Hilfe für GeflüchteteMyanmar: Angst vor einem Bürgerkrieg

22-06-2021

von den Johannitern/Aktion Deutschland Hilft

Am 1. Februar 2021 hat das Militär in Myanmar mit einem Putsch wieder die Kontrolle in dem südostasiatischen Land übernommen. Landesweite politische Protestbewegungen werden seither gewaltsam niedergeschlagen. Auch in den Gebieten der ethnischen Minderheiten, wie den Shan, Kachin und Karen sind die Konflikte wieder aufgeflammt.

Menschen, die nach jahrzehntelanger Flucht und Gewalt gerade begonnen hatten, sich ein neues Leben aufzubauen, droht erneut die Flucht. Eine von ihnen ist Ma Pyone.

Ma Pyones Geschichte

Vor 33 Jahren, als Ma Pyone gerade 13 Jahre alt war, erreichte der bereits schwelende Konflikt zwischen Birmas Militär und bewaffneten Einheiten der Karen ihr Dorf. Ma Pyone und ihre Familie flohen über die sogenannte grüne Grenze nach Thailand. Für Jahre war ein Flüchtlingslager ihr neues Zuhause.


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Dort hatte Ma Pyone jedoch die Möglichkeit als Mädchen ihren Schulabschluss und später eine Ausbildung zur Lehrerin zu absolvieren. Erst im Jahr 2015, als die Karen einen Friedensvertrag mit der Regierung unterschrieben, konnte die Familie nach Myanmar zurückkehren.

In einem Dorf nahe der Grenze wollten sie sich ein neues Leben aufbauen. Ma Pyone arbeitete damals in Bangkok und hätte ihre Arbeit gerne behalten: "Das Geld von meinem Job hätten wir gebrauchen können, aber mein Vater bat mich zu bleiben, um für unser Volk zu arbeiten, das so lange unter dem Krieg gelitten hatte", erzählt sie.

Neuanfang in der Heimat

Ma Pyone blieb und nahm an einer sechsmonatigen Basisgesundheitsausbildung teil, um anschließend ihre Gemeinde zu Themen wie mehr Gesundheitsbewusstsein zu schulen. Gleichzeitig starteten die Johanniter gemeinsam mit ihren Partnern ein neues Projekt in ihrem Dorf. Ein Gesundheitszentrum und ein Wasserversorgungssystem wurden aufgebaut, Aufklärungskurse zu Gesundheits- und Ernährungsfragen durchgeführt.


Außerdem gab es Schulungen in Landwirtschaft und Gemüseanbau, um den Ernteertrag und die Einkommen der Gemeindemitglieder zu verbessern. Als Mitglied des Dorfentwicklungskomitees half Ma Pyone dabei, dass sich die Gemeinde bei allen Projektmaßnahmen aktiv einbrachte.

Nach einem von den Johannitern durchgeführten Training zur Organisation von Spargruppen gründete sie auch eine Spar- und Kreditgruppe in ihrem Dorf. "Als ich spürte, dass das Konzept funktioniert, wollte ich auch andere Dörfer bei der Gründung solcher Gruppen unterstützen", sagt Ma Pyone.

Der Armut entkommen

Mittlerweile arbeitet sie fest als Koordinatorin für die Johanniter-Partnerorganisation KDHW. Hier stärkt sie die lokalen Gemeinden beim Aufbau von finanziellen Ressourcen aus eigenen Mitteln.

"Wir alle wollen aus der Armut herauskommen, aber wir wissen nicht wie. Dank der Schulungen verstehe ich jetzt, dass wir auch selbst etwas dafür tun können. Mithilfe der Spargruppen konnten bereits viele Mitglieder kleine Geschäfte aufbauen", berichtet Ma Pyone. "Mein Traum ist es, dass sich aus diesem Konzept eine Gemeinschaftsbank entwickelt, die Finanzdienstleistungen für die ganze Gemeinde anbieten kann."

Pandemie und Militärputsch gefährden Fortschritte

Aktuell drohen die Corona-Pandemie und der Militärputsch viele Erfolge zunichte zu machen. "Ich habe Angst, dass unser Geld entwertet wird oder andere schlimme Dinge passieren. Ich musste schon so oft wegen des Bürgerkriegs fliehen. Ich möchte nicht, dass das wieder passiert", sagte Ma Pyone noch im März dieses Jahres.

Die Preise für Nahrungsmittel und Treibstoff sind seitdem weiter gestiegen. Täglich sterben Menschen bei politischen Protestkundgebungen.

Eine bedrohliche Zukunft


"Das Leben wurde schon enorm eingeschränkt durch die Pandemie und nun deutet alles auf einen erneuten schweren Bürgerkrieg hin. Da der Karen-Staat nicht von Birmas Militär kontrolliert wird, sind die Karen nicht direkt in die Protestbewegungen involviert. Die Karen National Union lehnt die Militärdiktatur aber klar ab. Nicht weit von unseren Projektstandorten gab es deshalb schon Bombardierungen des Militärs aus der Luft. Bisher können wir noch weiterarbeiten, aber einer unserer Partner musste bereits aus Sicherheitsgründen vorerst einige Projektaktivtäten einstellen", berichtet Nicole Kockmann, Referentin Programme Südostasien der Johanniter über die derzeitige Situation.

Die Johanniter in Myanmar

"Die Johanniter unterstützen schon seit 13 Jahren die Menschen im Land. Es gibt aktuell viele Herausforderungen, ja, aber wir werden die Menschen in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen", ergänzt ihr Kollege Lothar Kinzelmann, der Johanniter-Landesdirektor in Myanmar.

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