von Aktion Deutschland Hilft/SODI
Der Krieg in der Ukraine hat bestehende Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verschärft. Frauen sind davon besonders stark betroffen. Während viele Männer für den Krieg mobilisiert wurden, tragen Frauen zunehmend die wirtschaftliche Verantwortung für ihre Familien. Gleichzeitig sehen sie sich mit strukturellen Hürden, Diskriminierung und rechtlicher Unsicherheit konfrontiert. Ein gemeinsames Projekt unserer Bündnisorganisation SODI und ihrer ukrainischen Partnerorganisation Divchata – auf Deutsch “Mädchen” – bietet kostenlose Rechtshilfe für Frauen in der Ukraine an.
Systematische Benachteiligung
Frauen stellen die Mehrheit der Binnenvertriebenen und gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen. Viele von ihnen sind alleinige Ernährerinnen, während sie gleichzeitig Care-Arbeit leisten und mit eingeschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten zu kämpfen haben. Sie machen den Großteil der registrierten Arbeitslosen in der Ukraine aus. Dahinter verbirgt sich ein tiefergehendes Problem: ungleiche Bezahlung, unsichere Arbeitsverhältnisse und systematische Benachteiligung.
Beispiele für Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sind unter anderem geschlechtsspezifische Anforderungen in Stellenanzeigen, private Fragen in Bewerbungsgesprächen, niedrigere Löhne für Frauen, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und geschlechtsspezifische Gewalt.
Festigung geschlechtsspezifischer Stereotype
Der Krieg hat traditionelle Rollenbilder verstärkt und damit geschlechtsspezifische Stereotype weiter gefestigt sowie die wirtschaftlichen Chancen vieler Frauen weiter eingeschränkt. Gleichzeitig führt die Mobilisierung, die nach ukrainischem Recht vor allem Männer betrifft, dazu, dass immer mehr Frauen Tätigkeiten übernehmen, die traditionell als “männlich” gelten.
Rechtsberatung für über 400 Frauen
Vor diesem Hintergrund gewinnt der Zugang zu rechtlicher Unterstützung entscheidend an Bedeutung. Genau hier setzt das Projekt unserer Bündnisorganisation SODI und ihrer ukrainischen Partnerorganisation Divchata an. Es ermöglicht:
- individuelle Rechtsberatung für über 400 Frauen
- praxisnahe Online-Schulungen zu Arbeitsrecht
- Unterstützung bei der Dokumentation von Gesetzesverstößen
- Begleitung bei gerichtlicher Durchsetzung von Ansprüchen
Ein besonderer Fokus liegt darauf, komplexe rechtliche Zusammenhänge verständlich zu erklären und konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Rechtswissen als Schlüssel zur Gerechtigkeit: Katerynas Geschichte
Wie entscheidend dieser Zugang sein kann, zeigt die Geschichte von Kateryna. Über zwei Jahre hinweg versuchte sie vergeblich, das Haus ihres verstorbenen Vaters offiziell auf ihren Namen eintragen zu lassen. Immer wieder wurden ihre Unterlagen abgelehnt – ohne schriftliche Begründung.
Durch die Beratung der Partnerorganisation Divchata erhielt sie Klarheit über ihre Rechte. Mit dem neu gewonnenen Wissen bestand sie auf der Einhaltung der gesetzlichen Verfahren. Kurz darauf wurde ihr Antrag akzeptiert und sie erhielt den offiziellen Eigentumsnachweis.
Für Kateryna bedeutet das nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch eine Perspektive für sich und ihre Kinder.
Wirtschaftliche Stabilität durch mehr Rechtsbewusstsein
Besonders in Krisenzeiten sind Kenntnisse im Arbeitsrecht ein zentrales Instrument wirtschaftlicher Unabhängigkeit.
“Nach einer rechtlichen Beratung verändern viele Frauen ihre Wahrnehmung der eigenen Situation. Sie betrachten Verstöße nicht mehr als persönliches Versagen oder als kriegsbedingte Ausnahme. Damit steigt die Bereitschaft Gesetzesverletzungen zu dokumentieren und informelle Arbeit abzulehnen. So trägt das Rechtsbewusstsein unmittelbar zur wirtschaftlichen Stabilität bei.”
Yana Medvedieva, Koordinatorin des Rechtsbereichs der Partnerorganisation Divchata
Das Projekt bietet Rechtshilfe über eine Hotline an. Mobile Teams führen zudem Schulungen zur Rechtsaufklärung vor Ort durch. So kann das Rechtsbewusstsein von Frauen gestärkt, Beschäftigungsmöglichkeiten erweitert und Diskriminierung vorgebeugt werden.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die betroffenen Menschen aus der Ukraine.
Stichwort: Nothilfe Ukraine
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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