Hilfe für GeflüchteteFlucht vor Bandenkriminalität in Mittelamerika

15-06-2021

von AWO International

Auf der Flucht vor Bandenkriminalität: In der Herberge La Sagrada Familia in Zentralmexiko finden täglich bis zu 80 Migrant:innen Zuflucht. So auch Maria* und Pablo*. Die beiden sind vor kriminellen Banden und Gewalt aus Honduras geflohen. In Mexikohoffen sie nun auf ein besseres Leben.

Hoffnung auf ein sicheres Leben in Mexiko

"Ich sah viel Schreckliches, als ich dort lebte. Ich sah, wie die maras (dt. Banden) Menschen entführten, folterten und sogar töteten. Und ich bekam mit, wie sie in unserem Haus Waffen und Drogen versteckten", erzählt Maria. Die 21-Jährige lebte mit ihrem Partner in San Pedro Sula. Die zweitgrößte Stadt in Honduras ist bekannt für ihre Bandengewalt – und gilt als einer der gefährlichsten Orte weltweit.

"Man musste immer aufpassen, nicht zwischen die Fronten zu geraten, wenn sich die Banden untereinander bekämpften oder die Polizei bei ihren Einsätzen um sich schoss. Einige meiner Nachbarn wurden erschossen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren", sagt Maria.

Sie fliehen aus Angst vor kriminellen Banden

Nachdem Bandenmitglieder Maria und ihren Partner bedroht hatten, entschlossen sich die beiden zur Flucht. Doch auch diese war nicht ungefährlich: Nicht nur beschlagnahmte die Polizei ihre Dokumente; das Paar wurde auch von einem Taxifahrer ausgeraubt.

Angekommen in der Herberge La Sagrada Familia wurde Maria psychologisch betreut und juristisch beraten, um den Asylantrag in Mexiko zu stellen. Dort lebt sie heute und wartet darauf, als Flüchtling anerkannt zu werden.

Eine Herberge bietet Schutz für Geflüchtete


Die Herberge im mexikanischen Apizaco liegt direkt neben den Gleisen des Güterzugs La Bestia. Die Bestie: So wird der Güterzug genannt, der durch Mexiko zur US-Grenze fährt. Die Ärmsten der Armen sind auf diesem Zug unterwegs und viele erreichen ihr Ziel, die Chance auf ein neues Leben, nicht.

Die Migrant:innen und Geflüchteten auf der Durchreise erhalten in der Sagrada Familia eine sichere Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung. Außerdem bekommen sie Tipps für die Arbeitssuche.

Nach Entführung und Folter findet Pablo Ruhe

Auch Pablo floh vor der Bandenkriminalität aus El Salvador nach Mexiko. Kurz nach Grenzübertritt in der südlichen Region Tabasco wurde er entführt und um mehrere tausend Dollar Lösegeld erpresst.

Pablo hatte kaum Geld bei sich. Die Entführer folterten ihn. Erst nach fünf Tagen ließen sie ihn gehen. Nach 29 Tagen auf der Flucht erreichte Pablo im Mai endlich die Herberge La Sagrada Familia. Dort kann er endlich Ruhe finden und die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten, bevor seine Reise weitergeht.

Die Fluchtursachen sind vielfältig


Schicksale wie die von Pablo und Maria gibt es viele. Die meisten Geflüchteten stammen aus Honduras, andere aus Guatemala, El Salvador, Mexiko und Nicaragua. Sergio Luna, der Direktor der Herberge, bemerkt 2021 eine deutliche Zunahme der Migration: Durch die Pandemie haben viele Zentralamerikaner:innen ihre Arbeit verloren. Auch die schweren Verwüstungen der Tropenstürme ETA und IOTA im November 2020 zwangen viele dazu, ihre Heimat hinter sich zu lassen.

"Neu ist, dass ganze Familien migrieren. Während früher hauptsächlich Männer auswanderten oder alleinstehende Frauen ohne Kinder, nehmen wir dieses Jahr immer mehr Mütter mit ihren Partnern und Kindern in der Herberge auf", sagt Sergio Luna.

Hilfe für Menschen aus Mittelamerika

Unsere Bündnisorganisation AWO International unterstützt die Sagrada Familia zusammen mit dem lokalen Partner UMUN. Allein im Januar und Februar 2021 teilten die Helfer:innen fast 6.000 warme Mahlzeiten aus, betreuten 87 Menschen juristisch und 57 psychologisch.


Bildergalerie: Hilfe für Geflüchtete weltweit


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* Die Namen wurden zum Schutz der Personen geändert.

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