Hunger in AfrikaAusnahmezustand in Tigray

21-06-2021

von ADRA/Aktion Deutschland Hilft

Als Ende 2020 der Konflikt in der äthiopischen Region Tigray eskalierte, suchten Zehntausende Menschen Schutz vor der Gewalt im eigenen Land oder flohen in den benachbarten Sudan. Auf der Flucht waren sie monatelang von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

ADRA hilft seit 2014 einer Kinderklinik in Mekele

Zwei Flüchtlingscamps nahe der Konfliktregion wurden zerstört; andere gerieten schnell an ihre Aufnahmegrenzen. Die Kämpfe erschwerten den Zugang zu den Menschen. Eine humanitäre Katastrophe bahnte sich an. Wie ist die Situation heute?

Dawit Mehari ist bei der Bündnisorganisation ADRA Deutschland Referent für Hilfsprojekte in Äthiopien. Im März dieses Jahres reiste er nach Mekele, Hauptstadt der Tigray-Region, um die adventistische Kinderklinik zu besuchen, die ADRA seit 2014 unterstützt.

Konflikt in Tigray: Lage weiter angespannt

"Die Reise nach Mekele war sehr aufregend. Die Lage in der Region ist trotz offizieller Waffenruhe noch immer angespannt. Es kam immer wieder zu vereinzelten militärischen Auseinandersetzungen", berichtet Mehari nach seiner Rückkehr.

"Ich wollte wissen, wie es der Bevölkerung in der Region geht und wie sie den Konflikt erlebt haben. Sie sagten mir, dass das Schlimmste die quälende Unsicherheit war. Es gab eine Nachrichtensperre: Kein Fernsehen, kein Radio, die Telefon- und Internetverbindungen waren zeitweise unterbrochen. Dazu kam eine Ausgangssperre und es gab drei Wochen lang keinen Strom. Das hat den Menschen zugesetzt."

Konflikt Tigray: Was passiert im Norden Äthiopiens?

Seit November 2020 herrscht in Tigray, der Grenzregion zwischen Äthiopien und Eritrea, ein kriegerischer Konflikt. Tausende Menschen sind aus ihren Häusern vertrieben worden, ganze Dörfer stehen leer. Geflüchtete berichten von schwerer Gewalt und Plünderungen. Die Region ist zu großen Teilen von der Außenwelt abgeschnitten. Zehntausende Menschen sind seit Beginn des Konflikts in den benachbarten Sudan geflohen.

Die Vereinten Nationen stufen die humanitäre Lage in Tigray als sehr besorgniserregend ein. Schon vor Beginn des Konflikts waren dort 950.000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Nun könnten mehrere Millionen hinzukommen. Die schwierige Sicherheitslage sowie logistische und bürokratische Hürden stellen humanitäre Helfer:innen vor große Herausforderungen.

Die Ursachen des Konflikts sind komplex. Seit vielen Jahren gibt es Spannungen zwischen der äthiopischen Zentralregierung und dem Bundesstaat Tigray. Neben lokalen Milizen und dem äthiopischen Militär soll auch Eritrea an den Kämpfen beteiligt sein. Die UN fürchten, dass die Konflikte die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisieren könnten.

Mehrere Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft sind seit vielen Jahren in Äthiopien und den Nachbarländern aktiv. Mithilfe lokaler Partnerorganisationen und wo immer möglich unterstützen sie auch vertriebene Menschen aus Tigray.

Kinderklinik wieder in Betrieb

Auch jetzt kommt es immer wieder zu Stromausfällen. Zwar hat die Kinderklinik einen Stromgenerator, doch braucht dieser wiederum Benzin, um den Strom zu produzieren. Wegen der gestiegenen Nachfrage und aufgrund von Lieferengpässen steigt der Benzinpreis sprunghaft an. Ähnlich sieht es bei anderen Dingen des täglichen Lebens aus: Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Produkte werden teurer und teurer.

"Die Klinik war während der dreiwöchigen Ausgangssperre geschlossen. An dem Tag, an dem die Ausgangssperre aufgehoben wurde, hat die Klinik wieder aufgemacht. Seitdem suchen täglich etwa 40 bis 50 Kinder aus Mekele und den umliegenden Dörfern dort Hilfe", erzählt Mehari.

Hilfslieferungen für Familien


Um die größte Not zu lindern, organisierten die Helferinnen und Helfer von ADRA Lebensmittellieferungen für besonders bedürftige Familien in Mekele. Damit konnte die größte Not für einen Moment gelindert werden.

Doch es braucht eine Ausweitung der humanitären Hilfe sowie den ungehinderten Zugang zu allen Menschen.

"Die Menschen brauchen dauerhaft Unterstützung"

"Besonders den vielen Geflüchteten geht es schlecht. Es fehlt ihnen an Nahrung, Wasser und einer angemessenen Notunterkunft. Viele sind traumatisiert. Wir konnten zwar partiell Hilfsgüter liefern, doch die Menschen brauchen dauerhaft Unterstützung", sagt Mehari mit Nachdruck.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die vom Hungertod bedrohten Menschen in Afrika:

Spenden-Stichwort: Hunger in Afrika
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
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