftragen von EM können diese Giftstoffe neutralisiert und Geruchsbildung bekämpft werden. Die EM kommen auch bei der Wiederherstellung von landwirtschaftlichen Flächen zum Einsatz. "Wir sind froh, lokale Initiativen wie die AHRche unterstützen zu dürfen", sagt Matthias Münz von ADRA. Dass im Katastrophengebiet so viele Helfer:innen an einem Strang ziehen und gemeinsam so viel Energie aufbringen, beeindrucke ihn sehr.


In der Luft liegt der Geruch von deftigem Mittagessen. "So ein voll ausgestattetes Küchenzelt ist Gold wert bei so einer Katastrophe", sagt Bornschlegl.


Die ersten organisatorischen Schritte finanzierte er selbst. Es folgten Spenden – und 15.000 Euro von ADRA, die über den gemeinsamen Spendenaufruf von Aktion Deutschland Hilft  gesammelt wurden. "Das ging schnell und unbürokratisch und hat dafür gesorgt, dass die AHRche wachsen konnte", berichtet er. "Der Zusammenhalt aller Akteure hat mich sehr beeindruckt. So ein Riesenprojekt ist nur gemeinsam zu schaffen."

Die Essensausgabe in dem großen Zelt grenzt direkt an die Küche; davor hölzerne Tische, bunte Deko: ein gemütliches und warmes Gemeinschafts- und Esszimmer. Auch vor dem Caféstand von Claire H.  ist in Betrieb, die Kaffeemaschine zischt. Und beim Verladen der gerade gelieferten Wasserkanister packen alle mit an, die gerade da sind.


Bildergalerie: Eindrücke aus der AHRche

Ahrtal: Der Winter kommt – wie geht es weiter?

Draußen scheint die Sonne, die Bäume rundum leuchten in herbstlichem Gelb. Die Luft riecht schon nach Winter, nach klarer Kälte. Wie geht es weiter für die Menschen, die jetzt keine warme Unterkunft haben?

"Bei uns in der AHRche sind wir sehr souverän auf die kalte Jahreszeit eingestellt. Wir sind dabei, das Camp winterfest zu machen, um das Angebot aufrecht zu erhalten. Da sehe ich uns auf einem sehr guten Weg", sagt Lucas Bornschlegl.

Die Akutphase der Hilfe sei vorbei, jetzt müsse mittel- und langfristiges geplant werden. Um diese Krise zu überstehen, brauche es Ausdauer, Sicherheit und Perspektiven.

Wärme ins Ahrtal zu bringen ist das nächste Vorhaben des Vereins. Hunderte Einraum-Heizungen sind kostenlos verfügbar – dank vieler helfender Hände. Die Geräte können einen Raum von bis zu 50 Quadratmetern beheizen.


Mehr über die Winterhilfe von Aktion Deutschland Hilft lesen Sie hier!

Wie unterstützt Aktion Deutschland Hilft lokale Initiativen?

Aktion Deutschland Hilft ist ein Bündnis von mehr als 20 Hilfsorganisationen. Spenden werden an die Bündnisorganisationen, die in den Hochwassergebieten im Einsatz sind, weitergegeben. Dort wird das Geld in vielfältige Hilfe umgesetzt. Die Zusammenarbeit von ADRA und AHRche ist nur ein Beispiel von vielen.

Help – Hilfe zur Selbsthilfe etwa fördert soziale Einrichtungen wie Schulen, Kitas und Sportvereine mit bis zu 30.000 Euro. Und der Paritätische Gesamtverband (DPWV) unterstützt beispielsweise die Dachzeltnomaden im Ahrtal.

Unsere Hilfe nach der Hochwasser-Katastrophe

Gemeinsam werden wir noch mehrere Jahre in den Hochwassergebieten vor Ort sein, um die Menschen sowie gemeinnützige Einrichtungen finanziell unterstützen und beim Wiederaufbau helfen.

So halfen und helfen wir in der Nothilfe-Phase

  • Wir helfen bei der Evakuierung, Bergung und Rettung von Menschen
  • Wir sichern gefährliche Bereiche ab
  • Wir unterstützen den Rettungsdienst mit geländegängigen Fahrzeugen
  • Wir liefern Verbandsmaterial und Tetanusimpfungen, da es bei den Aufräumarbeiten häufig zu Verletzungen kommt
  • Wir organisieren Notunterkünfte, verteilen Schlafsäcken, Bettwäsche und Spielzeug für Kinder
  • Wir verteilen Lebensmittel und verpflegen die Einsatzkräfte vor Ort
  • Wir liefern Wasserentkeimungstabletten, stellen Wasseraufbereitungsanlagen bereit und verteilen Trinkwasser
  • Wir verteilen Hygieneartikel wie Duschgel, Zahnbürsten und –pasta und helfen mit Desinfektionsmittel und FFP2-Masken, einer Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken
  • Wir leisten technische und logistische Unterstützung, um Orte wieder zugänglich und Straßen passierbar zu machen
  • Wir verteilen Notstromaggregate, Baulampen und Powerbanks
  • Wir zahlen Soforthilfe aus


Informationen & Anlaufstellen für Betroffene finden Sie hier!

So helfen wir mittel- und langfristig

  • Wir finanzieren Mobilheime, in denen Familien vorübergehend leben können
  • Wir stellen solarbetriebene Straßenleuchten auf
  • Wir installieren temporäre Stromverteiler und Wasserzisterne
  • Wir unterstützen die Feststellung von Gebäudeschäden und Statik-Überprüfung, bevor betroffene Menschen in ihre Häuser zurückkehren
  • Wir stellen Bautrockner, Hochdruckreiniger und weitere Materialien für Reparaturen und Aufräumarbeiten zur Verfügung
  • Wir helfen bei den Aufräumarbeiten und der Entsorgung von Müll
  • Wir unterstützen betroffene Arztpraxen und Apotheken, um die medizinische Versorgung sicherzustellen
  • Wir schaffen Räume, die vorübergehend als Bürgerbüro, für Rezeptausgaben oder Therapie genutzt werden können
  • Wir stehen Kindern und Erwachsenen mit psychosozialer Hilfe zur Seite und helfen Einsatzkräften, die Erlebnisse besser verarbeiten zu können
  • Wir betreiben einen mobilen Waschsalon und verteilen Waschmaschinen und Trockner
  • Wir unterstützen Nachbarschaftshilfen und koordinieren die Verteilung von Sachspenden
  • Wir helfen Kindern und Jugendlichen, etwas Abstand zu den schrecklichen Erlebnissen zu gewinnen und organisieren dafür Freizeitprogramme
  • Wir beraten Betroffene in behördlichen und versicherungstechnischen Fragen
  • Wir unterstützen den Wiederaufbau von Schulen und sozialen Einrichtungen
  • Wir organisieren den Aufbau eines Behelfskindergartens
  • Wir helfen betroffenen Haushalten, Landwirt:innen, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Kitas und Schulen mit finanziellen Hilfen


Wo und wie wir genau mittel- und langfristig Hilfe leisten, sehen Sie in dieser interaktiven Karte!

Informationen & Anlaufstellen für Betroffene finden Sie hier!


Danke, dass Sie diese Hilfe mit Ihrer Spende möglich machen!

 

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden, um die Nothilfe für die vom Hochwasser betroffenen Menschen in Deutschland zu unterstützen:

Spenden-Stichwort: Hochwasser Deutschland
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden