von Aktion Deutschland Hilft/Johanniter
Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine vor fast vier Jahren ist die Zahl der Hepatitis-C-Infizierten im Land stark angestiegen. Doch Betroffene werden in öffentlichen Praxen und Kliniken oft abgewiesen oder können sich eine Behandlung nicht leisten. Ein Projekt der Johanniter bringt Abhilfe.
Krieg erhöht Zahl der Hepatitis-C-Infektionen
In vier Kliniken im Westen der Ukraine ist die Johanniter-Partnerorganisation 100% Life für Menschen da, die sich mit Hepatitis C infiziert haben. Die Entzündung bleibt oft jahrelang unbemerkt, kann aber schlimmstenfalls zu Leberversagen führen. Übertragen wird das Virus vor allem durch den Kontakt mit Blut.
Im Krieg stecken sich mehr Menschen an, weil Soldaten mit den Wunden anderer in Berührung kommen oder Bluttransfusionen erhalten. Die Infektion bringen sie dann mit nach Hause. Auch sexuelle Gewalt trägt zur Verbreitung der Krankheit bei.
Die psychische Ausnahmesituation, gerade bei Menschen, die traumatisiert sind und ihre Heimat verlassen mussten, führt außerdem dazu, dass sie mehr Drogen konsumieren und ungeschützten Geschlechtsverkehr haben. Beides erhöht das Risiko, sich anzustecken. Die gute Nachricht: Menschen, die therapiert werden, haben gute Chancen auf Heilung innerhalb von wenigen Wochen.
“Wir behandeln sie mit Würde”
Im Rahmen des Johanniter-Projektes werden derzeit 200 Frauen kostenlos diagnostiziert, medikamentös behandelt und dabei vom engagierten Personal begleitet.
“Die Frauen, die zu uns kommen, sind aus vom Krieg schwer betroffenen Gebieten geflohen und durch Gewalterfahrungen traumatisiert. Wir behandeln sie mit Würde und hören zu”, sagt Nataliia Moskalova, Infektiologin und medizinische Leiterin bei 100% Life. Sie weiß, dass es Zeit braucht, bis ihre Patient:innen Vertrauen aufbauen.

Eine ihrer Hepatitis-C-Patient:innen in Riwne ist Nadja. Die 38-Jährige stammt aus Odessa. Sie sitzt mit einer Maske im Behandlungsraum, die die Spuren von Gewalt in ihrem Gesicht verdeckt.
“Als der Krieg begann, wurde mein Mann aggressiv”, berichtet sie unter Tränen und mit brüchiger Stimme. Eines Tages misshandelte er sie, sperrte sie ein und warf sie schließlich aus der Wohnung. "Ich war obdachlos und wusste nicht, wohin“, berichtet Nadja.
Sie schaffte die Flucht nach Rivne im sichereren Westen, fand eine Notunterkunft und einen Job. Nun ist sie hier in Therapie, denn ihr Mann hat sie mit HIV und Hepatitis C angesteckt.
Infizierte werden ohne Vorurteile behandelt
Die kostenfreie und vorbehaltlose Behandlung in der Klinik ist sehr wichtig. “Betroffene sind in der ukrainischen Gesellschaft stigmatisiert. Sie werden gemieden und es kommt oft vor, dass sie von Ärzten abgewiesen werden, weil die Angst vor Ansteckung groß ist”, erläutert Klinikleiterin Nataliia Moskalova.
Wenn sie es geschafft haben, ein Rezept zu erhalten, müssen sich Betroffene die Medikamente in der Apotheke kaufen, wo sie umgerechnet 300 bis 500 Euro kosten. Für viele ein unbezahlbarer Betrag.
Die 40-jährige Katja Chaykovska ist zu Besuch in der Praxis. Die Sozialarbeiterin kümmert sich um Drogensüchtige. Ein Problem, von dem sie selbst bis vor ein paar Jahren betroffen war. So hatte sie sich mit Hepatitis C infiziert. Jetzt ist sie clean und gesund. “Hier wird jeder ohne Vorurteile behandelt. Jeder Mensch hat es verdient, Hilfe zu erhalten”, sagt sie.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die betroffenen Menschen aus der Ukraine.
Stichwort: Nothilfe Ukraine
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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