Hochwasser Deutschland 2021Interview Hochwasserhilfe: "Wir lassen die Menschen nicht allein!"

01-08-2022

von Aktion Deutschland Hilft

Im Interview erklärt Manuela Roßbach, wie das Bündnis Aktion Deutschland Hilft seit der Flutkatastrophe im Juli 2021 hilft und wo Betroffene sich beraten lassen können.


Frau Roßbach, seit der Hochwasser-Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist mehr als ein Jahr vergangen. Wie schätzen Sie die Situation mit Blick auf die geleistete Hilfe ein?

Haupt- und ehrenamtliche Helfer:innen leisten seit Juli 2021 Großartiges. Das gröbste Chaos ist beseitigt, viele Straßen sind wieder befahrbar und der Wiederaufbau schreitet voran. Doch der Weg zur Normalität ist noch lang.

Die Hilfsorganisationen aus unserem Bündnis haben viel Erfahrung von Auslandseinsätzen. Daher wissen wir, dass wirksame, nachhaltige Hilfe mehr ist als die Nothilfe der ersten Stunden und Tage. Die Nothilfe war der Sprint. Jetzt steht uns ein Marathon bevor: der Wiederaufbau.

Wie hat das Bündnis Aktion Deutschland Hilft bisher geholfen?

Im Inland sowie Ausland lassen sich die Hilfsmaßnahmen bei Krisen dieser Art in drei Phasen aufteilen: in akute, mittel- und langfristige Hilfe.

In den ersten Wochen nach der Katastrophe halfen unsere Bündnisorganisationen mit Trinkwasser, Erster Hilfe, Notunterkünften, Suppenküchen und Hygienekits für Menschen, die alles verloren haben. Zudem haben Tausende Haushalte Werkzeuge, Bautrockner und finanzielle Soforthilfe erhalten.

In der Übergangsphase ging und geht es darum, Kinder und Erwachsene dabei zu unterstützen, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Außerdem wurden Behelfsapotheken und mobile Übergangshäuser finanziert.

Langfristig hilft das Bündnis beim Wiederaufbau sozialer Einrichtungen und unterstützt Initiativen und Vereine. Und vor allem bedürftige Familien, die ihr Zuhause verloren haben. Sie können Spenden für den Eigenanteil bei zerstörten Häusern beantragen.


Bildergalerie: So hilft unser Bündnis in den Hochwassergebieten


Manche Betroffene haben das Gefühl, dass es zu lange dauert, bis Hilfe bei ihnen ankommt...

Etwa die Hälfte der Spenden wurde in den ersten Monaten für Soforthilfemaßnahmen und mittelfristige Hilfe eingesetzt. Die restlichen Spenden kommen den Menschen für den Wiederaufbau zugute.

Unsere Bündnisorganisationen wissen aus der Erfahrung von der Hochwasserhilfe 2013, dass es klug ist, noch Spenden für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen.

Wir lassen die Menschen nicht allein! Die Hilfsorganisationen bleiben, solange es nötig ist.

Warum zahlen Hilfsorganisationen das Geld nicht direkt aus?

Wir möchten damit sicherstellen, dass die Spenden den von der Flut betroffenen Menschen zugutekommen und nicht auf Leistungen von Versicherungen oder Staat angerechnet werden. Auch die Bedürftigkeit jedes einzelnen Antragstellers muss überprüft werden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben und entspricht in der Regel dem Spenderwillen. Das bedeutet, dass jeder einzelne Fall geprüft werden muss.

Leider dauert es länger als wünschenswert, bis staatliche Anträge genehmigt und Versicherungsleistungen anerkannt sind.

Was muss sich ändern, damit Hilfe bei künftigen Katastrophen noch schneller bei den Menschen ankommt?

Wir sind im ständigen Austausch mit der Politik, damit Hilfe bei Katastrophen in Deutschland künftig unbürokratischer vonstattengehen kann.

Derzeit dürfen Spenden aus steuerrechtlichen Gründen nicht an Unternehmen gehen. Das finden wir falsch. Auch die kleine Bäckerei oder Winzer:innen im Ahrtal benötigen Hilfe nach Naturkatastrophen wie dem Hochwasser.

Darum machen wir uns für eine Reform des Gemeinnützigkeitsrechts stark. Das würde uns erlauben, nach einer nächsten Katastrophe in Deutschland noch bedarfsorientierter, schneller und effizienter helfen zu können.

Aktuell ist die Lage noch kompliziert. Wo können sich von der Flut betroffene Menschen beraten lassen?

In den Fluthilfebüros des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Johanniter (JUH) und der Malteser (MHD). Andere Bündnisorganisationen wie Help – Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen Vereine und Initiativen.

Unter der Hotline 06723 685578 oder unter www.Aktion-Deutschland-Hilft.de/Betroffene finden Betroffene der Flutkatastrophe alle Infos rund um die Fluthilfebüros unserer Hilfsorganisationen. Dort helfen zahlreiche Helferinnen und Helfer aus unserem Bündnis persönlich weiter!

Hochwasser Deutschland: Informationen für Betroffene

Anlaufstellen und Fluthilfebüros

Unsere Bündnisorganisationen sind nach wie vor in den betroffenen Gebieten im Eimsatz, um die Menschen zu unterstützen. Hier finden Sie eine Übersicht mit Fluthilfebüros:

Anlaufstellen des ASB


Fluthilfebüros AWO


AWO Mittelrhein


Fluthilfebüros Malteser


Fluthilfebüros Johanniter


Um Einzelfallhilfen bei unseren Bündnisorganisationen zu beantragen, schauen Sie bitte hier: https://www.malteser.de/fluthilfe.html 

Eine Übersicht, was unsere Bündnisorganisationen alles an Hilfen anbieten, finden Sie hier als PDF zum Download.

Betreuungsangebote und psychologische Beratungsstellen

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Betreuungsangebote für Kinder, Jugendliche, Familien und ältere Personen, psychosoziale Betreuung und psychologische Beratung

Fluthilfebüro in Dernau, Rheinland-Pfalz:

 

Hochwasserbüros in Erftstadt, Rheinbach-Flerzheim und Stolberg/Eschweiler, Nordrhein-Westfalen:

•    www.johanniter.de/hochwasserhilfe-nrw
•    E-Mail: Hochwasserhilfe.nrw(at)johanniter.de


Kreis Rhein-Erft/Düren und Umgebung, ASB

  • Im Kreis Euskirchen ist eine Beratungsstelle für traumatisierte Betroffene eingerichtet. Die Traumatherapeut:innen sind bereits mobil unterwegs. Der Kontakt erfolgt über den ASB Rhein-Erft/Düren: E-Mail: c-dienst(at)asb-erft.eu
  • Ein Mobiles Beratungsbüro kann zu juristischen, psychologischen und baurechtlichen Themen von Betroffenen unentgeltlich in Anspruch genommen werden
  • E-Mail: kontakt(at)asb-nrw.de
  • Kontakt: 0221 949 707-0

Erkrath

  • Unterstützung von geflüchteten Familien und vor allem Kindern, die aufgrund der Hochwasserkatastrophe ihren Zufluchtsort verloren haben.
  • E-Mail: info(at)asb-me.de
  • Kontakt: 02173 8914000

Mechernich und Umgebung

  • Reittherapie für vom Hochwasser betroffene Kinder, sowie von Kinder- und Jugendfahrten im Sommer 2022
  • Kontakt: kontakt(at)asb-nrw.de

Trier-Ehrang:

  • Begegnungsstätte in Trier-Ehrang (Bernd-Bohr-Platz). Hier finden z.B. Aktionen für den Ortsteil, Café-Treffs und andere soziale Angebote statt.
  • Kontakt: info(at)asb-hochwasserhilfe.de

Bundeslandübergreifend in NRW und RLP

 

Weitere Anlaufstellen

Unterstützung beim Wiederaufbau für Privathaushalte


ADRA Deutschland e.V.

 

Habitat for Humanity

  • Werkzeugverleih (Bautrockner, Abzieher, Hilfsanfragen für Unterstützung bei Wiederaufbau etc.)
    Adresse: Bungertstr. 3, Dernau/Schuld, Mo bis Samstag 9 bis 17 Uhr

  • Drei mobile Werkzeugverleihe in Altenahr: Zentrale Kontaktdaten: verleih(at)habitatforhumanity.de
    0157 30022501
    1. Altenburger Straße 16 in Altenahr (vor der stillgelegten Rettungswache), jeden Donnerstagvormittag
    2. Am Weiher 27 in Altenburg (Neben dem ehemaligen Versorgungscamp), jeden Samstagvormittag
    3. Kreuzberger Auel (Am Kreisverkehr) 53505 Altenahr, jeden Samstagvormittag

 

Bei Help können Vereine, Schulen und Kindergärten Soforthilfen beantragen:


Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.


Digitale Plattform: https://www.handwerk-baut-auf.de/startseite

  • Hier finden Betroffene zahlreiche Betriebe aus ganz Deutschland.
  • Unter dem Motto "Handwerk hilft Handwerk" können auch selbst betroffene Handwerksbetriebe personelle Unterstützung im Bereich "Kollegiale Hilfe" anfragen.
  • Auch anerkannte unabhängige Sachverständige wie Steuerberater, Architekten oder Ingenieure können über die Plattform gefunden werden.

 

Soforthilfeanträge für Vereine & gemeinnützige Einrichtungen

ADRA

 

Help – Hilfe zur Selbsthilfe

 

Paritätischer Wohlfahrtsverband


LandsAid


arche nova


Soforthilfeanträge für Privatpersonen auf Landesebene

Soforthilfeauszahlungen: Anträge und Informationen

Arbeiter-Samariter-Bund

Im Kreis Erftstadt und Umgebung können sich Betroffene bezüglich Soforthilfezahlungen telefonisch unter 02235 46020 melden. Außerdem erhalten betroffene Haushalte, die einen ASB Bautrockner zum Ausleihen erhalten haben, nach Rückgabe eine Stromkostenpauschale für die genutzte Dauer. Pauschalen werden ebenfalls für Heizgeräte gezahlt, wenn diese zurück gegeben werden.

Betroffene in Rheinland-Pfalz wenden sich bitte an: info(at)asb-hochwasserhilfe.de.

Informationen der Länder - Aufbauhilfen

Wiederaufbauhilfe NRW


Wiederaufbauhilfe Rheinland-Pfalz

Dorferneuerung


Denkmalschutzförderung

Kontakte zu Fachleuten im Denkmalschutz


Kontakte für Winzer und Landwirte


Wiederaufbau - Rechtliches
https://www.mhkbg.nrw/wiederaufbau-rechtliches


Vom Bund erhält jeder betroffene Haus-/Wohnungsbesitzer ohne Versicherung 80 Prozent der Schäden erstattet. Die Anträge müssen beim Land NRW bzw. Rheinland-Pfalz gestellt werden.

Weitere Informationen zu Aufbauhilfen vom Bund erhalten Sie auf den Seiten des Bundesministeriums der Finanzen: www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Oeffentliche_Finanzen/aufbauhilfe-fuer-vom-hochwasser-betroffene-regionen.html

Weitere Kontakte für Betroffene


Entsorgung von Bauschutt und Schlamm
https://kreis-ahrweiler.de/land_natur_umwelt/bauschutt/

Informationen für Menschen, die zur Miete wohnen:

Bei Fragen zur Schadensregulierung können Sie sich an den Mieterschutzbund wenden. Bei individuellen Fragen wenden Sie sich bitte an den örtlichen Mieterverein.

FAQs Verbraucherzentrale:

https://www.verbraucherzentrale.de/aktuelle-meldungen/geld-versicherungen/hochwasserkatastrophe-wichtige-fragen-und-antworten-fuer-betroffene-62892


Herzlichen Dank an alle Helferinnen und Helfer für die großartige Unterstützung. Erst Ihre Spende und Ihr Engagement machen den Wiederaufbau möglich!

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden, um die Nothilfe für die vom Hochwasser betroffenen Menschen in Deutschland zu unterstützen:

Spenden-Stichwort: Nothilfe weltweit
Spendenkonto: IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30
oder online spenden