Hunger im Jemen"Die Zivilbevölkerung leidet am meisten"

27-09-2021

von CARE/Aktion Deutschland Hilft

"Wie jede andere Mutter im Jemen habe ich Angst, dass meinen Kindern etwas passieren könnte. Zudem bricht es mir das Herz, wenn ich vertriebene Frauen und Kinder sehe, die alles zurücklassen mussten. Die Zivilbevölkerung hat nichts mit dem Konflikt zu tun, aber sie leidet am meisten und zahlt den höchsten Preis."

Suha Basharen, CARE-Projektleiterin im Jemen


Aden und Sanaa sind Städte mit großer Tradition und berühmten Bauwerken. Die Altstadt von Sanaa ist seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe. Im Jahre 2005 besuchten noch über 330.000 Touristen den Jemen und seine historischen Stätten.

Jemen: Was nach Jahren des Bürgerkrieges bleibt


Und heute? Unter all den Krisen und Konflikten, die weltweit zu Vertreibung und Not führen, dort, wo Menschen um ihr Leben fürchten müssen, hat der Jemen einen dauerhaften unrühmlichen Spitzenplatz eingenommen. Der seit 2015 andauernde Bürgerkrieg hat dazu geführt, dass 80 Prozent der Bevölkerung, insgesamt rund 20 Millionen Menschen, auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Die Wirtschaft liegt seit Jahren am Boden.

Tausende Jemenitinnen und Jemeniten haben ihre Arbeit verloren und Tagelöhnerinnen und Tagelöhner finden aufgrund von Kämpfen, Ausgangssperren und Restriktionen im Land kaum mehr eine Beschäftigung. Am härtesten betroffen – wie in allen Krisen – sind Frauen und Mädchen. Ihre Versorgung und Unterstützung, wie die Versorgung vieler Millionen Menschen insgesamt, ist im Jemen von den Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen abhängig.

Leben in überfüllten Unterkünften, Ruinen und unter Planen

Seit Beginn des Bürgerkrieges sind über vier Millionen Menschen innerhalb des Landes geflohen. In überfüllten Unterkünften, Bauruinen und in mit Planen zusammengezimmerten Zelten suchen sie Schutz. Im ganzen Land verteilt, hausen so Vertriebene in Tausenden Zeltstädten.

Es fehlt den Menschen an fast allem: Nahrung, sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und medizinischer Hilfe. Auch in den benachbarten Gastgemeinden stehen die Menschen nach Jahren des Krieges und der Wirtschaftskrise vor dem Nichts. Sie zu unterstützen, ist genauso wichtig, wie die Hilfe für Binnenflüchtlinge.

Humanitäre Hilfe unter Lebensgefahr

Dabei ist humanitäre Hilfe in kaum einem Land so gefährlich und komplex wie im Jemen: Kampfhandlungen, Bombardierungen und Entführungsdrohungen beeinträchtigen den Zugang zu der notleidenden Bevölkerung und erschweren die Beschaffung von Hilfsgütern. Humanitäre Helferinnen und Helfer arbeiten teilweise unter Lebensgefahr. Dennoch ist unsere Mitgliedsorganisation CARE seit vielen Jahren vor Ort.

Mehr als 400 Kräfte arbeiten in rund 40 Hilfsprogrammen täglich an einer Verbesserung der humanitären Lage. Geographische Schwerpunkte bilden dabei Hodeidah, Marib, Taizz, Al Ma'fer, Lahj, Aden und die Hauptstadt Sanaa.

Die zahlreichen Nothilfemaßnahmen sind vielfältig und auf die jeweilige Notsituation und Region zugeschnitten: So verteilen Helferinnen und Helfer Nahrungsmittel und Trinkwasser, bauen Wasserleitungen und sanieren Brunnen. Teilweise verteilen sie auch Bargeld, damit sich Betroffene dringend benötige Dinge des täglichen Lebens selbst beschaffen können – was ihre Selbstbestimmung wahrt.

CARE-Helferin Mona: "Cholera, Malaria und nun auch COVID-19"


"In dem Camp, das im Moment mein Zuhause ist, sind viele Kinder an Cholera erkrankt. Es hat mir das Herz gebrochen, sie so leiden zu sehen. Seit einiger Zeit bin ich nun als Helferin für CARE tätig. Ich gehe von Zelt zu Zelt und kläre die Familien über die Risiken von Cholera, Malaria und nun auch COVID-19 auf."

Mona, freiwillige Helferin bei CARE

Ein weiterer Fokus ist der Wiederaufbau von Schulen, die während des Krieges beschädigt oder zerstört wurden sowie die Ausbildung und Unterstützung von Lehrkräften. Ziel ist es, Kindern trotz Krieg und Vertreibung etwas Normalität auch durch den Schulbesuch zu ermöglichen.

Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen

Aktuell wird die Gesamtlage im Jemen durch die COVID-19-Pandemie weiter verschärft. Ein Land, das im Jahr 2016 einen der größten Cholera-Ausbrüche aller Zeiten erleben musste, hat auch COVID-19 nur wenig entgegenzusetzen. Viele Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhauspersonal erhalten seit Jahren kein Gehalt mehr, Medikamente sind häufig nicht verfügbar oder unbezahlbar.

Seit Beginn des Krieges wurde ein Großteil der Krankenhäuser zerstört. In der Millionenstadt Aden etwa gibt es momentan nur ein funktionstüchtiges Krankenhaus. In den wenigen verbliebenen Krankenstationen fehlt es an Sauerstoffgeräten und Schutzkleidung.

Nur Frieden kann den Menschen im Jemen dauerhaft helfen

Ein Lichtblick ist die mittlerweile angelaufene große Impfkampagne der Weltgesundheitsorganisation gegen das COVID-19-Virus. Hygiene- und Cholera-Präventionsprogramme von CARE, wie derzeit in Marib, flankieren die Impfkampagne und leisten damit einen großen Beitrag zur Nothilfe im Land, die weiterhin Kernaufgabe unserer Mitgliedsorganisationen ist.

Doch sämtliche humanitären Programme können nur einen Teil des immensen Bedarfs an Hilfe decken. Ein erfolgreicher Friedensprozess bleibt die Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Menschen im Jemen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
nimmt Spenden für die Betroffenen im Jemen entgegen unter:

Spenden-Stichwort: Hunger Jemen
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden