Sars-CoV-2/COVID-19"Es fehlt das gemeinsame Lernen"

27-04-2021

von World Vision

Kinder tragen die Hauptlast der Coronapandemie – unabhängig davon, in welchem Land sie leben. Das ist eines der Zwischenergebnisse der 5. Kinderstudie der internationalen Hilfsorganisation World Vision. Die Organisation hat den Lebensalltag von Kindern in Deutschland und Ghana untersucht. Mit überraschenden Erkenntnissen.

Kinder aus beiden Ländern bemängeln technische Ausstattung

Der Lebensalltag von Kindern und Jugendlichen hat sich durch die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen und Kontaktverbote stark verändert. Dieser Ausnahmezustand schränkt die in der UN-Kinderrechtskonvention formulierten Rechte von Kindern auf Freizeit, Spiel und Bildung maßgeblich ein.

Im Rahmen der 5. World Vision Kinderstudie wurden im Sommer und Herbst 2020 qualitative Forschungsdaten erhoben, die zeigen, welche Belastungen durch den Lockdown und das Homeschooling für Kinder entstehen. Ein weiterer Punkt war, ob sich die schon vorher bestehenden Ungleichheiten verschärfen.

In Ghana und Deutschland wurden jeweils 15 Kinder in Tiefeninterviews nach ihren Erfahrungen mit und Reaktionen auf die Pandemie befragt. Vor allem im Bereich Homeschooling gab es viele übereinstimmende Aussagen. So kritisierten die Schülerinnen und Schüler mangelnde technische Ausstattung und nicht bedarfsorientierte Angebote.

Fehlender Austausch: WhatsApp-Gruppen gegen die Einsamkeit

Caterina Rohde-Abuba leitet die World-Vision-Kinderstudie: "Den Kindern fehlt vor allem das gemeinsame Lernen. Die Interaktion mit anderen Schülerinnen und Schülern trägt im Wesentlichen zum Lernerfolg bei. Die Kinder lernen voneinander. Und dieser Aspekt geht während der Pandemie verloren."

In Reaktion darauf sind viele der befragten Kinder selbst aktiv geworden. Sie gründeten in Deutschland zum Beispiel WhatsApp-Gruppen. Nur in seltenen Fällen wurden diese Gruppen von Lehrkräften betreut. Rohde-Abuba: "Die Schülerinnen und Schüler unterrichteten sich selbst. Sie gaben sich Tipps, bewerteten Ergebnisse und motivierten sich so zum Weiterlernen."

Corona-Maßnahmen schränken Kinder mehr ein als Erwachsene 

In Ghana ist der Zugang zum Internet zwar möglich, der Kauf von Datenvolumen aber kostenträchtig. Hier boten Lehrkräfte kostenlosen Privatunterricht an. Um an diesem teilnehmen zu können, legten Dorfgemeinschaften zusammen und finanzierten gemeinsam das nötige Datenvolumen für die Kinder.

Caterina Rohde-Abuba: "Unsere Forschung macht deutlich, dass viele Eindämmungsmaßnahmen der Pandemie nur unter der disziplinierten Mitwirkung von Kindern umgesetzt werden können. Kinder sind Gestalter in der Pandemie! Sie müssen aber aktiv einbezogen und unterstützt werden.

Für beide Länder müssen wir feststellen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie Kinder diskriminieren, weil ihre Lebensbereiche wesentlich stärker eingeschränkt werden als die der Erwachsenen."


Hintergrund: Die Interviews wurden mit Kindern aus unterschiedlichen sozialen Millieus geführt. Die Tiefeninterviews dienen der Vorbereitung von repräsentativen Umfragen unter je 2.000 Kindern in Ghana und Deutschland. Die Ergebnisse werden in 2023 veröffentlicht.

Die Studie gibt hier als Download.

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