Nach einem Bombenangriff in Syrien verlor Abdallah beide Beine. Heute kann er dankt Handicap International wieder lachen.

Hilfe für FlüchtlingeLibanon – Abdallahs kleines Wunder

01-06-2016

von Handicap International

In einer bescheidenen Flüchtlingsunterkunft im Libanon ereignet sich ein kleines Wunder: in Form eines einfachen Satzes, gesprochen von einem elfjährigen Jungen, der bei einem Bombenangriff beide Beine verlor. “Ich freue mich darauf, wieder zur Schule zu gehen...” Der kleine Junge heißt Abdallah und noch vor Wochen war er tief verzweifelt. Heute schöpft er leise wieder Hoffnung. Das ist das Ergebnis der großartigen Arbeit unserer Kollegin Cynthia – und es ist Abdallahs Wille, wieder zur Normalität zurückzukehren.

„Ich begriff, dass auch er getroffen war“

Doch das ist nicht so leicht. Wie soll ein kleiner Junge zur Normalität zurückkehren, wenn er beide Beine verloren hat? Seine Mutter war dabei, als es passierte – beim Einkaufen: „Wir waren gerade auf der Hauptgasse des Suqs. Die Flugzeuge bemerkten wir erst, als sie schon die ersten Bomben abwarfen. Alles ging so schnell. Um uns herum starben viele Menschen. Als ich meinen Kopf hob, lag Abdallah auf dem Boden und wirkte entsetzt. Ich dachte zuerst, er habe sich aus Angst vor dem Angriff auf den Boden geworfen. Aber dann begriff ich, dass er ebenfalls getroffen worden war“, erzählt seine Mutter. „Wir brachten ihn ins nächstgelegene Krankenhaus, damit er so schnell wie möglich behandelt wird. Aber erst nach etwa zehn Stunden konnte er operiert werden. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass mein Sohn niemals wieder würde laufen können.”

Noch ist jede Normalität in weiter Ferne. Das will die Physiotherapeutin Cynthia ändern. Im Schlafzimmer der Familie bereitet sie Abdallahs dreizehnte Reha-Einheit vor. Sie beginnt mit einigen Dehnübungen für seine Arme und Beine. Zuerst will Abdallah nicht so recht mitmachen. Er leidet immer noch sehr unter dem, was ihm passiert ist. Im Laufe der Übungen gewinnt die junge Physiotherapeutin aber allmählich sein Vertrauen. Abdallah wirkt entspannter und als Cynthia  am Ende zum “High Five” ansetzt, muss er sogar etwas lächeln.

Tausende werden schuldlos Opfer des Krieges

Abdallah ist einer von vielen Tausenden, die schuldlos zum Opfer der kriegerischen Gewalt in Syrien geworden sind. Tagtäglich kümmern sich unsere Teams um neue Verwundete: die meisten von ihnen wurden durch Schusswaffen oder Explosionen verletzt. Die Anzahl der Waffen und Sprengkörper in Syrien und dem Irak nimmt täglich zu. Die zurückbleibenden explosiven Kriegsreste gefährden die Bevölkerung noch lange nach dem Ende des Konflikts. Handicap International hilft nicht nur den Opfern. Wir sorgen auch dafür, dass es weniger Menschen zu Opfern des Krieges werden: Unsere Expertinnen und Experten in der Minenräumung säubern Landstriche von explosiven Kriegsresten und klären die Bevölkerung über die Risiken auf.

Abdallah wird weiterhin physiotherapeutisch durch unsere Teams betreut und so nach und nach immer selbstständiger werden. Die geplante psychosoziale Betreuung soll ihm darüber hinaus helfen,  seine Situation und diesen neuen Lebensabschnitt zu akzeptieren. “Es ist toll, dass er sich nun darauf freut, wieder zur Schule zu gehen. Er macht gute Fortschritte”, freut sich Cynthia. Abdallah lächelt. Mit einem letzten  “High Five” beenden die beiden die Reha-Einheit.

Unermüdlich im Einsatz mit mobilen Teams

Cynthia ist bei ihrer Arbeit nicht alleine. Seit 2013 ist sie mit ihrem Kollegen Elias Saade unermüdlich unterwegs. Die beiden sind eines von rund 20 mobilen Teams von Handicap International in Libanon und Jordanien. Je eine Fachkraft für Physiotherapie und für Soziale Arbeit hilft den Flüchtlingen direkt in ihren Unterkünften. So erreicht unsere Hilfe auch die Menschen, die es nicht von selbst in die Gesundheitszentren schaffen.

Derzeit arbeiten 370 Fachkräften im Rahmen der Syrienkrise an der Seite der Schutzbedürftigsten in vier Einsatzländern (Libanon, Jordanien, Syrien, Irak). Über 600.000 Menschen konnte Handicap International seit Beginn der Syrienkrise durch verschiedene Maßnahmen bereits helfen.

Fteims musste nach 102 Jahren aus ihrer Heimat fliehen

102 Jahre war Fteims Leben geregelt. Natürlich gab es Hochs und Tiefs, aber wenigstens wusste sie, wo ihr Zuhause war. An dem Tag, als sich ihr Leben nach so vielen Jahren komplett änderte, war sie alleine: „Plötzlich wurde mein Haus bombardiert. Die Wand stürzte auf mich. Die Nachbarn kamen und brachten mich ins Krankenhaus in Hama. Dort wurde mein Bein amputiert. Später floh ich mit meinem Sohn in den Libanon.“

Zum Glück fanden Elias und Cynthia Fteim bereits fünf Tage, nachdem die alte Frau im Bekaa-Tal im Libanon angekommen war. Als Fteim dazu bereit war, begann Cynthia vorsichtig mit Reha-Maßnahmen. Um ihren Alltag etwas zu erleichtern, gaben wir ihr einen Rollstuhl und eine Gehhilfe. Und um die Nächte erträglicher zu machen, erhielt sie ein spezielles Bett. Fteim ist unter dessen gut aufgehoben: „Ich habe drei Kinder. Und unzählige Enkel und Großenkelinnen. Ich weiß gar nicht, wie viele wir insgesamt sind. Meine Kinder sind gut zu mir, sie kümmern sich gut um mich.“

„Am liebsten will ich zurück“

Trotzdem ist es nicht leicht für sie. Weder der erste noch der zweite Weltkrieg – die sie beide zumindest zeitlich miterlebt hat – haben sie wirklich betroffen. Erst am Ende ihres Lebens muss sie nun noch diesen seit fünf Jahren andauernde Krieg erleben. Am liebsten will sie zurück, aber ihre Behinderung und die Gewalt in Syrien machen das unmöglich. Obwohl Fteim erschöpft ist, sieht man ein Leuchten in ihren Augen und eine beeindruckende Entschlossenheit, ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen. Mit ihrem unerschütterlichem Willen und der Unterstützung durch Handicap International ist Fteim auf dem besten Weg!

Zum Glück kann sie dabei auf Leute wie Elias und Cynthia zählen. “Jeden Morgen sage ich mir, dass es immer noch Menschen gibt, die Hilfe brauchen. Manche brauchen zum Beispiel eine Unterkunft, die ihren speziellen Bedürfnissen mehr entspricht. In so einem Fall können wir ihnen selbst gar nicht helfen. Aber wenn ich ins Büro komme, greife ich als Erstes zum Telefon und schaue, an wen ich hier vermitteln kann”, erklärt Elias. “Ich kann zum Beispiel andere lokale oder internationale Organisationen kontaktieren. Wenn wir dann gemeinsam eine Lösung finden,  ist das immer ein toller Erfolg. Und auch Cynthia gibt immer alles. Als Physiotherapeutin sorgt sie dafür, dass all unsere PatientInnen eine hochwertige Versorgung erhalten. Ich bewundere ihre Hingabe”, schwärmt Elias über seine Kollegin.

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