Sars-CoV-2/COVID-19"Gesundheitskatastrophen kennen keine Grenzen"

25-03-2021

von action medeor/Aktion Deutschland Hilft

"Es ist die ungleiche Verteilung von Wohlstand und vor allem die ungleiche Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme, die aktuell offen zutage treten."

Christoph Bonsmann, studierter Pharmazeut und Gesundheitsexperte, ist seit 2012 Vorstandsmitglied bei unserer Bündnisorganisation action medeor.

Im Interview mit Aktion Deutschland Hilft spricht er über Gesundheitskatastrophen, wie diese verhindert werden können und warum Impfgerechtigkeit aktuell so wichtig ist.

Aktion Deutschland Hilft: Katastrophenvorsorge – das ist mehr als Frühwarnsysteme und Notfallpläne. Warum gehört das Vorbeugen von Krankheiten wie Malaria oder Ebola genauso dazu?

Christoph Bonsmann: Weil diese Krankheiten, wenn sie sich unkontrolliert ausbreiten, ebenso katastrophale Auswirkungen haben können wie andere Naturgewalten. Wir müssen lernen, dass es neben Naturkatastrophen auch Gesundheitskatastrophen gibt – und zwar nicht erst seit Corona. Nur zur Erinnerung: An Malaria sterben weltweit jedes Jahr mehr als 400.000 Menschen, die meisten davon Kinder.

Das Ebola-Virus hat nach dem Ausbruch 2014 in kurzer Zeit allein in Westafrika 11.000 Menschen getötet, darunter besonders viele Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger. Und spätestens seit Corona wissen wir: Anders als Naturkatastrophen kennen Gesundheitskatastrophen keine geografische Begrenzung.

Was tut action medeor konkret, damit solche Gesundheitskatastrophen verhindert werden können?

Leider können wir nicht jeden Krankheitsausbruch im Vorfeld verhindern. Aber wir können auch hier Frühwarnsysteme aufbauen und Gesundheitsstrukturen so stärken, dass die Auswirkungen weniger katastrophal sind. Hier gilt es, etwaige Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Konkret geht es dabei etwa um Prävention durch Hygienemaßnahmen und um Aufklärung der lokalen Bevölkerungen.

 


Aber es braucht auch infrastrukturelle Maßnahmen, zum Beispiel den Ausbau von Diagnose- und Laborkapazitäten, die bedarfsgerechte Ausstattung von Gesundheitsstationen mit medizintechnischer Ausrüstung oder den Zugang zu Medikamenten. Wir arbeiten dazu eng mit Helferinnen und Helfern vor Ort zusammen und engagieren uns zusätzlich in der Aus- und Fortbildung von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sowie Laborantinnen und Laboranten und weiterem technischen Personal.

action medeor und viele weitere Hilfsorganisationen sprechen sich derzeit vehement für eine gerechtere Verteilung von Corona-Impfstoffen auf der Welt aus. Warum ist Impfgerechtigkeit so wichtig?

Weil wir die Corona-Pandemie nur weltweit besiegen oder gar nicht. Es hilft nicht, nur einen Teil der Weltbevölkerung schnell zu impfen, während sich das Virus in anderen Teilen der Welt weiter ungehindert verbreiten und gefährliche Mutationen ausbilden kann. Wir werden das Virus nur gemeinsam besiegen – und das geht nur, wenn auch die ärmeren Länder eine reelle und zeitnahe Chance auf die Impfstoffe haben. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

Und der andere?

Der andere Teil der Wahrheit ist, dass die Immunisierung der Weltbevölkerung gegen Corona alleine nicht ausreichen wird, um uns vor dem nächsten Virus zu schützen. Die Dinge liegen tiefer. Es ist die ungleiche Verteilung von Wohlstand und vor allem die ungleiche Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme, die aktuell offen zutage treten.

Solange das so bleibt, werden Gesundheitskatastrophen selbst in fernen Ländern immer die ganze Welt bedrohen. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir die Lebensbedingungen und Gesundheitsstrukturen gerade in ärmeren Ländern verbessern – nicht nur akut in Pandemien, sondern dauerhaft. Auch das müssen wir lernen.

 

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