Sars-CoV-2/COVID-19Jemen: Wo COVID-19 auf Hunger trifft

26-06-2020

von Aktion Deutschland Hilft/Islamic Relief

Millionen Kinder im Jemen drohen in den kommenden Monaten an den Rand einer Hungersnot zu geraten, weil dringend benötigte Gelder für humanitäre Hilfe fehlen. Davor warnen die Vereinten Nationen in einem aktuellen Bericht. 

Corona überfordert Gesundheitssystem im Jemen

Die ohnehin katastrophale Situation der Mädchen und Jungen könnte sich infolge der Corona-Pandemie erheblich verschlechtern. Das zerstörte Gesundheitssystem und die Infrastruktur des Landes seien mit COVID-19-Ausbrüchen vollkommen überfordert, heißt es bei den UN.

Das berichten auch viele Helfer unserer Bündnisorganisationen im sechsten Jahr des Bürgerkriegs. Zum Beispiel Dr. Tasneem. Sie ist Allgemeinmedizinerin und unterstützt Islamic Relief im Jemen, etwa bei der Corona-Nothilfe.

Dr. Tasneem: "Teufelskreis aus Gewalt, extremer Armut, Hunger und Krankheit"


Dr. Tasneem sagt: "Es ist eine schwere humanitäre Krise. Das Wirtschafts- und Gesundheitssystem sind zusammengebrochen. Millionen Menschen hungern jeden Tag. Es ist ein Teufelskreis aus Gewalt, extremer Armut, Hunger und Krankheit, der sich sehr schwer durchbrechen lässt."

Der Ausbruch von COVID-19 hat die Situation verschlimmert. In den Hilfsprojekten von Islamic Relief fragen uns die Menschen immer wieder: Wie sollen sie in Quarantäne zu Hause bleiben, wenn sie kein Essen haben, um ihre Familien zu ernähren?

"Es ist unbedingt erforderlich, dass die humanitäre Hilfe aufgrund der Pandemie nicht vergessen wird!", sagt Dr. Tasneem.

Humanitäre Not im Jemen: "Die Menschen brauchen Hilfe"


Aus dem Jemen berichtet auch Muhammad Zulqarnain Baloch, Länderdirektor von unserer Bündnisorganisation:

"Im Jemen leben mehr als 30 Millionen Menschen. Seit fünf Jahren herrscht hier Krieg. Frieden ist nicht in Sicht, noch immer fallen Bomben und es gibt Kämpfe in vielen Landesteilen. Unter der Gewalt leidet die Bevölkerung sehr.

Mehr als die Hälfte des Gesundheitssystems ist zerstört. Millionen Menschen hungern. Die meisten haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. 80 Prozent sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Sie brauchen Hilfe und Schutz.

"Das Coronavirus ist da. Es gibt so viele Tote und so viele Patienten."

Islamic Relief hilft im Jemen. Allein 2019 haben wir Lebensmittel an mehr als zwei Millionen Menschen verteilt. 400.000 Menschen, die alles verloren haben, unterstützten wir dabei, ein eigenes Einkommen zu erlangen und ihre Lebensgrundlage wiederaufzubauen. Außerdem betreibt Islamic Relief 155 Einrichtungen, in denen Menschen Beratung und medizinische Hilfe bekommen.

COVID-19 betrifft alle Menschen im Jemen. Überall – im Norden und Süden und im Zentrum. Sie brauchen Unterstützung. Das Coronavirus ist da. Es gibt so viele Tote und so viele Patienten.

Wir sind bereit zu handeln. Zusammen mit den UN und anderen Organisationen passen wir unsere Hilfsprojekte an die Situation an. Wir achten auf die Bedingungen bei Verteilungen, klären auf über Hygiene und Social Distancing. 

Corona breitet sich im gesamten Jemen aus. Tausende Familien haben dank Ihnen Hilfe bekommen. Wir sind so dankbar für Ihre Unterstützung. Und die Menschen brauchen immer noch Hilfe. Bitte hören Sie nicht auf, die Menschen im Jemen zu unterstützen. Vielen Dank."

Wie ist die aktuelle Situation im Jemen?

Seit 2015 wüten schwere Kämpfe im Jemen. Leidtragend ist vor allem die Zivilbevölkerung. Hunderttausende Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Mehr als 24 Millionen Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. Darunter sind mehr als 12 Millionen Kinder.

Schon vor Beginn des Bürgerkriegs war der Jemen ein armes Land. Ausbleibende Gehälter und steigende Preise für lebenswichtige Güter zwingen immer mehr Menschen in die absolute Armut. Es herrscht eine Hungersnot. Tankstellen, Geschäfte, Schulen und Banken sind geschlossen, Krankenhäuser zerstört oder überfüllt. Kriminalität und Unruhen nehmen zu.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Ausbrüchen von Cholera. Die hochansteckende Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Vor allem für Kinder, ältere und geschwächte Menschen kann die Krankheit tödlich enden.

Seit 2020 verschärft die Corona-Pandemie die Situation im Jemen. Mit einem massiven Ausbruch von COVID-19 wäre das Gesundheitssystem hoffnungslos überfordert.

Zahlen & Fakten: Wie viele Menschen sind betroffen?

Die Not im Jemen ist groß. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Katastrophe der Welt.

  • Mehr als 24 Millionen Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. Darunter sind mehr als 12 Millionen Kinder
  • Das sind 80 Prozent der Bevölkerung, die die Vereinten Nationen auf 30,5 Millionen schätzt
  • Mehr als 20 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Die Hälfte davon ist akut bedroht. Sie wissen nicht, woher sie die nächste Mahlzeit oder sauberes Trinkwasser bekommen
  • Mehr als 300.000 Kinder im Jemen sind akut unterernährt
  • 17,9 Millionen Menschen sind auf medizinische Hilfe angewiesen
  • Mehr als 11 Millionen Menschen benötigen dringend Zugang zu sauberem Trinkwasser
  • Mehr als 3,7 Millionen Menschen mussten seit Kriegsbeginn ihr Zuhause verlassen
  • Jährlich werden Hunderttausende zur Flucht gezwungen; die meisten suchen innerhalb des Landes Schutz vor dem Krieg


Quelle: UN OCHA, Humanitarian Response Plan, Juni 2020

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Hilfsorganisationen unseres Bündnisses stehen den Menschen vor Ort zur Seite.

  • Wir versorgen Familien mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikeln – in Zeiten von Corona ist das besonders wichtig
  • Wir leisten den Menschen im Jemen medizinische Hilfe, versorgen unterernährte Kleinkinder sowie Patienten, die an Cholera oder Corona erkrankt sind
  • Wir versorgen Gesundheitszentren mit dringend benötigten Medikamenten und medizinischem Material
  • Wir unterstützen die Aus- und Weiterbildung medizinischen Personals
  • Wir helfen Binnenvertriebenen, eine sichere Unterkunft zu finden
  • Wir stehen Menschen zur Seite, die aufgrund ihres Alters oder von Behinderungen auf besondere Unterstützung angewiesen sind
  • Wir ermöglichen Familien psychosoziale Unterstützung
  • Wir unterstützen die Menschen im Jemen mit Bargeld, damit sie sich selbst mit dem Nötigsten versorgen können


Helfen Sie uns, den Menschen im Jemen zu helfen – jetzt mit Ihrer Spende!

Corona-Nothilfe im Jemen: Jetzt spenden & helfen!

Islamic Relief ist Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Gemeinsam helfen wir Menschen in Not weltweit. Möglich ist das nur dank Spenderinnen und Spendern wie Ihnen! Danke.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden, um in weltweiten Hilfsprojekten des Bündnisses die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ausweiten zu können:

Spenden-Stichwort: Corona-Nothilfe weltweit
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden