Sars-CoV-2/COVID 19Trotz Corona: Diese humanitären Krisen dürfen wir nicht vergessen

23-04-2020

von Aktion Deutschland Hilft

Für zahlreiche Länder bedeutet die Corona-Pandemie eine zusätzliche Katastrophe: Im Jemen und in Syrien, der DR Kongo und der Tschadsee-Region haben jahrelange Konflikte und Terror die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zerstört – und die medizinische Infrastruktur.

In Ostafrika bedroht neben Corona eine Heuschreckenplage die Gesundheit von Kindern, Frauen und Männern. Und für Familien in notdürftigen Flüchtlingscamps, etwa in Bangladesch, hätte die Verbreitung des Virus unvorstellbare Folgen.

Aktuelle Geschichten aus den Krisengebieten dieser Welt

  • Was der kleinen Huda im Jemen das Leben gerettet hat
  • Wie Kleinbauern in Ostafrika mit Corona und der Heuschreckenplage umgehen
  • Warum das Gesundheitssystem in der DR Kongo an zwei Fronten kämpft

Bildergalerie: Diese Länder dürfen wir auch in Zukunft nicht vergessen


So sehr die Pandemie unseren Alltag in Deutschland prägt: Wir dürfen die Menschen in humanitären Krisengebieten nicht im Stich lassen – weder jetzt noch in Zukunft. Sie benötigen unsere Solidarität und unsere Unterstützung.

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Jemen: Keine Medikamente, kein Wasser, kein Essen


Im Bürgerkriegsland Jemen leiden mehr als zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung. Eine von ihnen ist die 16 Monate alte Huda*. Ihr Vater Abdullah* sagt: "Ich war finanziell nicht in der Lage, ein Gesundheitszentrum zu besuchen, damit gute Ärzte dort meine kranke Tochter behandeln."

So wie Abdullah und seiner Familie geht es vielen Menschen im Jemen. Zudem sind viele Krankenhäuser zerstört, es mangelt an Medikamenten und sauberem Wasser – gerade in Zeiten von Corona eine Katastrophe. Sollte sich die Krankheit COVID-19 dort ausbreiten, beschleunigt sich die Abwärtsspirale in dem Land am Abgrund.

Dank der Hilfe unserer Bündnisorganisation Islamic Relief geht es der kleinen Huda heute viel besser. Die Hilfsorganisation ermöglicht Menschen, sich kostenlos in mobilen Gesundheitsstationen behandeln zu lassen. Helfer verteilen Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente – und verhindern durch Aufklärung, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet. 

Abdullah sagt: "Ich schätze die Unterstützung der Helfer. Ihr habt meiner Tochter und vielen anderen das Leben gerettet. Ich danke Euch so sehr."

*Namen von der Redaktion geändert

Horn von Afrika: Wo die Pandemie auf die Plage trifft


Mwikali Nzoka ist Besitzerin einer Farm in Kenia. Auf zehn Hektar wachsen dort Hirse, Bohnen, Süßkartoffeln und Papaya. Bisher konnte ihre Familie gut von den Erträgen leben.

Doch Anfang des Jahres fielen Heuschreckenschwärme über ihre Felder her und fraßen – kurz vor Beginn der Erntezeit – einen Großteil der Pflanzen. Die Insekten legten Eier in den Boden, so dass inzwischen die zweite Generation der Heuschrecken geschlüpft ist und sich verbreitet. Die Bäuerin Mwikali Nzoka hat begonnen, ihr Vieh zu verkaufen. Lesen Sie hier die ganze Geschichte!

Heuschreckenplage in Ostafrika und Südasien: Was ist passiert?

In mehreren ostafrikanischen Ländern und Teilen Asiens herrscht eine Heuschreckenplage. Riesige Insektenschwärme sind über ganze Landstriche hergefallen. Sie fressen die Nahrung von Millionen Menschen. Schon jetzt haben viele Familien nicht genug zu essen, nun droht eine Hungerkatastrophe. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Maßnahmen spitzt sich die Lage immer weiter zu.

Die Heuschreckenplage hat ihren Ursprung auf der Arabischen Halbinsel. Da die Region schwach besiedelt ist, konnten sich die Schwärme unbemerkt in den Iran, nach Pakistan und Ostafrika ausbreiten. Heftiger Niederschlag hatte für ideale Brutbedingungen gesorgt, so dass sich die Tiere in rasantem Tempo fortpflanzen konnten. Die Insekten leben als Einzelgänger, bis ihre Population groß genug ist und sie einen Schwarm bilden. Sobald die Umgebung kahlgefressen ist, sucht der Schwarm nach neuen Futterplätzen. Mit Hilfe des Windes können sie an einem Tag bis zu 200 Kilometer zurücklegen.

Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Schwärme bis Juni um das 500-fache anwachsen und sich die Plage auf weitere Länder ausweiten könnte. Schon jetzt haben die Heuschrecken große Teil der Ernten zerstört. Die Nahrungsversorgung für Mensch und Tier ist stark gefährdet – und das in einer Region, in der die Ernährungslage aufgrund von Wetterextremen und Konflikten ohnehin kritisch ist.

Welche Länder sind von der aktuellen Plage betroffen?

In Ostafrika sind bisher Somalia, Äthiopien, Kenia, Eritrea und Teile des Sudans und Ugandas von der Heuschreckenplage betroffen. Experten befürchten, dass sich die Plage auf den Südsudan ausweiten wird. Für Kenia ist es die schlimmste Plage seit 70 Jahren, für Somalia und Äthiopien seit 25 Jahren. Laut UN ist die Lage in der Region "nach wie vor alarmierend". Es herrsche eine "noch nie dagewesene Bedrohung für die Ernährungssicherheit und die Lebensgrundlage" der Menschen.

Auch mehrere asiatische Länder sind von der Plage betroffen. Zunehmend besorgniserregend ist die Situation im Iran und im Jemen. Experten befürchten zudem, dass Heuschreckenschwärme Pakistan im Mai erneut erreichen werden. Auch Saudi-Arabien, der Oman und Indien sind betroffen.

Die Regierungen in Somalia und Pakistan haben Anfang Februar 2020 den Notstand ausgerufen. Im März trugen Regenfälle dazu bei, dass sich die Heuschrecken in Ostafrika sowie Teilen des Jemens und Irans stark vermehren konnten.

Wo ist die Lage am schlimmsten?

Am Horn von Afrika ist das Ausmaß der Plage am größten. Rund 4.850 Quadratkilometer Fläche sind dort betroffen. Laut Welternährungsorganisation (FAO) sind schon jetzt rund 13 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen; allein in Äthiopien, Kenia, Somalia und im Sudan sind es mehr als 10 Millionen Kinder, Frauen und Männer.

Darunter sind vor allem Kleinbauern und Selbstversorger. Auch in Pakistan und Indien sind bereits Hunderte Quadratkilometer von den Heuschreckenschwärmen befallen worden.

Welche Folgen hat die Heuschreckenplage für die Menschen?

Ein Schwarm von einem Quadratkilometer kann an einem Tag so viele Nahrungsmittel verspeisen wie 35.000 Menschen. Die Welternährungsorganisation (FAO) geht davon aus, dass weltweit mehr als 25 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche gefährdet sind. Betroffen sind die unmittelbare Ernte sowie Futter für Nutztiere.

Laut FAO sind schon jetzt rund 13 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen; allein in Äthiopien, Kenia, Somalia und im Sudan sind es mehr als 10 Millionen Kinder, Frauen und Männer.

Darunter sind vor allem Kleinbauern und Selbstversorger. Viele der Menschen leben in ländlichen Gebieten mit schlechter Gesundheitsversorgung. Sie verfügen über wenige Mittel, um die Heuschrecken zu bekämpfen. Durch Ernteverluste könnte sich ihre Situation weiter verschlimmern.

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft leisten Menschen in den betroffenen Regionen in Äthiopien, Kenia, Somalia, Uganda und im Südsudan Nothilfe. Viele sind seit vielen Jahren in den Ländern aktiv. Die Hilfsorganisationen arbeiten eng mit lokalen Partnern zusammen.

  • Wir verteilen Lebensmittel und Saatgut für den Ackerbau
  • Wir versorgen Familien mit Trinkwasser
  • Wir retten die Lebensgrundlage von Kleinbauern mit Futter für ihre Viehherden
  • Wir helfen Landwirten beim Lagern ihrer Ernte
  • Wir unterstützen Haushalte finanziell
  • Wir klären auf, damit Familien sich besser wappnen können
  • Wir leisten medizinische Hilfe

Helfen Sie uns zu helfen – jetzt mit Ihrer Spende!


Für viele Länder am Horn von Afrika ist es ist die schlimmste Heuschreckenplage seit Jahrzehnten – hinzu kommen nun die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken, haben die Regierungen unter anderem Ausgangsbeschränkungen verhängt.

Diese erschweren es Landwirten und Hilfsorganisationen, gegen die Heuschrecken vorzugehen. Die Schwärme breiten sich immer weiter aus. Gleichzeitig sind die Folgen für Gesundheitssysteme und Wirtschaft ungewiss. Es droht ein gefährlicher Kreislauf aus Armut, Hunger und Krankheit.

DR Kongo: Das Gesundheitssystem kämpft an zwei Fronten


Anfang März hatte die Weltgesundheitsorganisation die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo für beendet erklärt. Doch die Freude währte nur kurz. Schon wenig später wurde erneut ein Patient mit Ebola diagnostiziert. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet werden.

Louis Massing arbeitet als Allgemeinmediziner in der DR Kongo. "Angesichts der globalen Situation dieser Pandemie besteht eine allgemeine Angst. Aber da die Menschen während der Ebola-Epidemie vor einem Jahr eine ähnliche Situation erlebt haben, sind sie sensibilisiert, was Maßnahmen gegen die Verbreitung einer solchen Krankheit angeht", sagt der 48-Jährige im Interview mit unserer Bündnisorganisation Johanniter.


Auch die Ärzte und Helfer sind erfahren im Umgang mit Infektionskrankheit. Doch mit Ebola und Corona fordern nun gleich zwei Viren das Gesundheitssystem heraus – und das in einem Land, das von langjährigen Konflikten gezeichnet ist.

Louis Massing befürchtet, dass die Maßnahmen gegen Corona sich negativ auf die Versorgung der Menschen auswirken werden: "Schon jetzt sind die Preise für Grundgüter gestiegen." Sollten die Grenzen weiter geschlossen bleiben, könnten die Vorräte an Medikamenten bald nicht mehr ausreichen.


Bildergalerie: Corona-Nothilfe in Deutschland & weltweit


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Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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