von Aktion Deutschland Hilft/CARE
Rashida floh mit ihren fünf Kindern vor Bomben und Hunger aus dem Sudan. Im überfüllten Aufnahmezentrum in Yida wartet sie nun auf die Weiterreise in ein Camp. CARE versorgt Geflüchtete wie sie mit medizinischer Hilfe und unterstützt sie beim Ankommen.
Zwischen Ankunft und Weiterreise
Drei Busse stehen in einer Reihe. Motoren brummen, Hupen hallen über den Hof des Aufnahmezentrums für Geflüchtete in Yida, nahe der Grenze zwischen dem Südsudan und dem Sudan. Kinder füllen die meisten Sitze. Die Schlangen vor den Bussen werden kürzer. Frauen tragen schwere Säcke oder Koffer mit ihrem gesamten Hab und Gut und rufen nach ihren Kindern.
An diesem Morgen brechen 284 Geflüchtete auf. Sie werden vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in das offizielle Flüchtlingscamp gebracht, das etwa zwei Autostunden landeinwärts liegt. Das Aufnahmezentrum in Yida ist nur eine vorübergehende Station für Geflüchtete. Hier treffen wir die 25-jährige Rashida, die heute zusammen mit ihren Kindern zurückbleibt, weil sie den Registrierungsprozess noch nicht abgeschlossen hat.
“Nur noch Bomben und Hunger”

Rashida beobachtet das Geschehen aus dem Schatten einer Baumreihe. Um sie herum drängen sich mehr als 600 Menschen auf einer Fläche, die für die Hälfte dieser Zahl ausgelegt ist. Und jeden Tag kommen 50 bis 100 weitere hinzu.
Seit drei Tagen ist Rashida in Yida. Sie stammt aus Kadugli in Süd-Kordofan, einer Stadt im Sudan, die mehr als zwei Jahre lang von bewaffneten Gruppen abgeschnitten war. In dieser Zeit gelangten keine Lebensmittel, kein Treibstoff und keine Hilfe in die Stadt. Die UN bestätigte dort Hungersnotbedingungen.
“In meiner Stadt gab es nur noch Bomben und Hunger”, erinnert sie sich. Die Preise waren stark gestiegen. Ihr Mann ist Landwirt. Für ihn gab es keine Arbeit mehr. “Wir konnten es uns nicht mehr leisten, dort zu bleiben.”
Einfach weitergehen
Der Wartebereich des Aufnahmezentrums ist voll. Neuankömmlinge sitzen auf niedrigen Holzbänken. Ein medizinischer Mitarbeiter von CARE steht vor ihnen und erklärt, wie man Cholera vorbeugen kann. Bei so vielen Menschen auf so engem Raum besteht immer die Gefahr eines Ausbruchs.
Ein kleiner Junge, der in einer Ecke des Wartebereichs sitzt, trägt eine Augenklappe. Eine Frau hat einen Verband um den Kopf gewickelt. Nicht weit von ihnen entfernt liegt eine Mutter flach auf dem Boden. Ein kleiner Junge kniet neben ihr und hält eine mit Wasser gefüllte Plastiktüte in der Hand. Er sticht ein Loch hinein und lässt die Tropfen vorsichtig auf ihre Lippen tropfen.
Die Familie wurde getrennt
Rashida und ihre Kinder kamen in einem ähnlichen Zustand an, erzählt sie uns. “Zwei Monate lang hörte ich den Explosionen zu. Manchmal versteckten wir uns nachts im Gebüsch, warfen uns zu Boden, wenn die Bomben fielen – und kehrten tagsüber nach Hause zurück.” Das Haus ihrer Schwester wurde als erstes direkt von einer Rakete getroffen.
Nicht lange danach war auch ihr eigenes Zuhause zerstört. “Eine Bombe fiel auf mein Haus und wir flohen”, erinnert sie sich. In diesem Moment wurde die Familie getrennt. Ihr Mann rannte in eine andere Richtung, und seitdem hat sie ihn nicht mehr gesehen.
“Der Krieg folgte uns”
Die junge Mutter hat fünf Kinder: Yahoub (10), Barah (9), Balasim (7), Mymin (4) und Adam (3). Und sie ist schwanger. “Wir wussten nicht, wohin wir gingen, wir sind einfach weitergelaufen. Meine Kinder waren barfuß, da alles, was wir besaßen, verbrannt war”, erzählt Rashida.
“Wir liefen Tag und Nacht, doch der Krieg folgte uns, wir konnten die Bomben hinter uns hören. Wir schliefen unter Bäumen auf dem Boden. Wir hatten keine Matten, ich habe einfach mit meinen Händen ein wenig den Schmutz weggefegt. Und wir liefen und liefen. Alles tat weh, meine Füße, mein Rücken, mein Kopf – bis wir endlich die Grenze überquerten und ich Gott dankte, dass wir alle noch am Leben waren.”
Im Aufnahmezentrum sieht Rashida zu, wie die Busse losfahren. Frauen lehnen sich aus den Fenstern und winken den anderen zu, die auf den nächsten Transporttag warten. “Ich bin im Moment glücklich, denn hier gibt es Menschen, die uns helfen”, sagt sie. “Hier können wir überleben.”
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