Die Sphere Standards

Sphere LogoEntstehung und Zielsetzung des Sphere-Projekts

Das Sphere Projekt wurde im Jahr 1997 von einer Gruppe humanitärer Nichtregierungsorganisationen und der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine Initiative, der sich mittlerweile mehrere hundert Hilfsorganisationen weltweit angeschlossen haben. Ziel ist es die Qualität der Humanitären Hilfe zu verbessern sowie Rechenschaft über die geleistete Arbeit gegenüber Spendern, institutionellen Geldgebern und den Begünstigten von Hilfsaktionen abzulegen. Aktion Deutschland Hilft hat sich der Initiative im Mai 2008 angeschlossen und veranstaltet regelmäßig Sphere-Trainings für Mitarbeitende der Mitgliedsorganisationen.

Das Sphere-Projekt beinhaltet drei grundlegende Dinge:

  • ein Handbuch
  • ein breites Handlungsspektrum durch intensive Zusammenarbeit und
  • eine ausdrückliche Verpflichtung zur Qualität und Rechenschaftspflicht

Das Sphere Handbuch wurde bisher in mehr als 40 Sprachen übersetzt und wurde 2011 neu überarbeitet. Aktion Deutschland Hilft wirkte maßgeblich an der Übersetzung der Standards in die deutsche Sprache mit. Interessierte können die deutsche Version des Handbuchs hier downloaden. Die Printausgabe des deutschen Sphere Handbuchs kann hier bestellt werden.

Grundüberzeugung des Sphere-Projekts


Das Sphere-Projekt basiert auf zwei Grundüberzeugungen:

1) Dass die von einer Katastrophe oder einem Konflikt Betroffenen das Recht auf ein Leben in Würde und daher ein Recht auf Hilfe haben
2) Dass alle nur möglichen Schritte unternommen werden sollten, um menschliches Leid infolge einer Katastrophe oder eines Konflikts zu lindern.

Das Handbuch, Kernstück des Projekts und allgemein anerkanntes Referenzwerk zur Verbesserung der Qualität in der Nothilfe, beinhaltet die Humanitäre Charta und legt Mindeststandards in den vier Kernbereichen der humanitären Nothilfe fest: Wasser-, Sanitär- und Hygienestandards, Nahrungsmittelsicherheit, Notunterkünfte und Existenzsicherung sowie Gesundheitsversorgung.

Teil 1: Die Humanitäre Charta

Der erste Teil des Handbuchs beinhaltet die Humanitäre Charta, die den ethisch-moralischen Rahmen des Sphere-Projekts bildet. Sie ist ein Leitfaden für Hilfsorganisationen und basiert auf den Genfer Konventionen, dem Menschenrechtsabkommen, dem Code of Conduct und dem Internationalen Flüchtlingsrecht. Sie beruht auf dem Grundsatz der Menschlichkeit und dem Humanitären Imperativ und umfasst das Recht auf ein Leben in Würde, das Recht auf Humanitäre Hilfe und das Recht auf Schutz und Sicherheit.

Teil 2: Mindeststandards in der Humanitären Hilfe

Im zweiten Teil werden die überlebensnotwendigen Mindeststandards der Humanitären Hilfe definiert:

  • Wasser-, Sanitärversorgung und Hygieneaufklärung
  • Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung
  • Notunterkünfte
  • Ansiedelung
  • Non-Food-Items
  • Gesundheitsmaßnahmen

Anhand bestimmter Schlüsselaktivitäten, Schlüsselindikatoren und Richtlinien wird erläutert, wie Mindeststandards in der Humanitären Hilfe erfüllt werden können. Auch Querschnittsbereiche wie klimawandelbezogene Umweltthemen, die psychosoziale Unterstützung von Kindern, älteren Menschen und Menschen mit Behinderung sowie die Gefährdung durch HIV und AIDS fließen im Rahmen der Katastrophenrisikoreduzierung in das Sphere-Handbuch ein.

So funktioniert Sphere: Standard 1 zur Wasserversorgung

Was sich zunächst sehr theoretisch anhören mag, gibt humanitären Helferinnen und Helfern bei der Durchführung eines Einsatzes ein praxisnahes Instrument an die Hand. Die Handhabung wird im Folgenden am Standard 1 zur Wasserversorgung veranschaulicht:

Zunächst wird ein Mindeststandard definiert: „Alle Menschen verfügen über einen sicheren und gleichberechtigten Zugang zu einer ausreichenden Menge an Wasser zum Trinken, Kochen und für die Körper- und Haushaltshygiene. Die öffentlichen Wasserentnahmestellen liegen nahe genug an den Haushalten, sodass sie ihren Mindestbedarf decken können.“

Zum Erreichen dieses Standards werden verschiedene Aktivitäten genannt, die als Schlüsselaktivitäten bezeichnet werden, etwa:

  • „Eine geeignete Wasserquelle für die Situation identifizieren, wobei die Menge und die Umweltbelastung für die Quelle berücksichtigt werden.“
  • „Wasser priorisieren und bereitstellen, um den Bedarf der betroffenen Bevölkerung zu decken.“


Schlüsselindikatoren zeigen an, ob ein Standard erreicht wurde:

  • „Der durchschnittliche Wasserverbrauch zum Trinken, Kochen und für die Körperhygiene pro Haushalt beträgt mindestens 15 Liter pro Person und Tag.“
  • „Die maximale Entfernung zwischen jedem Haushalt und der nächstgelegenen Wasserentnahmestelle beträgt 500 Meter.“


Die Richtlinien geben an, was bei der Durchführung der Schlüsselaktivitäten und bei der Auslegung der Schlüsselindikatoren zu beachten ist. Es handelt sich nämlich nicht um starre Werte, sondern um Maßnahmen, die im Kontext des jeweiligen Landes betrachtet werden müssen. Bei der Wasserversorgung wird etwa darauf hingewiesen, dass die benötigte Wassermenge mit dem Klima variiert und verschiedene Personengruppen unterschiedliche Wassermengen benötigen. Kranke Menschen etwa benötigen häufig mehr Wasser als Gesunde.