von Aktion Deutschland Hilft
Weltweit tragen Frauen in humanitären Notlagen oft die schwerste Last. Sie übernehmen nahezu allein die Sorgearbeit: Kinder schützen und erziehen, Angehörige pflegen, den Alltag organisieren – vor allem wenn Schulen, Kliniken und soziale Strukturen fehlen.
Viele Frauen landen in prekären Jobs ohne Perspektive, mit niedrigem Einkommen oder eingeschränkten Rechten. Arbeitslosigkeit trifft sie besonders hart.
3 Frauen, die ihren eigenen Weg gehen
Gleichzeitig sind Frauen weltweit häufiger von sexualisierter und häuslicher Gewalt betroffen, die sich in Krisen und auf der Flucht nachweislich verstärkt. Diese Faktoren haben auch gravierende Folgen für ihre Sicherheit und psychische Gesundheit.
Und doch gehen sie jeden Tag mutige Schritte nach vorn. Zum Weltfrauentag erzählen wir fünf Geschichten von Frauen, die trotz Krieg, Armut und Verlust nicht aufgeben, sondern ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen:
- Hannas Weg in den neuen Beruf
- Der Beginn von Rachels wirtschaftlicher Unabhängigkeit
- Ein Bio-Acker für Amira
“Ich gebe nicht auf” – Hannas Weg in einen neuen Beruf

Hanna sitzt in einem Kursraum einer Technik- und Bauhochschule bei Kiew (Kyjiw), vor sich Kabel und Werkzeuge, auf dem Schoß ihr sieben Monate altes Baby. Sie nimmt an einem dreimonatigen Kurs teil, in dem sie lernt, Radio- und Funktechnik zu reparieren.
Ihr Mann hat den Krieg in der Ukraine nicht überlebt.
“Ich liebe meinen Papa”, steht auf dem Babyanzug. Tamerlan, 7 Monate alt, hat seinen Vater jedoch nie kennen gelernt. “Vor einem Jahr habe ich meinen Mann im Krieg verloren, während ich schwanger war”, erzählt Hanna.
Alleinige Verantwortung für drei Kinder
Ursprünglich stammt Hanna aus der Region Donezk in der Ost-Ukraine. Heute lebt sie in der Nähe von Kiew. Ihre Flucht begann schon 2016, als sie mit ihrer älteren Tochter Alina (12) wegen der eskalierenden Gewalt ihre Heimatstadt verließ. Im Umkreis der Hauptstadt suchten sie Zuflucht und Stabilität. Hanna und ihr Mann bekamen noch zwei weitere Kinder: Milena, die jetzt fünf Jahre alt ist, und Tamerlan.
Seit dem Verlust ihres Mannes trägt Hanna die Verantwortung für drei Kinder allein und sucht nach einem Weg, ihre Familie zu versorgen.
Ausbildungsprojekt stärkt Gesundheit alleinstehender Mütter
Aufgeben kann und will Hanna trotz enormer Belastungen nicht – sie weiß nur zu gut, wie wichtig Stabilität für ihre Kinder ist. Deshalb hat sie die Chance ergriffen, eine praktische Ausbildung zu machen: Durch das von World Vision mit Unterstützung von Aktion Deutschland Hilft entwickelte Programm lernt sie die Wartung von Radio- und Funktechnik – Fähigkeiten, für die es durch die zerstörte Infrastruktur einen hohen Bedarf gibt.
Ständige Angriffe verursachen massive Schäden an Wohnungen und Elektrotechnik, die dringend repariert werden müssen. Gleichzeitig mangelt es an Fachkräften, da viele durch Kriegseinsatz oder Verletzungen arbeitsunfähig geworden sind. Genau diese Lücke soll das Programm schließen.
“Ich mache weiter, weil ich ein Ziel habe”
Bildung und Kindererziehung zu vereinen, ist für Hanna schwierig. Doch die Ausbildung ist nicht nur gut für ihr Einkommen, sondern stärkt auch ihr Selbstvertrauen: Im Austausch mit anderen Frauen erlebt sie, dass sie nicht nur Betroffene ist, sondern aktive Gestalterin ihrer Zukunft.
“Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen. Mein Ziel ist es, ein eigenes Rehabilitationszentrum zu eröffnen, um Veteranen und Kindern zu helfen. Zuerst muss ich mich selbst weiterentwickeln. Ich habe große Hoffnungen für die Zukunft – ich warte nur darauf, dass meine Kinder etwas älter werden, damit ich mehr Zeit habe.”
- Hanna, alleinstehende Mutter von drei Kindern
Hannas Erfahrung unterstreicht die Widerstandsfähigkeit von Frauen, die trotz widriger Umstände noch einmal neu anfangen.
“Es ist nicht einfach, Bildung und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen. Aber ich mache weiter, weil ich ein Ziel habe.”
Berufsausbildungen für 15.000 Menschen
Bis Ende 2025 hat die Bündnisorganisation World Vision über 15.000 Menschen in der Ukraine eine Berufsausbildung ermöglicht. Mehr als 1.500 davon absolvierten Kurse in Unternehmertum und Betriebswirtschaft. Diese Maßnahmen stärken die Widerstandsfähigkeit der Familien und schaffen eine stabilere Zukunft für die Kinder in der Ukraine.
“Wir tun jetzt alles, was die Männer tun”

Rachel ist 40 Jahre alt, Mutter von sechs Kindern und lebt in einem Dorf in der Nähe von Moundou, im Süden des Tschad. Und sie ist die Alleinversorgerin der Familie.
Vor einigen Jahren hat ihr Mann sie verlassen und seitdem war das Leben für die alleinerziehende Mutter schwierig. „Ich konnte nicht alle meine Kinder zur Schule schicken und sie nicht einmal richtig ernähren“, sagt sie.
Eine Spargruppe veränderte für Rachel alles. Früher ging sie auf die Felder, um für andere zu arbeiten und kam nur mühsam über die Runden. Heute hat sie ihr eigenes Geschäft, das stetig wächst: Sie backt und verkauft Backwaren wie Donuts und sie baut ihren eigenen Mais und Erdnüsse an. Einen Teil behält sie, einen Teil verkauft sie.
Mit einer Spargruppe in die Unabhängigkeit
Die Bündnisorganisation CARE hat die Spargruppe gemeinsam mit lokalen Partnern aufgebaut. Das Prinzip: Jede Frau leistet einen Beitrag von mindestens 500 CFA (76 Cent). Sobald sie die individuellen Gesamtersparnisse 10.000 CFA (15,24 Euro) erreicht haben, können die Frauen einen Kredit von 15.000 CFA (22,87 Euro) aufnehmen.
Rachel hat bereits 22.500 CFA (34,30 Euro) gespart und einen Kredit aufgenommen, um mehr Mehl für ihr Geschäft zu kaufen. Das macht die Gruppe nun schon seit zwei Jahren so. Am Ende eines jeden Jahres berechnen die Frauen ihren Gewinn und teilen ihn aus. Je mehr Kredite aufgenommen werden, desto höher ist der Gesamtgewinn der Gruppe.
“Ich verdiene genug”
“Ich verbrauche jetzt täglich 25 Kilo Mehl, viermal so viel wie früher”, sagt Rachel. “Ich verdiene genug, damit meine Familie essen kann.” Rachel muss nicht mehr auf Feldern arbeiten, ihre Kinder können zur Schule gehen.
Mehr noch: Ihr ältester Sohn hat gerade die Sekundarschule abgeschlossen und träumt von der Universität. “Er möchte Medizin studieren und ich versuche, genug Geld für ihn zu sparen”, sagt Rachel und ergänzt: “Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn.”
Eine von 50.000 Frauen
Die Zugehörigkeit zur Gruppe verschafft ihr nicht nur Zugang zur finanziellen Unabhängigkeit. Es vermittelt ihr auch Wissen. Rachel handelt strategisch, weiß, wer ihre Kund:innen sind, was sie kaufen und zu welcher Uhrzeit die höchste Nachfrage ist. Jetzt backt sie abends ihre Donuts, damit sie frisch für den morgendlichen Andrang sind, anstatt immer weiter zu versuchen, ihre Waren zu verkaufen.
Rachel ist eine von 50.000 Frauen, die CARE im Tschad auf ihrem Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit begleitet.
“Als Frauen sind wir jetzt nicht mehr von Männern abhängig. Wir haben Geld. Wir können Essen auf den Tisch stellen, Kleidung und Schuhe kaufen. Wir fühlen uns stark. Wir tun jetzt alles, was die Männer tun.”
- Rachel, Inhaberin einer Bäckerei
Ein Bio-Acker für Amira

Im Nordlibanon unterstützt die Bündnisorganisation arche nova Landwirt:innen bei der Umstellung auf ökologische Anbaumethoden. Sie erhalten technisches Wissen, aber auch Werkzeuge, die sie für die Umstellung benötigen.
Eine von ihnen ist Amira.
Tomaten, Zucchini, Gurken, Auberginen, Lavendel und Thymian: In Amiras Obst- und Gemüsegarten wächst das in Bio-Qualität. Amira lebt in Meshmesh-Akkar im Nordlibanon und hat ihre 2000 Quadratmeter große Plantage auf den ökologischen Betrieb umgestellt – mit der Unterstützung von arche nova und deren lokalen Partner Mada.
Amira ist eine der Landwirt:innen, die an den Trainings der Hilfsorganisationen teilgenommen haben, sich dort technisches Wissen angeeignet und Equipment erhalten haben. So konnte sie ihre kleine Produktion auf Bio umstellen.
Neue Märkte, mehr Einkommen
Für Amira bedeutet das vor allem: Zugang zu neuen Märkten. Lavendel und Thymian etwa sind als Aroma- und Heilöle für Seifen und Kosmetik auf Beiruter Märkten sehr beliebt. Und sie kann ihre Produkte als biologisch angebaute Erzeugnisse vermarkten. Sie bringen so mehr Einkommen und ermöglichen es Amira, sich und ihre Familie zu versorgen.
Und auch ihr direktes Umfeld beeinflusst sie mit dem neu gewonnenen Wissen:
“Ich baue nicht nur umweltfreundliche Produkte an, sondern überzeuge auch meine Nachbarn von der Umstellung auf Agrarökologie. Sie sind von der Qualität und Quantität meiner Erträge überrascht”
- Amira, Landwirtin
Frauen wie Hanna, Rachel und Amira brechen Tabus, organisieren sich in Gruppen, bilden sich weiter und schaffen neue Perspektiven für ihre Familien und ihre Gemeinschaft. Ihre Erfahrungen zeigen, wie wichtig humanitäre Hilfe ist, die Frauen stärkt, schützt und ihnen die Mittel gibt, eigene Lösungen zu entwickeln.
Danke, dass Sie mit ihrer Spende die weltweite Arbeit unserer Bündnisorganisationen und der Partner vor Ort möglich machen.
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