von Aktion Deutschland Hilft/arche nova
Seit vielen Jahren kämpfen die Menschen im Libanon mit den Folgen einer schweren Wirtschaftskrise. Die hohe Inflation macht Lebensmittel für viele Familien unbezahlbar. Gleichzeitig sind große Teile der Infrastruktur durch jahrzehntelange Vernachlässigung marode. Das zeigt sich etwa im landwirtschaftlich geprägten Norden des Landes, wo Wasserleitungen und Bewässerungsysteme oft in einem schlechten Zustand sind. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stehen daher täglich vor großen Herausforderungen.
Unsere Bündnisorganisation arche nova setzt sich mit dem Ausbau der Wasserinfrastruktur und der Unterstützung nachhaltiger Landwirtschaft dafür ein, die Situation für die Familien vor Ort zu verbessern. Die folgenden Geschichten zeigen, was die Hilfe für das Leben der Menschen konkret bewirkt.
So wie bei der 31-jährigen Fatima aus dem Bezirk Akkar, einer der landwirtschaftlich bedeutendsten und zugleich wirtschaftlich am stärksten benachteiligten Regionen des Landes.
Jeder Tropfen zählt: Fatimas Weg zu mehr Resilienz und Selbstständigkeit

Durch ein Hausgartenprojekt der Bündnisorganisation arche nova schafft Fatima es, nicht nur sich selbst und ihre Familie zu versorgen, sondern auch ihre Erzeugnisse im Dorf und an einen Gemüseladen in der Nähe zu verkaufen.
In Fatimas Heimatort ist das Wasser knapp und herkömmliche Bewässerungsmethoden haben oft einen hohen Verbauch. Gleichzeitig konkurrieren Unkraut und Nutzpflanzen um die begrenzten Ressourcen. Die Ernte reichte für Fatima und ihre Familie vor der Unterstützung durch das Hausgartenprojekt meist nur für den Eigenbedarf.
Wasser sparen, Erträge steigern
Durch arche nova erhielt Fatima Setzlinge, einen Wassertank und ein Tröpfchenbewässerungssystem. Zusätzlich bekam sie Hühner und einen Stall, um ihre Lebensgrundlage weiter auszubauen.
Das neue Bewässerungssystem hat ihren Alltag verändert. “Jede Pflanze erhält genau die Wassermenge, die sie braucht”, erklärt Fatima. Dadurch wird deutlich weniger Wasser verschwendet, während gleichzeitig weniger Unkraut wächst. Für Fatima bedeutet die Gartenarbeit mehr als nur ein Einkommen: “Die Arbeit auf dem Feld hat etwas an sich, das mir das Gefühl gibt, wirklich zu leben”, sagt Fatima.
Einkommen auch in schweren Zeiten
Mit der verlässlichen Wasserversorgung konnte sie ihre Anbauflächen erweitern, neue Gemüsesorten anbauen und ihre Erträge steigern. Aus dem kleinen Hausgarten wurde Schritt für Schritt mehr als eine Möglichkeit zur Selbstversorgung: Fatima verkauft inzwischen einen Teil ihrer Ernte innerhalb des Dorfes und an einen Laden nahe des Gemüsemarktes.
Wie wertvoll die Unterstützung durch die Bündnisorganisation ist, zeigte sich vor allem, als ihr Mann aufgrund einer Herzkrankheit mehrere Monate nicht arbeiten konnte. Fatima weitete den Anbau aus, bewirtschaftete zusätzliche Flächen und sicherte so den Lebensunterhalt ihrer Familie. “Gott sei Dank hat es gereicht, um uns durch diese Zeit zu bringen”, erinnert sie sich.
Ein Vorbild für andere Frauen
Neben dem zusätzlichen Einkommen hat sich auch Fatimas Rolle in ihrer Gemeinschaft verändert. Sie ermutigt andere Frauen, eigene Einkommensmöglichkeiten zu schaffen und vorhandene Flächen zu nutzen. “Arbeit ist nicht nur etwas für Männer. Jede Frau sollte ihre eigene Arbeit und Verantwortung haben”, sagt sie.
Fatimas Geschichte zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft und ein sparsamer Umgang mit Wasser Kleinbäuer:innen dabei helfen können, unabhängiger zu werden. Zugleich macht sie anderen Frauen Mut, ihre eigenen Ideen umzusetzen und neue Perspektiven für sich und ihre Familien zu schaffen.
Während Fatima mit einem sparsamen Bewässerungssystem ihren Hausgarten ausbauen konnte, zeigt die Geschichte von Bilal, wie wichtig eine funktionierende Wasserinfrastruktur für ganze Gemeinden sein kann. In den Bergen Nordlibanons hat ein neuer Bewässerungskanal nicht nur Felder mit Wasser versorgt, sondern auch neue Hoffnung für die Landwirtschaft geschaffen.
Wasser für die Felder, Perspektiven für die Zukunft: Bilals Geschichte

Auf rund 1.300 Metern Höhe liegt Fneidek im Norden des Libanon. Die Region ist bekannt für ihre Apfelplantagen. Doch über Jahre wurde die Landwirtschaft durch fehlendes Wasser ausgebremst. Der Kleinbauer Bilal erinnert sich an eine Zeit, in der viele Menschen die Hoffnung aufgaben und ihre Felder brachliegen ließen.
Dank eines neuen Bewässerungskanals von arche nova erreicht Wasser heute wieder zuverlässig die Felder. Für Bilal und viele andere Familien bedeutet das weit mehr als eine bessere Bewässerung: Die Hilfe gibt ihnen neue Perspektiven für Landwirtschaft, Einkommen und Zukunft.
Seit Generationen gehörte die Landwirtschaft für viele Familien in Fneidek zum Alltag. Doch die Bewässerung wurde zunehmend schwieriger. Wasser erreichte die Felder oft erst nach Stunden oder gar nicht. Die schmalen, unbefestigten Kanäle waren ineffizient, viele Flächen wurden nicht mehr bewirtschaftet.
“Unsere Gemeinschaft hatte die Landwirtschaft fast aufgegeben. Die Menschen zogen weg. Es gab nicht genug Wasser, und die Bewässerungskanäle erreichten unser Land nicht mehr”, erinnert sich Bilal.
Wasser, das ankommt
Dass der 1.550 Meter lange Kanal Wasser direkt zu den landwirtschaftlichen Flächen bringt, bedeutet für die Bäuerinnen und Bauern mehr Planungssicherheit. Während sie früher stundenlang auf Wasser warten mussten, können sie ihre Felder heute zuverlässig bewässern.
“Heute können wir einfach zu unseren Feldern fahren und wissen, dass das Wasser da ist, wenn wir es brauchen”, sagt Bilal.
Felder erwachen zu neuem Leben
Die Veränderungen sind deutlich sichtbar. Brachliegende Flächen werden wieder bestellt, Apfelplantagen erhalten ausreichend Wasser, und viele Landwirt:innen bauen inzwischen zusätzlich Gemüse und Kräuter an, darunter Tomaten, Kartoffeln, Thymian und Rucola.
Mit der besseren Wasserversorgung sind sowohl die Erträge als auch die Qualität der Produkte gestiegen. “Wir erzielen bessere Preise und Händler kaufen direkt bei uns ein, weil die Qualität unserer Ernte überzeugt”, berichtet Bilal.
Mehr als ein Bewässerungskanal
Von der neuen Infrastruktur profitieren nicht nur einzelne Betriebe. Weil mehr Wasser verfügbar ist, können zusätzliche Flächen bewirtschaftet und neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden. Einige Landwirt:innen geben inzwischen sogar Wasser an Familien in der Nachbarschaft weiter.
Was mit einem Bewässerungskanal begann, hat die Landwirtschaft in Fneidek spürbar verändert. Felder werden wieder genutzt, Einkommen steigen und viele Menschen blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft.
Ein Bewässerungskanal von arche nova hat Bilal neue Hoffnung gebracht. Auch Jamilas Leben nahm durch ein Hilfsprojekt der Bündnisorganisation eine positive Wendung. Nach einem Schicksalsschlag halfen ihr landwirtschaftliche Schulungen, ihre Erträge zu erhöhen und ihre Familie allein zu versorgen.
Wissen, das Leben verändert: Jamilas Weg zur Alleinversorgerin

Noch bevor die Sonne über Hrar, einem Dorf im Libanon, aufgeht, ist Jamila Ali bereits wach. Während der Großteil der Welt noch schläft, tritt die 41-Jährige hinaus in den stillen Morgen und geht direkt zu ihren Kühen. Sie sieht nach ihnen, füttert sie und melkt sie sorgfältig. Jamila erledigt diese Aufgaben routiniert – aber das war nicht immer so.
Vor sechs Jahren nahm ihr Leben eine dramatische Wendung. Jamilas Ehemann verstarb und die Mutter von sechs Kindern wurde von einem Tag auf den anderen zur alleinigen Versorgerin der Familie.
Jamila hat keine Berufsausbildung absolviert. Das Einzige, was ihr blieb, war ein kleines Stück Land und eine Kuh. Doch ihr fehlte das nötige Wissen, um damit genug Geld für ihre Familie zu verdienen.
“Damals hatte ich nichts”, erinnert sich die Mutter. “Meine Kinder brauchten Schulgeld, Fahrtkosten, und andere Dinge – und ich konnte oft nicht dafür aufkommen. Es war sehr schwer.”
Schulungen bringen den Wendepunkt
Ein Hilfsprojekt unserer Bündnisorganisation arche nova brachte für Jamila den Wendepunkt. In Schulungen lernte sie, Fütterungspraktiken zu verbessern, Krankheiten vorzubeugen und bessere landwirtschaftliche Methoden wie Kompostierung und Fruchtfolge anzuwenden. Zusätzlich erhielt die Landwirtin wichtige Hilfsmittel und Geräte, die ihre tägliche Arbeit erleichtern und effizienter machen.
Das Wissen weitergeben
“Die Schulungen haben mir die Augen geöffnet”, sagt sie. “Jetzt verstehe ich, was meine Tiere und Pflanzen brauchen.”
Heute besitzt Jamila drei Kühe statt nur einer. Ihre Erträge haben sich verbessert, sodass sie nun Milchprodukte wie Labneh, Butter und Käse herstellen kann. Auch ihre Ernten sind üppig ausgefallen. Schon jetzt gibt Jamila das erlernte Wissen an ihre Söhne weiter, damit auch sie in Zukunft abgesichert sind.
“Ich bin stärker geworden”
Dank des Hilfsprojekts von arche nova verdient Jamila nun genug Geld, um für ihre Familie zu sorgen und ihre Kinder zur Schule zu schicken. Doch die größte Veränderung passierte in ihr selbst: “Ich bin stärker geworden. Ich habe jetzt Selbstvertrauen. Ich habe keine Angst mehr.”
Die Geschichten von Fatima, Bilal und Jamila zeigen, dass humanitäre Hilfe Menschen nicht nur in Notsituationen unterstützt, sondern ihnen auch nachhaltig ermöglicht, sich ein besseres Leben aufzubauen.
Herzlichen Dank, dass sie diese Hilfe mit Ihrer Spende möglich machen!
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