Hilfe für GeflüchteteVon der Geflüchteten zur Beraterin

13-07-2021

von TERRA TECH

Die Wände sind mit Plastikplanen abgehängt; auf dem Boden liegen einige Schlafmatten und Decken. Es gibt zwei Hocker, einen kleinen Tisch und einen Wäschekorb voller Tassen. Die einzige Glühbirne beleuchtet den Raum schummrig.

Es ist das Zuhause von Hayat Mohammed und ihrer Familie. Nachbarn und Kinder schauen neugierig vorbei, während die Mittdreißigerin ihre Fluchtgeschichte erzählt.

Die Geschichte einer Flucht


Hayat Mohammed verließ Äthiopien vor 14 Jahren. "Um Geld zu verdienen", sagt sie. Es war der Beginn einer Odyssee.

Ihr Weg führte nach Saudi-Arabien. Schleuser:innen hatten ihr ein Flugticket und einen Vertrag als Hausmädchen besorgt. Auch ein Visum war ihr versprochen worden. Dafür investierte die junge Frau ein kleines Vermögen. 10.000 Äthiopische Birr (Anm. d. Red.: rund 192 Euro) verlangten sie – viel Geld, das sie sich von ihrer Familie leihen musste.


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Doch Hayat Mohammeds Traum von einem besseren Leben platzte bald. In dem Haushalt, in dem sie als Dienstmädchen angestellt war, war sie die einzige Arbeitskraft. "Ich musste bis zu 24 Stunden täglich arbeiten. Das Essen war schlecht und selten ausreichend." Schlaf war Luxus. Putzen, kochen, waschen und Babysitting – das Pensum war zu hoch. Dazu kamen die Sprachbarriere und körperliche Gewalt.

Kein Visum und Misshandlungen

"Oft wurde ich angeschrien, teils auch misshandelt", erinnert sich die Äthiopierin. Die Chemikalien, die sie zum Putzen benutzen musste, beeinträchtigen ihre Sehfähigkeit. Die Bezahlung war nicht wie versprochen und zu ihrer Familie durfte sie nur einmal im Monat Kontakt aufnehmen.

Irgendwann hielt Hayat Mohammed die Situation nicht mehr aus. Sie floh, lebte fortan auf der Straße und arbeitete als Tagelöhnerin. Schließlich wurde sie verhaftet und nach Äthiopien abgeschoben: "Das versprochene Visum habe ich nie bekommen."

Zurück auf Anfang – zurück in die Armut

Zurück in Äthiopien fand sie wieder eine schwierige Situation vor. Die Familie hatte das Geld, welches sie aus Saudi-Arabien geschickt hatte, aufgebraucht. Erneut stand Hayat Mohammed vor dem Nichts. "Es war schrecklich. Ich war wieder dort, wo alles begann."

Mit dem wenigen Geld, das sie noch hatte, eröffnete sie einen kleinen Stand, an dem sie Kaffee verkaufte. Doch die Einnahmen genügten nicht, um die Familie zu unterstützen.

"Wer Hoffnung hat, sieht seine Zukunft in Äthiopien"

Seit sieben Monaten nimmt Hayat Mohammed an Gesprächsrunden in ihrer Gemeinde teil, die eine Partnerorganisation von TERRA TECH veranstaltet. In diesen Runden werden Jugendliche und ihre Familien vor den Gefahren gewarnt, die bei Flucht und Migration drohen.

"Eltern schicken ihre Kinder fort, damit sie Geld verdienen", sagt Hayat Mohammed. Doch ohne Aussicht auf einen Job und Unterstützung in der Heimat, werde illegale Migration für äthiopische Jugendliche immer ein vermeintlicher Ausweg sein. Zumal die Schleuser:innen überall warten. "Die Lebensbedingungen müssen verbessert werden. Wer Hoffnung hat, sieht auch seine Zukunft in Äthiopien."

Hintergrund: Die wenigsten Menschen fliehen nach Europa

Viele Gefahren und geschlossene Grenzen: Die wenigsten Menschen, die aus ihrer afrikanischen Heimat fliehen, machen sich auf den Weg nach Europa. Die Routen, die Menschen aus West- und Ostafrika in den Norden des Kontinents führen, gehören zu den tödlichsten der Welt.

 


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