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Hunger Ostafrika:Hunger, der schmerzt

12-07-2011

Ein Bericht aus Kenia

“Ich habe nicht genug zu essen und das wenige an Nahrung, das wir bekommen, enthält nicht die benötigten Nährstoffe“, sagt Deriko Nyekora (31). Sie wiegt ihren kleine Sohn Emuria, 15 Monate, während sie ihn mit Plumpy’Nut, einer Spezial-Nahrung füttert. Emuria ist so schwach, dass er beim Essen weint. Er kann nicht laufen und aus großen Augen schaut er aus einem viel zu schmalen Gesichtchen. Hunger, der schmerzt ist ein alter Bekannter Derikos. Vor einigen Jahren ist ihr erstes Baby verhungert. Es war damals 15 Monate alt, genau wie Emuria heute.

“Ich war traurig. Ich war so traurig,“ sagt Deriko

Auch ihre fünfjährige Tochter Ekal leidet an Unterernährung. Sie geht langsam auf dürren Beinchen, schläft den Kopf in den Schoß der Mutter gebettet und wimmert, wenn sie aufwacht.

Heute reihen sich Deriko und ihre Kinder in eine lange Schlange von Frauen in buntgemusterten Röcken. Sie erstreckt sich von der sengenden Sonne bis zu dem abgeschirmten Bereich einer überfüllten Veranda. Die Frauen haben Babys auf den Rücken gebunden und an ihre Beine klammern sich bedrückt blickende Kleinkinder. Die Veranda gehört zu einem verlassenen Krankenhaus, das größtenteils von einer katholischen Kirche begonnen, aber unvollendet im Süden Turkanas zurückgelassen wurde. Ein dürrer Landstrich, der vom Rest Kenias vergessen scheint.

HORNOFAFRICADROUGHT World Vision Nutrition Project Officer in Lodwar, during screening of children in a dispensary in Turkana Central that has recorded one of the highest malnutrition levels, at 24.0%. World Vision is partnering with UNICEF to support the government with supplementary feeding and therapeutic treatment of severely malnourished. SHARE assignment: s110480-1, photo feature. Project name: Community Therapeutic Care (Ctc) Project - Turkana Funding: Canada Africa digital color vertical

Viele Familien in Turkana haben alles durch Krankheit oder Viehdiebe verloren – all ihre Ziegen, Esel, Kühe oder Kamele. Der Boden hier ist normalerweise zu trocken für die Landwirtschaft und gerade herrscht hier, wie in der gesamten Region um das Horn von Afrika, die schlimmste Dürre seit zehn Jahren. Die Menschen in Turkana mussten alle Hoffnung aufgeben, Mais oder andere Getreidesorten anzubauen, um ihre Familien wenigstens mit dem Notwendigsten zu versorgen. Bitterarm sind sie verzweifelt auf der Suche nach Nahrung für ihre Kinder.

Die Veranda vor der Deriko mit ihren Kindern wartet, ist der Verteilungsbereich des World Vision Unterernährungsprogrammes. Die Frauen stehen hier um Lebensmittel an, die ihnen ermöglichen ihre Kinder vor dem Hungertod zu retten. Es sind Familien, die World Vision als extrem gefährdet eingestuft hat, denn sie weisen alle Anzeichen von schwerer bis schwerster Unterernährung auf. Krankenschwestern und Ernährungsexperten untersuchen die Kinder, um das Ausmaß der Unterernährung festzustellen. Anschließend erhalten die Mütter eine spezielle Zusammenstellung hochkalorischer Lebensmittel wie einen Mais- und Sojamehlmix, Öl und Spezial-Nahrungen wie Plumpy’Nut.

Der kleine Emuria ist seit Mai 2010 in dieser Maßnahme. Er war damals sechs Monate alt, leider wurde die Versorgung unterbrochen, denn die Finanzierung des Programms ist unbeständig. Im September erhielt der kleine Emuria zum letzten Mal eine Behandlung seiner Unterernährung. Heute, sieben Monate später, wird das Programm wieder aufgenommen, aber Emurias Zustand hat sich verschlimmert...

„Als die Maßnahme noch lief, ging es ihm viel besser als jetzt,“ sagt Deriko

„Mit jeder Plumpy’Nut Mahlzeit legte er an Kräften zu. Sobald er sie nicht mehr bekommt, verschlechtert sich sein Zustand zusehends.“ Der kleine Emuria, der unruhig in den Armen seiner Mutter schläft, hustet viel und atmet schnell und flach, was die Konturen von Brustkorb und Schlüsselbein noch stärker hervortreten lässt. „Er ist krank“, sagt Deriko: „Er hat ein Problem mit der Lunge. Vielleicht, weil er nicht genug zu essen bekommt,“ vermutet die Mutter. Wenn der Kleine aufwacht, dann weint er.

Deriko liegt mit ihrer Vermutung richtig: Unterernährung ist ein häufiger Grund für Krankheiten, da der Körper ohne ausreichend Nährstoffe nicht genesen kann. Deriko war mit ihrem Sohn, der mit 15 Monaten immer noch zu schwach zum Laufen ist, in mehreren Krankenhäusern, seit November wird er mit Medikamenten versorgt. Das Distriktskrankenhaus hat bei ihm Lungenentzündung diagnostiziert und Deriko sagt, dass er auch manchmal an blutigem Durchfall leidet.
Eigentlich sollte Deriko ein so junges Kind noch stillen, aber auch bei ihr hinterlässt der Hunger seine Spuren. „Ich hab nicht genügend Milch in meiner Brust, weil auch ich nicht richtig esse. Die Tiere, die unsere Lebensgrundlage waren, sind gestohlen worden.“

 

Jetzt, da Derikos Kinder Teil des World Vision Programms sind, hofft sie auf eine baldige Besserung ihrer Situation

Heute füttert sie Emuria mit der ersten Packung Plumpy’Nut. Er isst langsam aber zufrieden alles auf. Sie bekommt eine Wochenration zum Mitnehmen ausgehändigt. Nächste Woche wird sie ihn zu einer Untersuchung wieder zur Station bringen und ebenso die folgenden zwei Monate, damit Mitarbeiter und freiwilligen Helfer von World Vision seine Fortschritte überwachen können.

Emuria wird nun nicht nur regelmäßige Rationen Plumpy’Nut erhalten, um seinen Hunger zu stillen, sondern bekommt zusätzlich auch Antibiotika verabreicht, um sein geschwächtes Immunsystem zu stabilisieren, Bakterien abzutöten und seine Krankheit zu besiegen. Emuria wird außerdem gegen Wurmbefall behandelt und erhält eine grundlegende medizinische Versorgung. World Visions umfassendes Projekt zur Bekämpfung akuter Unternährung vereint Maßnahmen gegen Unterernährung mit der Vorbeugung von Krankheiten für die Kinder mit Mangelernährung anfälliger sind. Zu diesen Krankheiten zählen unter anderen Malaria, Krätze und Durchfall. Dabei ist ein wichtiger Aspekt dieses „Community Management Plans“ gegen akute Unterernährung, dass die Menschen vor Ort versorgt werden und keine mühsamen und teuren Reisen zu weit entfernten Gesundheitszentren unternehmen müssen. Die notwendigen Maßnahmen werden vor Ort schnell und effektiv durchgeführt.

Als medizinische Hilfsmaßnahmen zur Sicherung des Überlebens, der Stabilisierung und Kräftigung der Kinder werden durch World Vision Amoxicillin, WHO- Trinklösung, Vitamin A und weitere essentielle Präparate verteilt und verabreicht.

Deriko hofft, dass die fortwährende Unterstützung durch dieses Programm Emuria helfen wird wieder gesund zu werden und es ihren beiden Kindern ermöglicht, gesund aufzuwachsen. „ich bete zu Gott“ , so die Mutter, „Ich bete, dass er mir Gesundheit schenkt, um meine Kinder zu beschützen und dass er uns genug zu essen gibt - an jedem neuen Tag.“

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