GesundheitImpfen: Schutz vor ansteckenden Krankheiten

Impfungen schützen Menschen weltweit vor ansteckenden Krankheiten. Sie gehören zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen in der modernen Medizin. Den Vereinten Nationen zufolge werden durch Impfungen jährlich bis zu drei Millionen Kinder gerettet.

Kurze Geschichte des Impfens

Die ersten Impfungen wurden bereits im 18. Jahrhundert durchgeführt. Damals wüteten todbringende Seuchen wie die Pest, Cholera oder Pocken in Europa.

Der englische Landarzt Edward Jenner fand heraus, dass Menschen nach einer gezielten Infektion mit Kuhpocken Abwehrkräfte gegen die Menschenpocken entwickeln. Jenner nannte sein Verfahren "Vaccination", nach vacca, dem lateinischen Wort für Kuh.

Das Verfahren setzte sich in Europa rasch durch. Heute sind Pocken-Viren durch konsequentes Impfen weltweit verschwunden – und Impfungen haben sich in der modernen Medizin auch bei anderen Infektionskrankheiten bewährt.

Wie werden Infektionskrankheiten übertragen?

Infektionskrankheiten werden durch Viren und Bakterien ausgelöst. Die Übertragung erfolgt oft über eine Tröpfcheninfektion, etwa beim Niesen und Husten. Auch andere Ansteckungswege sind möglich: Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) gelangen die Krankheitserreger über kleine Wunden in den Körper.

Mit hohen Impfquoten ist es möglich, einzelne Krankheitserreger vollständig auszurotten. Neben den Pocken ist das in Europa mit der Poliomyelitis (auch Polio, Kinderlähmung) gelungen.

Schutz für Kleinkinder: Impfen gegen Masern

Die Masern hingegen sind noch immer eine wesentliche Todesursache für Kinder in vielen Ländern der Welt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wollte die Krankheit bis 2020 ausrotten. Doch in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Infektionen bis zu 30 Prozent zugenommen. Der WHO zufolge liegt das auch an der steigenden Zahl der Impfgegner.

An einem HIV-Impfstoff forscht die Wissenschaft noch. Und die neuen Impfstoffe gegen das Corona-Virus lassen auf einen Ausweg aus der Pandemie hoffen. Noch nie hat die Forschung so schnell auf einen neuen Erreger reagiert wie auf das Coronavirus.

Zahlen & Fakten zum Impfen in Deutschland und weltweit

  • Jährlich sterben schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit an Krankheiten, vor denen sie durch verfügbare Impfungen geschützt gewesen wären.
  • Betroffen sind vor allem die Kinder aus den ärmsten Familien in Entwicklungs- und Schwellenländern. Gerade sie sind oft bereits durch Mangelernährung geschwächt.
  • In Syrien ist Kinderlähmung (Polio) 2013 wieder aufgetreten: Im Bürgerkrieg fallen Standardimpfungen aus und das Gesundheitssystem ist schwach. 
  • Masern sind aufgrund hoher Impfquoten so selten geworden, dass beispielsweise Nord- und Südamerika als masernfrei gelten. In Deutschland hingegen steigen die Zahlen wieder: von 325 im Jahr 2016 auf 103.000 im Jahr 2019.
  • Pakistan, Afghanistan und Nigeria sind die einzigen Länder, in denen die hoch ansteckende natürliche Form des Polio-Virus noch vorkommt. Im August 2020 kam es außerdem im Jemen zu einem Ausbruch.

Impfen pro und contra: Einwände von Impfgegnern

Oft heißt es, wer sich nicht impfen lasse, setze nur sich selbst einem Risiko aus. Doch es gibt auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können, etwa aufgrund chronischer Erkrankungen. Sie sind darauf angewiesen, dass andere geimpft sind und die Ausbreitung gefährlicher Krankheitserreger verhindert wird. Dann spricht man von Herdenimmunität.

Was ist Herdenimmunität?

Herdenimmunität bezeichnet eine indirekte Form des Schutzes vor einer ansteckenden Krankheit. Das heißt: Ein bestimmter Bevölkerungsanteil muss immun sein, damit sich eine Krankheit nicht weiter ausbreiten kann. Die Immunisierung kann durch eine Infektion oder Impfung geschehen.

Ist eine Herdenimmunität erreicht, haben Erreger weniger Möglichkeiten, sich auszubreiten. Infektionsketten werden schneller unterbrochen; die Krankheit breitet sich langsamer aus. Auch nicht-immune Menschen sind dann besser geschützt. Damit trägt der eigene Impfschutz gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft bei.

Wie erreicht man Herdenimmunität?

Wann die Herdenimmunität erreicht ist, also wann genug Menschen in der Bevölkerung geimpft sind, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Je ansteckender eine Infektionskrankheit ist, desto mehr Menschen müssen dagegen immun sein.

Bei Masern greift die Herdenschutz erst ab einer sogenannten Durchimpfungsrate von 95 Prozent; bei Diphtherie können 80 Prozent genügen.

Um die Corona-Pandemie wirkungsvoll zu bekämpfen, müssen laut WHO 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein.


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte Impfverweigerung 2019 auf die Top-Ten-Liste der globalen Gesundheitsgefahren.

Risiken, Nebenwirkungen und die Pharmaindustrie

Oft hält die Angst vor Nebenwirkungen vom Impfen ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist zwar darauf hin, dass Impfstoffe Nebenwirkungen haben können. Doch das Risiko, nicht geimpft zu sein, sei deutlich größer. Oder anders: Die Folgen vieler Krankheiten wiegen meist schwerer als die Folgen einer Impfung.

Zum Vorurteil, die Pharmaindustrie wolle Geld mit Impfungen machen, meint das RKI: Privatwirtschaftliche Unternehmen wollen mit ihren Produkten Geld verdienen – das gelte auch für die Pharmaindustrie. Allerdings sei das Geschäft mit Impfstoffen für sie weniger attraktiv, weil die Herstellung von Impfstoffen umfangreicher und teurer ist als die von Arzneimitteln. Darüber hinaus gelte: Durch Impfungen können teure Behandlungen sowie Leid von Patienten und Angehörigen vermieden werden. Davon haben langfristig alle mehr.

Verschwörungserzählungen in der Corona-Pandemie

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 nehmen Verschwörungserzählungen rund um das Virus und das Impfen zu.

Viele dieser Verschwörungserzählungen fördern antisemitische oder rassistische Vorbehalte. Doch Schuldzuweisungen helfen weder gegen die globale Corona-Krise noch gegen Ungewissheiten und Angst, fasst die Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen. "Niemand profitiert von einer globalen Pandemie, denn niemand ist vor ihr sicher."

Corona & Impfstoffe: Wie ist die Lage in ärmeren Ländern? 

In Europa, den USA und anderen Weltregionen können sich Menschen seit Ende 2020 gegen das Coronavirus impfen lassen. Gleichzeitig kommt in vielen ärmeren Ländern noch gar kein Impfstoff an – oder zu wenig.

Dabei sind gerade die Menschen dort hart von den Auswirkungen des Virus betroffen. "Dies liegt vor allem an den Einschränkungen und den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie", sagt eine Mitarbeiterin unserer Bündnisorganisation Malteser International.

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision, Bündnismitglied von Aktion Deutschland Hilft, fordert konkrete Maßnahmen und globale Solidarität, um auch Menschen im globalen Süden den Zugang zu Impfstoffen gegen COVID-19 zu ermöglichen.

Das Auftreten einer mutierten Form des Virus habe gezeigt, dass die Pandemie "nur dann wirklich vorbei ist, wenn sie überall vorbei ist", heißt es dort. Weltweit müssten am stärksten gefährdete Menschen zuerst geimpft werden. Dazu gehörten Flüchtlinge in überfüllten Lagern ebenso wie Gesundheitspersonal.

Impfen schützt: So hilft unser Bündnis!

Viele unserer Bündnisorganisationen leisten Hilfe im medizinischen Bereich. Oft arbeiten die Helfer:innen mit lokalen Fachkräften zusammen. Sie errichten Kliniken, bilden ärztliches Personal aus und beraten die Menschen etwa darin, wie sie sich und ihre Familie während der Corona-Pandemie schützen können.

Auch das Impfen gehört in einigen Hilfsprojekten dazu; beispielsweise Impfungen für Kinder unter einem Jahr. Sie erhalten damit lebensrettenden Schutz vor vermeidbaren Krankheiten wie Kinderlähmung, Tuberkulose, Diphterie, Keuchhusten, Tetanus, Hepatitis B und Masern.



Quellen: Robert Koch Institut (RKI), Deutscher Bundestag, Vereinte Nationen (UNICEF), Weltgesundheitsorganisation (WHO), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), Impfen-Info.de, Amadeu-Antonio-Stiftung, Bündnis Aktion Deutschland Hilft (Stand: Januar 2021)

Ausführliche Infos zu Impfungen finden sich im "Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene" der Ständigen Impfkommission (STIKO).


Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die weltweite Nothilfe

Spenden-Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
jetzt online spenden!