von Malteser International
Mit Blick auf den 5. Jahrestag der Ahrtal-Katastrophe Mitte Juli 2021 sieht der Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Martin Schelleis, Fortschritte im Katastrophenschutz. Zugleich warnt er davor, dass Deutschland jederzeit eine Natur-Katastrophe oder eine Krise großen Ausmaßes treffen kann und dann adäquat handeln muss. Bei den Überschwemmungen vor allem in Westdeutschland hatte sich gezeigt, dass die Warnung und die Reaktion unzureichend waren. Mehr als 180 Menschen starben, 800 wurden schwer verletzt, mehrere Tausend verloren ihr Hab und Gut.
“Es kann uns jederzeit wieder treffen”
Der Präsident des Malteser Hilfsdienstes mahnt ein höheres Tempo an, um die Zusammenarbeit der Akteure, die Ausrüstung und die Einsatzbereitschaft von Ehrenamtlichen zu verbessern. “Die wichtigste Lehre aus der damaligen Katastrophe: Es kann uns jederzeit wieder treffen, auch jetzt und auch wenn das ‚Jahrhunderthochwasser‘ erst fünf Jahre zurückliegt.”
Schelleis, der als Nationaler Territorialer Befehlshaber den Einsatz der Bundeswehr im Juli 2021 verantwortete, sagt:
“Sicherlich wären wir heute an vielen Stellen besser vorbereitet - aber nicht überall und nicht vollumfänglich. Es braucht die Führung des Einsatzes durch die zuständigen politischen Mandatsträger, abgestützt auf die Verwaltung und die Fähigkeiten von Experten im Bevölkerungsschutz, unter anderem der Hilfsorganisationen. Vor allem muss die Verantwortlichkeit dem Ausmaß der Lage entsprechend schnell übergeben werden können, um die notwendigen Mittel direkt einzusetzen: von der Kommune ans Land, vom Land an den Bund.”
Bund, Länder und Kommunen müssen sich heute auf unterschiedliche Gefahren einstellen, wie Naturkatastrophen, Unfälle, Terroranschläge und hybride/militärische Gefahren.
“Der Bund und die Länder müssen die wahrscheinlichsten und gefährlichsten Szenarien beschreiben. Dann haben sie eine solide Grundlage um festzulegen, welcher Bedarf an Personen, Material, Organisation und Infrastruktur besteht.”
Martin Schelleis, Präsident des Malteser Hilfsdienstes
Mit Blick auf das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen sagt der Hilfsdienst-Präsident:
“Der Katastrophenschutz und die Zivilverteidigung ruhen maßgeblich auf ehrenamtlichen Schultern. Dieses Engagement sicherzustellen, gelingt durch echte Wertschätzungen der ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer. Dafür muss der Staat eine auskömmliche Finanzierung der organisatorischen, materiellen und infrastrukturellen Anforderungen sicherstellen. Der avisierte Pakt für den Bevölkerungsschutz benötigt genau hierfür zusätzliche Mittel in zweistelliger Milliardenhöhe. Ansonsten sehe ich den Bevölkerungsschutz als Kernaufgabe staatlicher Daseinsvorsorge gefährdet.”
Leistungen während und nach den Überschwemmungen 2021-2025
Neben rund 1.000 Katastrophenschützer:innen, die während und unmittelbar nach den Überschwemmungen im Einsatz waren, leisteten die Malteser über mehrere Jahre Hilfe bei der Bewältigung der menschlichen Folgen und materiellen Schäden. Insgesamt haben die Malteser fast 55 Millionen Euro aus Spenden zur unmittelbaren Hilfe während und nach der Katastrophe verwendet. Mehr als 10.000 Haushalte in NRW und Rheinland-Pfalz erhielten Soforthilfe von bis zu 2.500 Euro.
Psychosoziale Hilfen wurden an 11 Orten über Jahre geleistet. Das Gemeinwesen in Kommunen, Vereinen und Pfarreien wurde unterstützt. 1.500 Haushalte nahmen die Wiederaufbauhilfe der Malteser in Anspruch.
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