von Aktion Deutschland Hilft
Gewalt, Flucht und humanitäre Not prägen den Sudan seit Jahrzehnten. Der derzeitige Krieg ist dabei kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer langen Konflikthistorie. Überbleibsel der Kolonialzeit, Machtkämpfe und politische Instabilität führen dazu, dass die Gewalt immer wieder neu aufflammt.
Kurz erklärt: Was passiert derzeit im Sudan?
Im April 2023 eskalierte ein seit mehreren Jahren schwelender Machtkampf zwischen zwei Generälen im Sudan. Der Konflikt betrifft weite Teile des Landes und hat eine der größten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Expert:innen gehen von Hunderttausenden Toten und Verletzten aus.
Millionen Menschen sind innerhalb des Sudans auf der Flucht oder in Nachbarländer wie Tschad, Südsudan und Ägypten geflohen. Vielerorts fehlt der Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.
6 Gründe, warum es im Sudan immer wieder zu Gewalt kommt
1. Koloniales Erbe und ungelöste Spannungen
2. Jahrzehnte politischer Instabilität und Militarisierung
3. Machtkämpfe bewaffneter Akteure
4. Langjährige Benachteiligung ganzer Regionen
5. Ressourcenknappheit und Klimakrise
6. Regionale und internationale Einflüsse
1. Koloniales Erbe und ungelöste Spannungen
Viele der heutigen Konflikte im Sudan haben ihre Wurzeln in der Kolonialzeit. Die britisch-ägyptische Verwaltung schuf politische und administrative Strukturen, die bestimmte Regionen bevorzugten und andere systematisch benachteiligten. Ethnische, religiöse und regionale Unterschiede wurden so enorm verstärkt.
Während sich der Norden des Landes in dieser Zeit stark von Ägypten und damit vom Islam geprägt wurde, verbreitete sich im Süden durch Missionare das Christentum. Diese religiösen Unterschiede werden in Konflikten häufig politisch instrumentalisiert, um Macht zu legitimieren oder Gegensätze zu verstärken.
Nach der Unabhängigkeit 1956 gelang es nicht, einen Staat aufzubauen, der diese gewachsenen Spannungen auflösen konnte. Stattdessen blieben Macht und Ressourcen weiterhin in den Händen weniger Eliten.
2. Jahrzehnte politischer Instabilität und Militarisierung
Seit seiner Unabhängigkeit ist der Sudan von politischer Instabilität geprägt. Militärputsche, autoritäre Regime und kurze zivile Übergangsphasen wechselten sich ab. Besonders die 30-jährige Herrschaft von Omar al Baschir, der auf Milizen setzte und für die massive Unterdrückung muslimischer Minderheiten stand, hinterließ tiefe Spuren.
Demokratische Institutionen konnten sich nie dauerhaft festigen, staatliche Kontrolle wurde kaum ausgeübt. Gewalt wurde immer wieder als Mittel eingesetzt, um Macht zu sichern oder zu verteidigen. Dieses Muster hat das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Strukturen nachhaltig geschwächt.
3. Machtkämpfe bewaffneter Akteure
Bewaffnete Gruppen spielen im Sudan seit Jahrzehnten eine zentrale politische Rolle. Milizen wurden gezielt aufgebaut, bewaffnet oder in staatliche Sicherheitsstrukturen integriert, ohne klare Kontrolle oder Rechenschaftspflicht.
Der aktuelle Krieg ist Ausdruck eines Machtkampfs zwischen dem Oberbefehlshaber der sudanesischen Armee, General Abdel Fattah al-Burhan, und dem Anführer der paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF), Mohammed Hamdan Daglo, auch als Hemeti bekannt. Der Konflikt eskalierte, als die Integration der RSF in eine nationale Armee scheiterte.
Dabei geht es nicht nur um politische Kontrolle, sondern auch um wirtschaftliche Interessen. Die Gewalt wird auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen.
4. Langjährige Benachteiligung ganzer Regionen
Besonders Regionen wie Darfur, der Osten des Landes oder der Südsudan waren über lange Zeit politisch und wirtschaftlich ausgegrenzt. Dagegen profitierten das Machtzentrum in der Hauptstadt Karthum sowie das zentrale Niltal über Jahrzehnte stark von staatlichen Investitionen und dem Aufbau von Infrastruktur.
Landkonflikte, Diskriminierung und fehlende Perspektiven führten in Randgebieten früh zu Widerstand und bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Gewalt wurde häufig staatlich unterstützt oder geduldet. So verfestigten sich lokale Konflikte zu langanhaltenden Krisen.
5. Ressourcenknappheit und Klimakrise
Der Sudan liegt in einer ökologisch besonders anfälligen Region. Dürren, Überschwemmungen und der Klimawandel verschärfen den Wettbewerb um fruchtbares Land und Wasser. Vor allem Konflikte zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten nehmen zu. Wo staatliche Strukturen fehlen, eskalieren diese Spannungen schnell gewaltsam. Die Klimakrise wirkt dabei als Verstärker bestehender sozialer und politischer Probleme.
Neben Land und Wasser spielen auch Bodenschätze, vor allem Gold, eine große Rolle. Sowohl die sudanesische Armee als auch die Miliz RSF finanzieren ihre Waffenimporte im aktuellen Krieg durch Gold, das sie an unterstützende Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Russland verkaufen.
6. Regionale und internationale Einflüsse
Der Sudan ist eng mit den Krisen seiner Nachbarländer verflochten. Instabilität im Sahel und am Horn von Afrika, grenzüberschreitende Milizen-Bewegungen und Waffenströme wirken direkt auf das Land ein. Zudem verfolgen externe Akteure wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten oder Russland eigene politische und wirtschaftliche Interessen in der Region.
Diese Einflussnahmen erschweren Friedensprozesse und tragen dazu bei, Konflikte zu verlängern. Der Krieg im Sudan ist daher nicht nur ein innerstaatlicher, sondern indirekt auch ein internationaler Konflikt.
Chronik: Zentrale Konfliktlinien im Sudan
Die britisch‑ägyptische Verwaltung prägt verstärkt regionale, ethnische und politische Spaltungen. Randgebiete werden systematisch benachteiligt.
Nach einem Referendum, in dem die Bevölkerung sich mehrheitlich gegen einen Anschluss an Ägypten ausspricht, wird der Sudan unabhängig. Doch der junge Staat startet ohne stabile staatliche Institutionen – erste bewaffnete Konflikte folgen rasch.
Abfolge von Militärregierungen, kurzen demokratischen Phasen und bewaffneten Konflikten, besonders zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und überwiegend christlichen Süden des Landes.
Omar al-Baschir installierte ein autoritäres Militärregime, das für systematische Unterdrückung und gezielte Bewaffnung von Milizen, unter anderem in Dafur, stand. Der Konflikt dort eskaliert ab 2003 massiv.
Der Süden des Landes wird unabhängig. Ein historischer Einschnitt, doch zentrale Konfliktursachen wie Militarisierung, Benachteiligung und die Kontrolle von Ressourcen bleiben bestehen.
Nach Massenprotesten übernimmt ein militärisch‑ziviler Übergangsrat die Macht. Kurzfristig konnten leichte Verbesserungen erzielt werden – etwa beim Schutz von Minderheiten, Frauenrechten oder der Pressefreiheit. Die Hoffnung auf eine echte Demokratisierung bleibt jedoch fragil.
Der Machtkampf zwischen Armee und RSF eskaliert landesweit und löst eine humanitäre Katastrophe aus.
Was bedeutet der Konflikt für die Menschen?
Die anhaltende Gewalt hat verheerende Folgen. Millionen Menschen mussten ihre Heimat verlassen und leiden Hunger. Besonders Kinder, Frauen und Ältere sind gefährdet. Die Landwirtschaft, von der die meisten Sudanes:innen leben, liegt praktisch brach. Viele Familien können sich wegen der steigenden Inflation Nahrungsmittel kaum mehr leisten. Mehr als 33 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe – über die Hälfte der gesamten Bevölkerung.
Bildergalerie: Nothilfe Sudan
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Sudan: So hilft unser Bündnis
Mehrere Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft sind in der Region im Einsatz: im Sudan sowie in den Nachbarländern, in denen Millionen Menschen Zuflucht suchen. Sie arbeiten eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die die Sicherheitslage vor Ort und die Bedarfe der Menschen gut beurteilen können. Die Helfer:innen verteilen Nahrungsmittel, bauen Brunnen, leisten medizinische Hilfe und schaffen sichere Orte für Kinder.
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Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
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Stichwort: Nothilfe Sudan
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