Hochwasser Deutschland 2021Zielgerichtete Hilfe für die Menschen in Dernau

26-10-2021

von Habitat for Humanity/Aktion Deutschland Hilft

Habitat for Humanity ist Teil von Aktion Deutschland Hilft und eine von 15 Bündnisorganisationen, die im Hochwassergebiet aktiv sind.

Schnelle und pragmatische Hilfe in Dernau, Rheinland-Pfalz

In Dernau, Rheinland-Pfalz, hat Habitat for Humanity Deutschland unmittelbar nach der Katastrophe damit begonnen, lokale Initiativen zu unterstützen. Das gemeinsame Ziel: schnell und pragmatisch helfen, damit die betroffenen Menschen wieder mit Strom und Wasser versorgt sind.

Die Hilfsorganisation verleiht Bautrockner, damit die Renovierungsarbeiten möglichst schnell voranschreiten können. Und sie vermittelt Ingenieur:innen, die betroffene Menschen in Schadensfragen beraten.


In Dernau (Kreis Ahrweiler) waren die Auswirkungen der Flut katastrophal. Mehrere Menschen starben; ein Großteil der Häuser und Straßen wurden beschädigt. Neun von zehn Einwohner:innen sind von den Schäden betroffen. 

So hilft Habitat for Humanity im Hochwassergebiet

Habitat for Humanity hilft den Menschen in Dernau auf vielfältige Weise.

  • Bereitgestellte Zisternen versorgen Haushalte mit Brauchwasser
  • Pumpen und Generatoren unterstützen die Menschen beim Wiederaufbau
  • Ingenieur:innen beraten private Haushalte und begutachten Schäden
  • Im Werkzeugverleih können sich Betroffene kostenlos Arbeitsmaterial für die Entkernung der Häuser und weitere Baumaßnahmen ausleihen

Weitere Informationen & Anlaufstellen für Betroffene finden Sie hier!

Werkzeugverleih in Dernau: kostenlos & mobil

Der Werkzeugverleih von Habitat for Humanity bietet kostenlos Werkzeug. Darunter: Stemmhämmer, Meißel, Hochdruckreiniger, Sägen, Kabel, Leitern sowie Schutzausrüstung für freiwillige Helferinnen und Helfer. Darüber hinaus sind dort drei Arbeitsplätze entstanden.

Kontakt & Öffnungszeiten

  • Anträge und Anfragen bezüglich Reparaturen/Wiederaufbau per E-Mail möglich 
  • Adresse Werkzeugverleih: Bungertstr. 3, Dernau/Schuld
  • Mobiler Werkzeugverleih in Altenahr: Altenburger Straße 16 (vor der stillgelegten Rettungswache), nur donnerstags 9:00-19:00 (Telefon: 0157-300-22501)


Habitat for Humanity ist zudem im Krisenstab in Dernau aktiv und steht in regelmäßigem Austausch mit den Gemeindevertretern.

Als eine der aktiven Bündnisorganisation von Aktion Deutschland Hilft erhält Habitat for Humanity einen Teil der Spenden, die seit der Hochwasserkatastrophe beim Bündnis eingegangen sind.

Häufig gestellte Fragen & Antworten zu unserem Hilfseinsatz

Wie ist die aktuelle Lage in den Hochwasserregionen?

Mehrere Monate sind seit der Hochwasserkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli 2021 vergangen. Schwere Unwetter hatten in verschiedenen Bundesländern Überschwemmungen verursacht. Rund 300 Ortschaften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden getroffen.

Die aktuelle Lage ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Gemeinden und Regionen wurden unterschiedlich stark vom Hochwasser getroffen. Mit den zurückgehenden Wassermassen, den voranschreitenden Aufräumarbeiten und der Begutachtung durch Expert:innen wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung nach und nach sichtbar: Wohnhäuser, soziale Einrichtungen und Geschäfte wurden zerstört oder schwer beschädigt, ebenso Straßen, Brücken und Bahngleise. Auch die Strom- und Wasserversorgung wurde durch die Wassermassen stark beeinträchtigt. Zudem hat das verunreinigte Wasser viele Böden, Gärten und landwirtschaftliche Flächen kontaminiert. Landwirt:innen und Winzer:innen haben große Schäden zu beklagen.

Die Aufräumarbeiten und Müllentsorgung dauern an. Teils mussten Häuser abgerissen werden, teils konnte mit der Sanierung und dem Wiederaufbau begonnen werden. Viele Häuser sind wieder an ein Strom- und Wassernetz angeschlossen und es wurden provisorische Abwasserkanäle und Behelfsbrücken errichtet.

Bis heute sind viele Häuser nicht bewohnbar; nicht alle Schulgebäude sind wieder nutzbar. Familien leben zum Beispiel vorübergehend in Ferienwohnungen. Mit Blick auf den nahenden Winter drängt die Zeit: Viele Heizungen müssen repariert oder alternative Wohnmöglichkeiten gefunden werden.

Fest steht: Der Wiederaufbau und die Rückkehr zur Normalität werden Jahre dauern und die betroffenen Familien und Kommunen langfristig auf Hilfe angewiesen sein.

Welche Regionen sind betroffen?

122 Orte in Rheinland-Pfalz und 176 in Nordrhein-Westfalen sind von der Hochwasserkatastrophe 2021 betroffen. Darunter sind der Landkreis Ahrweiler, die Orte Erftstadt und Schuld in der Eifel sowie Wuppertal und Hagen, wo die Menschen den Folgen des Unwetters besonders stark ausgesetzt sind. Allein in Ahrweiler gelten 40.000 Menschen als betroffen.

Mindestens 181 Menschen haben durch die Hochwasserkatastrophe ihr Leben verloren, Hunderte wurden verletzt. Auch mehrere Wochen später werden noch Menschen vermisst. Viele Familien haben alles verloren.

Die betroffenen Kreise in Rheinland-Pfalz sind Ahrweiler, Mayen-Koblenz, Vulkaneifel, Bitburg-Prühm, Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich. In NRW sind es unter anderem die Kreise Oberbergischer Kreis, Rhein-Sieg-Kreis, Mettmann, Heinsberg, Rhein-Erft-Kreis, Mülheim an der Ruhr, Euskirchen und Ennepe-Ruhr-Kreis.

Welche Schäden sind durch die Flut entstanden?

Mit den zurückgehenden Wassermassen und den Aufräumarbeiten wurde das fatale Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Die Versicherungsschäden (Gebäude und Autos) werden auf mindestens 7 Millionen Euro geschätzt; die Schäden an der Infrastruktur sind in diesen Schätzungen nicht enthalten.

Einige kleinere Gemeinden wurden mitsamt ihrer Infrastruktur ganz oder teilweise zerstört. Viele Wohnhäuser und Geschäftsgebäude sind schwer beschädigt, wurden von den Fluten mitgerissen oder mussten nachträglich abgerissen werden. Auch Dutzende Brücken und zahlreiche Kilometer Straßen und Schienen wurden beschädigt oder zerstört.

Für viele Familien ist unklar, wann und ob sie in ihre Häuser zurückkehren können. Die Müllberge, die sich in den Wochen nach der Flut an den Straßenrändern türmten, ließen erahnen, wie viel die Menschen verloren haben. Viele Winzer:innen und Landwirt:innen sind existenziell bedroht. Auch Kindergärten, Schulen, soziale Einrichtungen und Wohnheime wurden durch das Hochwasser beschädigt.

Was benötigen die betroffenen Familien jetzt am Dringendsten?

Das Ausmaß der Katastrophe und der Schäden unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Ebenso ist der Hilfsbedarf der betroffenen Menschen nicht überall gleich.

Dort, wo die Aufräum- und Reparaturarbeiten andauern, werden neben großen Gerätschaften auch Bautrockner, Pumpen und Werkzeug benötigt. Wo Böden und Häuser kontaminiert werden, können zum Beispiel effektive Mikroorganismen Abhilfe schaffen. Beschädigte Heizungen müssen dringend repariert werden. Und Menschen, die weiterhin nicht in ihr Zuhause zurückgehen können, brauchen eine sichere und warme Unterkunft für den Winter.

Wichtig bleibt außerdem die psychosoziale Unterstützung. Viele Familien haben traumatisierende Wochen hinter und eine ungewisse Zukunft vor sich. Anlaufstellen und Informationen für Betroffene finden Sie hier.

Fest steht: Die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft werden die Hochwasserregionen langfristig unterstützen.

Wie helfen die Bündnisorganisationen nach der Hochwasserkatastrophe?

15 Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft leisten den Menschen nach den Unwettern Katastrophenhilfe. Haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte helfen seit Tag 1 der Katastrophe vor Ort. Viele reisten aus ganz Deutschland in die Hochwassergebiete, auch Hilfsgüter wurden bundesweit beschafft.

Während zunächst die Suche und Rettung von Menschen im Mittelpunkt des Hilfseinsatzes stand, fokussieren sich die Helfer:innen zunehmend darauf, wie sie die betroffenen Familien mittel- und langfristig unterstützen können.

Das Ausmaß der Katastrophe unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde. Ebenso unterschiedlich sind die Hilfsmaßnahmen. Während in manchen Orten weiterhin Aufräum- und Reparaturarbeiten im Vordergrund stehen, entstehen andernorts zum Beispiel lokale Büros als Anlaufstelle für Betroffene. Es gibt Angebote für psychosoziale Unterstützung und rechtliche Beratung, Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche sowie Ausgabestellen für Werkzeug. Anlaufstellen und Informationen für Betroffene finden Sie hier!

Alle Hilfsorganisationen verfügen über langjährige Erfahrungen der Not- und Katastrophenhilfe im In- und Ausland. Humanitäre Hilfe lässt sich bei Krisen dieser Art in drei Phasen aufteilen: kurzfristige, mittelfristige und langfristige Hilfe.

Was sind die drei Phasen der Hilfe?

Die humanitäre Hilfe lässt sich bei nationalen und internationalen Katastrophen dieser Art in drei Phasen aufteilen: kurzfristige, mittelfristige und langfristige Hilfe. Die Phasen können sich überschneiden.

Beispiele für...

  • kurzfristige Hilfe: Evakuierungen, Rettungs- und Bergungsarbeiten, Verteilung von Hilfsgütern (Lebensmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel), psychosoziale Hilfe für traumatisierte Menschen, medizinische Versorgung, Aufräumarbeiten
  • mittelfristige Hilfe: Feststellung von Schäden und Statik-Überprüfung an Häusern, Materiallieferungen zur Reinigung von Häusern
  • langfristige Hilfe: Wiederaufbau von Gebäuden und Einrichtungen, Unterstützung für die Strukturen des Katastrophenschutzes


Für die Planung und Umsetzung arbeiten die Organisationen in den Katastrophenverbänden miteinander und mit den zuständigen Behörden und Hilfsorganisationen vor Ort. Im Vordergrund steht, was die Menschen in den betroffenen Regionen konkret benötigen. Der Hilfsbedarf wird über die Strukturen des Katastrophenschutzes sowie lokale Institutionen wie Kitas oder die Jugendhilfe ermittelt.

Spendengelder, die bei Aktion Deutschland Hilft eingegangen sind, finanzieren Hilfsmaßnahmen in allen Phasen. Es gibt keine Vorgaben, in welcher Phase die Bündnisorganisationen die Mittel einsetzen. Es obliegt ihnen, die Spenden bedarfsgerecht und angemessen in Hilfe umzuwandeln.

Gibt es konkrete Beispiele für die Hilfe vor Ort?

Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft waren und sind im gesamten Katastrophengebiet im Einsatz. Die Helfer:innen sind zum Beispiel anhand der verschiedenen Logos auf Fahrzeugen oder Kleidung erkennbar.

Einige Beispiele für konkrete Hilfe, die vor Ort geleistet wird:

  • Im Ahrtal finanziert unser Bündnis Mobilheime als Übergangslösung für Familien, deren Häuser besonders stark beschädigt sind
  • In lokalen Büros sind Vertreter der Hilfsorganisationen ansprechbar. AWO, ASB, DPWV, Johanniter und Malteser informieren dort über kurzfristige Hilfsangebote auf lokaler Ebene. Informationen für Betroffene finden Sie hier.
  • In Kalenborn haben eine Apothekerin und eine Hausärztin ihre Arbeit in Containern wieder aufgenommen
  • Montage von Straßenlaternen in Dernau/Rech
  • Unterstützung gemeinnützig eingetragener Vereine, Schulen und Kitas im Kreis Erft und Aachen
  • Rezept-Sammelstelle und sozialpädagogische Angebote für Kinder
  • In Ahrweiler und Dernau werden Reinigungsmittel zur biologischen Schimmelbekämpfung ausgegeben
  • Mobile Handwerkerteams helfen bei Reparaturarbeiten und Entkernungen, etwa in Dernau
  • Einrichtung von Beratungs- und Anlaufstellen im Kreis Ahrweiler; außerdem Beratungshotlines
  • Hilfsgüter in zahlreichen Orten: Bautrockner, Hochdruckreiniger, Transporter, Einsatzkleidung, Pavillons, Powerbanks, Hygienesets und vieles mehr


Wo und wir genau mittel- und langfristige Hilfe leisten, sehen Sie in dieser interaktiven Karte!

 

 

Wie kommen die betroffenen Menschen an Hilfsgelder?

Aktion Deutschland Hilft zahlt keine Spenden direkt an Betroffene aus. Das gesammelte Geld wird an die Bündnisorganisationen, die in den Hochwassergebieten im Einsatz sind, weitergegeben und dort in Hilfe umgesetzt.

Anlaufstellen und weitere Informationen für Betroffene finden Sie hier.

Mehrere Hilfsorganisationen, darunter Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser, Johanniter oder Arbeiterwohlfahrt, haben insgesamt mehr als 26 Millionen Euro Soforthilfe an Betroffenen ausgezahlt. Tausende Menschen haben diese Hilfen erhalten. Eine einfache Bedarfsprüfung ist wichtig, damit nicht manche Haushalte mehrere Hilfen erhalten – und andere keine.

Es ist uns wichtig, bedarfsgerechte Hilfe zu leisten und eine faire und transparente Mittelverwendung zu gewährleisten. Die Soforthilfen sind nur ein Element unserer vielfältigen Hilfe: Hilfsorganisationen aus unserem Bündnis werden noch mehrere Jahre in den Hochwassergebieten vor Ort sein und die Menschen sowie gemeinnützige Einrichtungen langfristig unterstützen.

Wie wird den Menschen langfristig geholfen?

Die Langzeitschäden von Katastrophen fallen immer höher aus, als die ersten Schätzungen vermuten lassen. Das zeigt auch die langjährige Erfahrung, die unsere Bündnisorganisationen bei internationalen und nationalen Hilfseinsätzen haben.

Aktion Deutschland Hilft wird den Menschen in den Hochwassergebieten langfristig zur Seite stehen und sich am Wiederaufbau beteiligen. Dort, wo staatliche Finanzierungslücken entstehen und Versicherungsschutz nicht greift, werden wir betroffene Familien unterstützen.

Informationen für Betroffene finden Sie hier.

Wie wird der Hilfseinsatz koordiniert?

Für die Planung und Umsetzung der Hilfsmaßnahmen arbeiten die Organisationen in den Katastrophenverbänden miteinander und mit den zuständigen Behörden (Bürgermeister, Krisenstäbe, Landräte) und Hilfsorganisationen vor Ort zusammen.

Die Hilfe soll weiterhin – wie im deutschen Krisenmanagement organisiert – über Krisenstäbe koordiniert werden. Diese werden von den Gemeinden selbst gebildet: Vorsitzender ist Bürgermeister:in oder Landrat; Beteiligte sind Polizei, Feuerwehr, THW und Hilfsorganisationen. Außerdem beraten Expert:innen wie Baustatiker die Krisenstäbe.

Für Einsatzkräfte gibt es sogenannte Bereitstellungsräume wie am Nürburgring (Rheinland-Pfalz). Dort werden Gerätschaften gesammelt und Einsatzkräfte in Bereitschaft stationiert. Meist begeben sie sich von dort zum jeweiligen Einsatzort. Die Bündnisorganisationen werden in der Regel erst nach Entscheidung durch den lokalen Krisenstab aktiv.


Der Hilfseinsatz unserer Bündnisorganisationen geht weiter – und das, so lange es nötig ist. Danke an alle, die helfen!

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden, um die Nothilfe für die vom Hochwasser betroffenen Menschen in Deutschland zu unterstützen:

Spenden-Stichwort: Hochwasser Deutschland
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden