Eine Flüchtlingsfamilie sitzt in einem Flüchtlingslager.
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Hilfe für FlüchtlingeDie Menschenwürde muss an erster Stelle stehen

17-05-2016

von Johanna Mitscherlich, CARE

Im letzten Jahr sind hunderttausende Flüchtlinge über Griechenland nach Nordeuropa gekommen. Seit Anfang März die mazedonische Grenze zu Griechenland mit Stacheldrahtzäunen versiegelt und von bewaffneten Polizisten bewacht wird, sitzen etwa 46.000 Flüchtlinge in den rund 35 Flüchtlingslagern auf dem griechischen Festland fest. Es ist mir unbegreiflich, dass die EU in Zeiten, in denen Menschen vor Krieg und Verzweiflung fliehen, Mauern und bürokratische Hindernisse baut. Diese politischen Entscheidungen haben erhebliche Konsequenzen für die zehntausenden Flüchtlinge, die aktuell in Griechenland gestrandet sind. Frauen, Männer und kleine Kinder wohnen unter menschenunwürdigen Bedingungen – und das auf europäischem Boden.

Tausende Flüchtlinge leben in den überfüllten Flüchtlingscamps auf dem griechischen Festland. Sie wohnen überall, wo sie einen Unterschlupf finden können, sei es in alten Eisenbahnwaggons, heruntergekommenen Gebäuden und tausenden kleinen Zelten. Die Menschen, mit denen ich sprach, beschwerten sich häufig über die vielen Moskitos, Ratten und Schlangen in ihren Camps, die auch in ihre Zelte kriechen. Sie haben Angst um ihre Kinder. Es gibt viel zu wenige Toiletten und Duschen.

Die Risiken für die Gesundheit der Menschen sind enorm

In manchen Camps wird eine Toilette von über 100 Menschen benutzt. In anderen teilen sich 700 Menschen eine Dusche. Überall fehlt es an Beleuchtung und Privatsphäre. Freiwilligenorganisationen leisten gute Arbeit, können die massiven Bedürfnisse der Menschen aber nicht abdecken. Die meisten Flüchtlinge haben keinen Zugang zu den Asylbehörden, die überlaufen, unterbesetzt und wenig ausgestattet sind. Die Frustration der Menschen ist sichtbar und die Gemüter erhitzen sich schnell, besonders weil viele die Hoffnung auf eine Wiederöffnung der Grenzen nicht aufgeben wollen. Die Menschen sind verzweifelt, ihre Zukunft ist ungewiss.

Die geschlossenen Grenzen und die Aussicht, für eine längere Zeit unter prekären Bedingungen in den Flüchtlingscamps ausharren zu müssen, spielen Schmugglern und organisierten kriminellen Netzwerken in die Hände. Ein Mann aus einem inoffiziellen Flüchtlingslager erzählte mir, dass vor einigen Tagen Schmuggler aufgetaucht sind. Etwa 60 Flüchtlinge verließen mit ihnen das Camp, weil sie das Leben dort nicht länger ertragen konnten und sie keinen anderen Weg sahen, als nach Westeuropa zu kommen.


Ich kann mir kaum vorstellen, was diese Menschen durchgemacht haben. Ich traf eine junge Frau aus Syrien, die alleine mit ihren vier Kindern auf der Flucht war. Ihr Mann war bereits nach Deutschland geflohen. Sie war verzweifelt; ihr Baby weinte die ganze Zeit und sie fühlte sich in dem Camp nicht sicher. Sie erzählte mir, dass sie Angst hat, ihren Mann nie wiederzusehen. In den Camps sieht man viele kleine Kinder und Neugeborene, hochschwangere Frauen, behinderte Menschen in Rollstühlen und Schwerkranke. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, wie sie mit der Situation zurechtkommen.

Die Geschichten der Menschen sind so herzergreifend, dass unser Übersetzer teils anfing zu weinen. Erschöpfung und Verzweiflung stehen den Menschen in die Gesichter geschrieben. Wenn man ihre Geschichten hört, versteht man, dass sie sich diese Reise nicht freiwillig angetan haben. Sie mussten alles Bekannte zurücklassen, lebten auf ihrer monatelangen Reise nach Europa in Not und Elend. Die große Mehrheit hat bei der Flucht vor der Gefahr ihr Leben riskiert. Nun stecken sie auf dem griechischen Festland in menschenunwürdigen Lebensbedingungen fest. Wir dürfen unsere Augen davor nicht verschließen. Das unnötige Leiden muss aufhören.

Es ist nicht nur eine europäische Flüchtlingskrise


Die Welt hat es nicht geschafft, langwierige Krisen und Armut in Ländern wie Syrien, Afghanistan und Somalia in den Griff zu bekommen. Kriegerische Auseinandersetzungen und Armut haben Millionen Menschen dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und an einem anderen Ort eine bessere Zukunft zu suchen. Die große Mehrheit der Flüchtlinge und Vertriebenen werden von Entwicklungsländern wie Pakistan, Libanon, Türkei, Kenia und Sudan aufgenommen. Wir sprechen hier nicht nur von einer „europäischen Flüchtlingskrise“. 

Die europäischen Länder sind rechtlich und moralisch dazu verpflichtet, gefährdete Menschen zu schützen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Statt Stacheldraht an den Grenzen anzubringen, sollte die Asylbeantragung beschleunigt werden; die Menschen müssen bei ihrer Ankunft in Europa humane Lebensbedingungen vorfinden und es müssen legale Einwanderungswege in die EU geschaffen werden. Es ist höchste Zeit, dass sich die europäischen Länder solidarisch mit den Flüchtlingen zeigen und ihre menschliche Würde verteidigen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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