von Aktion Deutschland Hilft/action medeor
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo wird geschätzt alle vier Minuten eine Frau vergewaltigt – viele der Betroffenen sind noch Kinder. Inmitten von Gewalt und Vertreibung leistet action medeor mit seiner Partnerorganisation AFPDE medizinische und psychosoziale Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt.
“Dinge, die man kaum in Worte fassen kann”
Programmleiter Emmanuel Limi hat das Hilfsprojekt der Bündnisorganisation kürzlich besucht. Der Raum ist klein, die Luft schwer.
In einem Büro von AFPDE in Uvira im Osten der DR Kongo sitzen sieben Frauen in traditionellen Kleidern im Halbkreis, zwei von ihnen sind schwanger. Neben ihnen haben eine Psychologin und zwei psychologische Assistentinnen Platz genommen – dazwischen Emmanuel Limi, als einziger Mann im Raum. Es wird gesprochen, geschwiegen und viel geweint.
“Die Frauen haben Dinge erlebt, die man kaum in Worte fassen kann”, erzählt Emmanuel nach der Gesprächsrunde. “Manche wurden von mehreren Männern vergewaltigt, andere vor den Augen ihrer Kinder. Einige mussten mitansehen, wie ihre Männer oder Kinder erschossen wurden.”
Auf der Flucht vor Gewalt

Viele der Frauen stammen aus Bukavu und sind vor der Gewalt in das über 120 Kilometer entfernte Uvira geflohen. Auf der Flucht wurden einige erneut Opfer sexualisierter Gewalt.
“Als ich nach dem Gespräch aus dem Raum gegangen bin, bin ich gleich in mein Zimmer und habe geweint – wie ein kleines Kind”, bekennt Emmanuel. “Die Geschichten der Frauen waren stellenweise unerträglich.”
Leben in permanenter Unsicherheit
Die Lage im Osten der DR Kongo hat sich im letzten Jahr dramatisch verschärft. Bewaffnete Gruppen, darunter die M23, kontrollieren große Teile der Region Süd-Kivu. Bukavu ist besetzt, staatliche Institutionen sind aufgelöst, die Verbindungsstraße nach Uvira gesperrt.
Die Region ist stark militarisiert, es wurden Waffen an Zivilisten verteilt, die Sicherheitslage ist äußerst fragil. Für Frauen und Kinder bedeutet das ein Leben in ständiger Gefahr. Selbst alltägliche Wege, etwa zum Wasserholen oder zum Einkaufen, können lebensbedrohlich sein.
Psychologische Begleitung und medizinische Hilfe
AFPDE betreut allein in der Region um Uvira über 350 Frauen, die Opfer von sexualisierter Gewalt wurden. Im gesamten Projektgebiet sind es mehr als 2.000. Die lokale Organisation begleitet die Frauen psychologisch, leistet medizinische Hilfe, gibt juristische Beratung und auch finanzielle Unterstützung.
Dafür wurde eigens ein neuer Beratungsraum eingerichtet, einer von insgesamt 14 geschützten Räumen im Projektgebiet, in denen Gruppensitzungen mit Psychologinnen stattfinden. Pro Gruppe gibt es ein bis zwei Gesprächstermine pro Woche.
Überlebenswichtige Unterstützung
Viele der Frauen sind nach den Vergewaltigungen völlig mittellos. Einige wurden von ihren Männern verlassen und müssen nun allein ihre Kinder versorgen.
Andere sind durch schwere Verletzungen unfruchtbar geworden oder nach Vergewaltigungen schwanger. Nicht wenige suchen unter gefährlichen Bedingungen nach Möglichkeiten, die Schwangerschaft zu beenden.
Die psychologische Begleitung ist für viele der Frauen überlebenswichtig. “Ohne diese Unterstützung wären manche Frauen heute nicht mehr am Leben. Nicht wenige versuchen sich umzubringen”, berichtet Emmanuel.
An der Seite der Frauen
Trotz der eskalierenden Gewalt haben action medeor und AFPDE ihre Arbeit nicht eingestellt. Während viele internationale Organisationen die Region verlassen haben, halten sie ihre Programme aufrecht – teilweise mit großem Risiko.
Büros wurden beschossen, Mitarbeitende mussten ihre Wohnorte wechseln. Medikamente und Nahrungsmittel wurden frühzeitig in Gesundheitsstationen verteilt, damit es während der Kämpfe nicht zu Engpässen kommt.
Medizinische Versorgung geschwächt
Ein großes Problem bleibt die medizinische Versorgung von Frauen mit schweren Verletzungen im Unterleib. Das spezialisierte Krankenhaus für entsprechende Operationen liegt in Bukavu und ist derzeit nicht erreichbar.
Deshalb wird gerade geprüft, ob ein anderes Krankenhaus in Uvira mit zusätzlichem Personal und Ausstattung dafür in Frage kommt – oder operative Eingriffe im benachbarten Burundi möglich wären.
Ungewisse Zukunft
Gleich nach seinem Besuch in Uvira wandte sich Emmanuel an das Auswärtige Amt, das das Projekt derzeit mitfinanziert. “Er war mehr ein Hilferuf als eine Bitte”, sagt Emmanuel. Das laufende Projekt wurde daraufhin ausnahmsweise um sechs Monate verlängert – bis Juni 2026.
Doch was danach kommt, ist offen. Wenn die öffentliche Finanzierung endet, sind die Hilfsangebote für die Frauen komplett auf Spenden angewiesen. Emmanuel: “Ich habe den Frauen versprochen, dass ich mein Bestes gebe, damit sie die Hilfe bekommen, die sie so dringend brauchen.”
+++ Spendenaufruf +++
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