Eine Frau im Südsudan arbeitet auf dem Feld.

Hunger in AfrikaInterview: Neue Hoffnung für Vertriebene im Südsudan

27-06-2017

von ADRA

Mehari Dawit im Portrait.

Im Südsudan wurden seit Beginn des Bürgerkrieges im Dezember 2013 tausende Menschen innerhalb des eigenen Landes vertrieben. Viele Frauen, Männer und Kinder sind in die Bezirke Nasir und Ulang geflohen. Sie haben alles verloren. Welche die größten Probleme in der Region sind und wie unsere Bündnisorganisation ADRA hilft, sie zu lösen, berichtet Länderkoordinator Dawit Mehari im Interview.

Wie ist die Lage in der Projektregion?

Im Gegensatz zu anderen Regionen im Südsudan ist die Lage in den Bezirken Nasir und Ulang relativ stabil. Manchmal kommt es zu kämpferischen Auseinandersetzungen und ethnischen Konflikten. Das Zusammenleben mit den Gastkommunen verläuft dagegen friedlich. Gerade ist Regenzeit und die Menschen bestellen ihre Felder.

Was sind die größten Probleme für Vertriebene und Gastkommunen?

Alle Binnenvertriebenen müssen ganz von vorne beginnen. Durch den Bürgerkrieg wurden ihre Dörfer zerstört und sie haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Ihnen fehlen Land, Geräte und Vieh, um sich selbst versorgen zu können.

Die landwirtschaftlichen Kenntnisse reichen oft nicht aus, um mehr zu produzieren. Das ist aber erforderlich, damit sie Vorräte bilden können. Wiederholt kommt es zu Ernteverlusten durch saisonal bedingte Überflutungen und Schädlingsbefall.

Ein weiteres Problem ist die Tiersterblichkeit, die aufgrund von Krankheiten und fehlenden Impfungen recht hoch ist. Alle diese Faktoren führen zu chronischem Hunger und Mangelernährung.

Wie hilft ADRA, den Hunger und die Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen?

Alle Maßnahmen von ADRA sind darauf ausgerichtet, dass sich die Menschen langfristig selbst helfen können. Nachhaltigkeit ist uns ein Anliegen. Deshalb werden Produktionsmittel für Landwirtschaft und Fischerei an die Menschen verteilt, damit sie ihre Lebensgrundlage wieder mitgestalten können.

Um das Potential voll auszuschöpfen, erhalten sie Schulungen in nachhaltigen landwirtschaftlichen Techniken einschließlich Fischerei. Neben der Landwirtschaft und der Fischerei ist die Viehhaltung für die Menschen entscheidend. Die Milch dient der Ernährung, während Dung ein wichtiger Bestandteil der biologischen Landwirtschaft ist.

Den Menschen werden tiermedizinische Kenntnisse vermittelt und es werden Dorfhelfer ausgebildet, die – in Zusammenarbeit mit Fachkräften von ADRA – Tiere behandeln können. 

Welche Projektbereiche gibt es noch?

Es werden Workshops zur Führung von Kleinstunternehmen durchgeführt: damit die Begünstigten lernen, wie sie ihre Erzeugnisse vermarkten und Rücklagen bilden können. Zu diesem Zweck werden Spar- und Kleinkreditgruppen geschult. Sie sparen Geld an und können es für Investitionen verleihen, ähnlich einer Bank.

Ein weiterer wichtiger Teil des Projekts ist der Aufbau von Saatgutbanken. So wird sichergestellt, dass ausreichend Saatgut erhalten bleibt, das den Bauern für die nächste Aussaat zur Verfügung steht.

Was hat ADRA seit Beginn des Projekts im November 2015 in der Region erreicht?

Mit den Hilfsmaßnahmen hat ADRA insgesamt 10.000 Haushalte erreicht. Die Begünstigten konnten sehr gute Erfolge erzielen. Sie haben Überschüsse an Getreide und Gemüse sowie aus dem Fischfang erwirtschaftet und viel davon auf den lokalen Märkten verkauft. Zum Teil werden die Fische getrocknet und sogar über die Landesgrenze hinaus verkauft.

Von dem Verkaufserlös haben die Menschen nun Rücklagen gebildet, auf die sie in schweren Zeiten zurückgreifen können. Außerdem ist die Tiersterblichkeit erheblich zurückgegangen und die Rinder produzieren deutlich mehr Milch als vorher. Die Milch dient den Menschen als Lebensmittel und trägt zu einem zusätzlichen Einkommen bei.

Dawit Mehari ist Länderkoordinator Äthiopien und Südsudan bei unserer Bündnisorganisation ADRA.

Die meisten Flüchtlinge weltweit sind Binnenflüchtlinge

Die Infografik zeigt: Mehr als 60 Prozent der Menschen, die vor Gewalt, Krieg oder Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen müssen, sind im eigenen Land auf der Flucht. 

Infografik: Flüchtlinge weltweit  
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