Ein Mann hält ein Kind fest im Jemen
© Islamic Relief

Hungerkatastrophe JemenHäufig gestellte Fragen zu der Hungerkatastrophe im Jemen

27-12-2016

I. Allgemein

1. Wie ist die aktuelle Situation im Jemen?

Seit 2014 bekämpfen sich im Jemen die Huthi-Rebellen und eine arabisch-westliche Militärkoalition. Leidtragend ist dabei vor allem die Zivilbevölkerung. Seit Beginn der Kämpfe starben bereits mehr als 7.000 Menschen, mehr als 43.000 wurden verletzt.

Die humanitäre Not ist groß und viele Jemeniten können sich nicht einmal mit dem Nötigsten versorgen. Dabei ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln am kritischsten. Sieben Millionen Menschen leiden akuten Hunger und sind dringend auf Hilfe angewiesen. Grund dafür ist auch die Verdopplung der Preise für Lebensmittel.

Zudem fliehen Menschen aus ihren Heimatdörfern und Kriminalität und Unruhen nehmen zu. Tausende Kinder starben bereits an vermeidbaren Krankheiten wie Cholera und Malaria und wegen nicht erfolgter Impfungen. Vielerorts ist die Infrastruktur zerstört. Tankstellen, Geschäfte, Schulen und Banken sind geschlossen, dazu die Krankenhäuser völlig überfüllt.

2. Wie viele Menschen sind betroffen?

Insgesamt sind knapp 19 Millionen Menschen, das entspricht einem Viertel der deutschen Bevölkerung, im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie brauchen Lebensmittel, sanitäre Versorgung, ein Dach über dem Kopf oder medizinische Unterstützung. Sieben Millionen sind akut vom Hunger bedroht und wissen nicht, was sie am nächsten Tag essen sollen, davon 3,3 Millionen Kinder und schwangere oder stillende Frauen.

Zusätzlich überrollt eine Cholera-Epidemie das Land. Bisher sind knapp 2.000 Menschen an der Krankheit gestorben. Die Vereinten Nationen berichten von etwa 360.000 Verdachtsfällen.

3. Welche Organisationen sind wo im Einsatz?

ADRA: Mit 175 Mitarbeitenden in den Gebieten Al Jawf, Marib, Aden, Hajjah und Al-Hudaydah
CARE: Mit ca. 150 Mitarbeitenden Amran, Abyan, Hajjah, Ta’izz und Lahi
Islamic Relief: Mit 148 Mitarbeitenden in Ta’izz, Aden, Amran, Marib, Raymah, Sana’a, Hodidah und Dhamar
Handicap: Mit ca. 35 Mitarbeitenden in Sana‘a

4. Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Alle Informationen zur Hilfe der Bündnisorganisationen finden Sie hier.

5. Was benötigen die Menschen jetzt am dringendsten?

Ein großes Problem in den stark umkämpften städtischen Gebieten ist vor allem die Wasserversorgung. Viele Wasseraufbereitungsanlagen und Leitungen wurden zerstört. Zudem haben sich die Preise für Grundnahrungsmittel seit Beginn des Konflikts stark erhöht und viele Menschen leiden extremen Hunger. Sie brauchen jetzt eine zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln.

Dabei macht die zerstörte Infrastruktur wie Häfen und Straßen den Transport von Gütern schwierig, teuer und zeitintensiv. Neben Wasser und Lebensmitteln ist die medizinische Versorgung immens wichtig. Vor allem Kinder sterben an Krankheiten, die leicht zu behandeln und vorzubeugen sind, beispielsweise mit einer Impfung.

6. Wie ist die Versorgungslage?

Die Versorgungslage ist vor allem in den Bereichen, in denen gekämpft wird, besonders schwierig. Lebensmittel werden knapp und sind daher extrem teuer, sodass sich viele Menschen diese nicht mehr leisten können. Zudem fehlt es an Benzin, mit dem nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch Brunnenpumpen betrieben werden.

Auch sind durch die Kämpfe viele Gebäude und Straßen zerstört. So dauert es oft lange, bis die Menschen in die größeren Städte gelangen, um dort einzukaufen oder sich versorgen zu lassen. Auf der anderen Seite kommt die Hilfe teils nur sehr langsam in die abgelegenen Regionen.

7. Der Krieg im Jemen läuft schon seit über zwei Jahren. Warum wird jetzt erst zu Spenden aufgerufen?

Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft sind schon lange im Jemen aktiv und unterstützen die Menschen, die dort Hunger und Durst leiden und auf medizinische Versorgung angewiesen sind. In der letzten Zeit sind diese knapp 19 Millionen Menschen aber immer weiter aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten. Mit diesem Spendenaufruf explizit für den Jemen wollen wir ein Zeichen setzen, dass diese Menschen nicht vergessen werden dürfen und die Hilfe so nicht nur neu beleben, sondern wenn möglich ausweiten.

8. Der Krieg im Jemen wird auch von sehr reichen arabischen Staaten geführt, inwiefern leisten diese Kriegsteilnehmer humanitäre Hilfe?

Laut OCHA (Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten aus EU-Ebene) arbeiteten im September 2015 insgesamt 33 internationale Hilfsorganisationen im Jemen. Ob sich darunter auch solche aus arabischen Ländern befinden und wie genau diese finanziert werden, können wir leider nicht sagen. Aus unserem Bündnis Aktion Deutschland Hilft sind derzeit folgende vier Hilfsorganisationen im Jemen tätig: ADRA, CARE, Islamic Relief und Handicap.

9. Ich möchte gerne selbst in den Jemen reisen und helfen – welche Möglichkeiten gibt es?

Zunächst ist es derzeit überaus schwierig, in den Jemen zu reisen. Visagenehmigungen dauern extrem lange und die Flughäfen sind überhaupt nur für bestimmte Personengruppen geöffnet. Zudem stellt die zunehmende Komplexität der Rahmenbedingungen in der humanitären Hilfe hohe Anforderungen an die Qualifikation und Einsatzbereitschaft der Auslandsmitarbeiter/innen. Daher wird für die Mitarbeit in der humanitären Hilfe eine Vielzahl von Qualifikationen und Kompetenzen erwartet, die in der Regel nur durch langjährige Praxiserfahrung und spezielle Trainings erworben werden.

Andere entsenden ausgebildete Spezialisten aus Deutschland nur auf Nachfrage ihrer Partnerorganisation und nur als kurzfristige Berater oder auf der Basis einer professionellen Bedarfserhebung in Abstimmung mit den Behörden vor Ort.

10. Angesichts der Not der Menschen möchte ich nicht mit Geld, sondern Sachspenden helfen – wie geht das?

Häufig sind die gespendeten Gegenstände wie Kleidungsstücke oder Haushaltgegenstände nicht an die im Krisengebiet vorherrschenden kulturellen Gewohnheiten angepasst. Unsere Mitgliedsorganisationen prüfen vor Ort genau, was wo in welcher Anzahl gebraucht wird und können den Bedarf dann durch entsprechende Hilfsgüter decken, die bevorzugt auf dem lokalen Markt beschafft werden. Dies hat zum einen den Vorteil, dass die Hilfsgüter schneller verfügbar sind und keine weiten Transportwege zurückgelegt werden müssen, zum anderen wird hierdurch die lokale Wirtschaft gestärkt. Die Opfer der Katastrophe können sich so wieder ein eigenes Einkommen erwirtschaften.

Der Transport von durch Einzelspenden zusammengetragenen Hilfsgütern bereitet eher Probleme als dass sie nutzen. Da es nicht möglich ist, den Inhalt jedes einzelnen von Spendern zusammengestellten Päckchens zu überprüfen, können auch keine korrekten Ladepapiere erstellt werden, die für den Grenzübertritt notwendig sind. Dadurch können die Einfuhrbestimmungen der Länder, in denen Bedürftigen geholfen werden soll, nicht beachtet werden. Zudem übersteigen möglicherweise die Transportkosten den eigentlichen Warenwert.

II. Spenden an Aktion Deutschland Hilft

1. Wie ist die Spendenbereitschaft für die Betroffenen der Hungerkatastrophe im Jemen?

Noch lässt sich keine Aussage über die Spendenbereitschaft treffen, da Aktion Deutschland Hilft erst seit kurzem zu Spenden aufruft. Generell ist die Höhe von Spenden oftmals an die Berichterstattung in den Medien geknüpft. Da der Jemen in den Medien derzeit eher geringe Beachtung findet, ist vorerst mit keiner hohen Spendenbereitschaft zu rechnen.

2. Wie viel kommt von den Spenden bei den Betroffenen an?

  • 90% der Spenden, die bei Aktion Deutschland Hilft eingehen, werden in die Projektarbeit der Mitglieder gegeben. Die weiteren 10% fließen in die Aktions- und Betriebskosten von Aktion Deutschland Hilft. Unter Aktions- und Betriebskosten fallen etwa Ausgaben für Qualitätssicherung, die Öffentlichkeitsarbeit, den Versand von Spendenbescheinigungen, die Erstellung von Informationsmaterial zu Hilfskampagnen, die Plakatierung sowie die laufenden Kosten für das Aktionsbüro.

3. Wie gewährleisten Aktion Deutschland Hilft und die Mitgliedsorganisationen, dass Spendengelder nicht in falsche Hände geraten?

  • Die Bündnismitglieder von Aktion Deutschland Hilft sind allesamt zivilgesellschaftliche Organisationen und arbeiten unabhängig von Regierungen. Sie verfügen über strenge interne Kontrollmechanismen, um Korruption vorzubeugen.
  • Die unserem Bündnis anvertrauten Spenden werden von eigenen Mitarbeitern der Mitgliedsorganisationen überwacht. Die Hilfeleistungen finden durch eigene internationale oder lokale Mitarbeiter statt bzw. über vertrauenswürdige lokale Partner. Sie werden nicht an Regierungen weitergeben.
  • Auch wir als Bündnis tun alles dafür, dass Gelder so wirksam und sparsam wie möglich ausgegeben werden.

III. Zum Bündnis

1. Worin zeigt sich die Zusammenarbeit der Bündnisorganisationen als Bündnis?

  • Absprachen von Deutschland aus: In Telefonkonferenzen tauschen wir täglich das Neueste zu logistischen und organisatorischen Fragen zur Situation  vor Ort aus und können so die Planungen gezielter angehen.
  • Aktion Deutschland Hilft bietet die Plattform für Kooperationen und gegenseitige Unterstützung.
  • Aktion Deutschland Hilft sammelt Spenden unter einer Kontonummer, die dann nach der Kapazität der Mitgliedsorganisationen (Personal, Infrastruktur, Projektvolumen) vergeben werden.

2. Wie koordinieren sich die Hilfsorganisationen?

Seit dem Tsunami 2004 haben sich die Koordinationsmechanismen erheblich weiterentwickelt. In jeder Katastrophe übernehmen die Vereinten Nationen die Koordination der verschiedenen Hilfsorganisationen, die sich entsprechend ihres Einsatzgebietes miteinander absprechen. Die sogenannten Cluster sind thematisch organisiert, das bedeutet, dass sich medizinische Helfer, Wasseringenieure, Organisationen der Nahrungsmittelverteilung usw. untereinander absprechen, wer wo welche Hilfe leistet.

3. Wie wird die Qualität in den Projekten gewährleistet?

  • Die Bündnisorganisationen haben langjährige Erfahrungen in humanitärer Hilfe, arbeiten nach Sphere-Standards.
  • Aktion Deutschland Hilft schickt gegen Abschluss der Projekte in einigen Monaten unabhängige Evaluierer, Bericht auf Website veröffentlicht.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
nimmt Spenden für die Betroffenen im Jemen entgegen unter:

Spenden-Stichwort: Hunger Jemen
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden