Ahmad floh selber aus Syrien und leistet jetzt Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien.

Hilfe für Flüchtlinge"Meine Mutter flehte mich an, Syrien zu verlassen"

08-09-2016

von Kai Mirjam Kappes, Aktion Deutschland Hilft

Wer einen ehemaligen Bewohner aus der syrischen Hauptstadt fragt, wie es ihm geht, erhält zur Antwort: "Kein Vergleich zu Damaskus." Die Mutter aller Städte, wie sie von ihren Bewohnern liebevoll genannt wird, ist für echte Damaskusanhänger der Maßstab aller Dinge, allen Befindens, sie ist die Perle des mittleren Ostens und ein Teil ihrer Seele.

Ahmad Alahmar leistet Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien.

"Die schönste Stadt der Welt", sagt auch Ahmad Alahmar. Der 26-Jährige floh 2012 über die Grenze nach Jordanien. Der Ingenieur arbeitet bei United Muslim Relief, die sich zusammen mit den Johannitern um Flüchtlinge kümmert. Seine Mutter habe ihn bekniet, endlich das Land zu verlassen. Zu gefährlich sei es für ihn hier. Zu viele Schicksale über Bekannte, Freunde und Cousins, die in den Foltergefängnissen gelandet seien, habe die Familie schon ertragen müssen.

"Ich spüre, dass er noch lebt."

Mit 18 Jahren steht für die jungen Männer die Wehrpflicht beim Militär an. "Ich hätte auf mein eigenes Volk, meine Nachbarn und meine Freunde schießen sollen", sagt Ahmad sichtlich verzweifelt. Er sitzt in einem schwarzen Auto und fährt uns über staubige Straßen an die Grenze zu Syrien. Wir besuchen das Projekt, das er mit seiner Arbeit am Leben hält. Ahmad ist schlank, fast dürr, trägt eine große Brille und erzählt bereitwillig von seinem Leben. Dieser schlaksige Mann, der so gerne lacht und so vorsichtig Auto fährt, der ins Schwärmen gerät, wenn er von seiner Heimat erzählt, mit einer Waffe in der Hand? Schwer vorstellbar.

Doch Ahmad blieb trotz des Flehens seiner Mutter in Syrien, vorerst. Denn er ist zielstrebig - und stur. "Ich wollte erst mein Studium abschließen", erzählt er. Um die Checkpoints habe er stets einen großen Bogen gemacht. Gerade noch rechtzeitig schafft er es, zu fliehen. Sein Zwillingsbruder hat weniger Glück. Seit vier Jahren ist er verschwunden. "Doch ich spüre, dass er noch lebt", sagt Ahmad mit leiser Stimme. In Jordanien hat er ein neues Leben begonnen. Er ist dankbar dafür. Gleichzeitig plagt ihn das schlechte Gewissen: Brüder und Schwestern, seine Eltern, viele von ihnen befinden sich noch immer in der Hölle des Krieges. Seine Arbeit in Jordanien sei sinnvoll, aber es sei eben nicht seine Heimat, sagt Ahmad. Eines Tages, wenn Frieden und nicht Krieg herrscht, will er mit seiner Ehefrau und seiner Tochter, die in wenigen Wochen geboren wird, zurück nach Hause. Zurück zur Mutter aller Städte.

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