Nothilfe Ukraine"Der Krieg erfordert von Hilfsorganisationen große Flexibilität"

02-05-2022

von Aktion Deutschland Hilft

Die Hilfsbereitschaft für die Menschen aus der Ukraine ist überwältigend. Neben humanitären Organisationen sind viele Ehrenamtliche und private Initiativen aus aller Welt im Einsatz.

Um die Hilfe aller Beteiligten noch weiter zu verbessern, bietet Aktion Deutschland Hilft haupt- und ehrenamtlichen Helfer:innen sogenannte Sphere-Trainings an. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Dr. Markus Moke im Interview. Er leitet die Abteilung Projekte & Qualitätssicherung von Aktion Deutschland Hilft.

Herr Moke, Aktion Deutschland Hilft veranstaltet Online-Trainings für Helfer:innen, die aktuell für die Menschen aus der Ukraine im Einsatz sind. Wie kam es dazu?

Beim aktuellen Hilfseinsatz für die Menschen aus der Ukraine – also in der Ukraine selbst, in den Anrainerstaaten und in Deutschland – bringen sich viele humanitäre Akteure ein. Das sind professionelle Organisationen aus aller Welt bis hin zu privaten Initiativen. Das ist super und angesichts des Ausmaßes dieser Krise ist diese breite Unterstützung auch nötig. Polen zum Beispiel, wo sehr viele Geflüchtete Schutz suchen, steht vor großen Herausforderungen.

In Katastrophengebieten zählt aber nicht nur der gute Wille, sondern auch eine sensible und professionelle Herangehensweise nach einheitlichen Standards. Unter den Helfenden sind viele, denen gar nicht bewusst ist, nach welchen Standards humanitäre Organisationen arbeiten. Für sie ist es vielleicht das erste Mal, dass sie auf Geflüchtete treffen.

Aktuell handelt es sich dabei häufig um Menschen, die aufgrund der Erlebnisse im Krieg schwersttraumatisiert sind. Sicherlich machen die Helfenden im Umgang mit Betroffenen vieles instinktiv richtig. Doch es geht auch um fachliches Wissen und ein Mindset, das im Umgang mit den Geflüchteten von Vorteil sein kann. Und zwar, um die hilfsbedürftigen Menschen bestmöglich zu unterstützen.

Sphere vermittelt dieses Wissen und dieses Mindset. Worum geht es genau?

In unseren Trainings wollen wir ganz praktisch und einfach verständlich deutlich machen, was laut Sphere bei humanitären Hilfseinsätzen wichtig ist, bzw. woran die Helfenden denken sollten. Etwa, dass humanitäre Grundsätze und die sogenannten Mindeststandards gelten. So hat beispielsweise jeder Mensch das Recht, humanitäre Hilfe zu erhalten.

Ein Beispiel für die Sphere-Standards ist, dass festgelegt ist, wie viele Quadratmeter einem Menschen in einer Notunterkunft zustehen. Außerdem gehen wir in unseren Trainings auf Fragen ein, die im aktuellen Kontext relevant sind. Das ist etwa der Schutz von besonders gefährdeten Menschen, Frauen und Kindern, die alleine aus der Ukraine geflohen sind und selbstverständlich auch ältere und kranke Menschen.

Für die tägliche Arbeit humanitärer Organisationen weltweit sind die Sphere-Standards unabdingbar. Sie tragen dazu bei, dass betroffenen Menschen in Katastrophengebieten effektiv und zielgerichtet geholfen wird.

Hintergrund: Was ist Sphere?

Ziel von Sphere ist, die Qualität der humanitären Hilfe zu verbessern und Rechenschaft abzulegen: gegenüber Spender:innen, institutionellen Geldgebern und den Begünstigten von Hilfsaktionen. Aktion Deutschland Hilft hat sich der Initiative im Mai 2008 angeschlossen und veranstaltet regelmäßig Sphere-Trainings für Mitarbeiter:innen von Hilfsorganisationen.

Grundüberzeugungen von Sphere:

  • Von einer Katastrophe oder einem Konflikt Betroffene haben das Recht auf ein Leben in Würde und daher ein Recht auf Hilfe.
  • Alle möglichen Schritte sollten unternommen werden, um menschliches Leid infolge einer Katastrophe oder eines Konflikts zu lindern.


Weitere Informationen & Erklärvideo zu Sphere  


Inwiefern unterscheidet sich die humanitäre Hilfe in Kriegssituationen zur Arbeit nach Naturkatastrophen?

Die Arbeit der Helfenden in den umkämpften Regionen in der Ukraine unterscheidet sich von der Hilfe in den Nachbarländern oder in Deutschland. Im Konflikt ist das Thema Schutz besonders wichtig. Dabei geht es vor allem darum, wie die Organisationen die Menschen vor Ort schützen können.

Hier kann Sphere ganz praktische Antworten liefern. Die sogenannten Schutzprinzipien zeigen Helfenden zum Beispiel, wie sie Menschen vor physischer und psychischer Gewalt schützen können. Schutz umfasst dabei immer drei Aspekte: Sicherheit, Würde und Rechte der betroffenen Menschen einer Katastrophe oder eines bewaffneten Konflikts.

Konkret ist das die Versorgung mit Nahrung, Wasser, Kleidung und Unterkünften. Das wird auch im Völkerrecht ausdrücklich garantiert.

Seit Beginn des Krieges überschlagen sich die Ereignisse. Niemand kann vorhersagen, was in ein paar Wochen oder Monaten sein wird. Wie planen Hilfsorganisationen langfristige Maßnahmen?

Es stimmt, wir müssen uns in der Ukraine und den Anrainerstaaten auf eine längerfristige und komplexe Hilfe einstellen und das erfordert von Hilfsorganisationen unter anderem hohe Flexibilität. Sie müssen sich an die Herausforderungen anpassen, die sich aufgrund des Krieges ergeben.

Dort, wo es möglich ist, werden akute Hilfsmaßnahmen für längerfristige Vorhaben mitgedacht. Konkrete Beispiele: Was muss getan werden, um geflüchtete Menschen in Aufnahmeländern zu integrieren? Oder wie kann die Schulbildung für Kinder sichergestellt werden?

Das erfordert viel Erfahrung und Fachwissen und auch das versuchen wir den Teilnehmenden in unseren Workshops zu vermitteln.

Weitere Informationen zu den aktuellen Sphere-Trainings

Im April 2022 fanden erste Sphere-Trainings im Kontext des Krieges in der Ukraine statt. Über 50 Helfer:innen haben bereits an Seminaren teilgenommen. Weitere Trainings, u.a. in polnischer Sprache, sind in Vorbereitung.

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Aktion Deutschland Hilft ist ein Bündnis von mehr als 20 Hilfsorganisationen. Aktuell sind 21 Bündnisorganisationen im Einsatz, um den Menschen aus der Ukraine zu helfen: im Land selbst, in den Anrainerstaaten und in Deutschland.


Bildergalerie: Unsere Hilfe für die Menschen aus der Ukraine


Danke an alle, die diese Hilfe mit ihrer Spende möglich machen.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die betroffenen Menschen aus der Ukraine.

Spenden-Stichwort: Nothilfe Ukraine
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