von Aktion Deutschland Hilft
Drei Menschen, drei Lebenswege, vereint durch dasselbe Ziel: anderen Halt geben. Liza in der Ukraine, Nurul in Bangladesch und Uta in Benin stärken Menschen in besonders verletzlichen Situationen.
Liza und Nurul kennen Flucht und Verlust aus nächster Nähe. Uta bringt ihr Fachwissen ein, um langfristige Unterstützung aufzubauen. Gemeinsam zeigen sie, wie humanitäre Hilfe dort wirkt, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. So stehen ihre Geschichten stellvertretend für viele andere, die jeden Tag für andere im Einsatz sind:
- Wie Liza selbst Hilfe suchte – und heute anderen beisteht
- Gesundheitshelfer Nurul baut Brücken
- Kleine Schritte, große Wirkung für Kinder mit Behinderung
Den Anfang macht Liza – eine junge Psychologin aus der Ukraine, die nach ihrer Flucht zurückkehrte und heute anderen dabei hilft, mit Angst, Verlust und Unsicherheit zu leben.
Wie Liza selbst Hilfe suchte – und heute anderen beisteht

Vor der großflächigen Eskalation des Krieges in der Ukraine lebte Liza ihr ganz normales Leben, das sie selbst als gewöhnlich wahrnahm. Sie studierte, schmiedete Pläne für die Zukunft, bereitete sich auf den Beruf vor, von dem sie schon seit ihrer Schulzeit geträumt hatte: Psychologin. Sie war umgeben von geliebten Menschen, vertrauten Straßen, Lieblingsorten und trug ein Gefühl der Stabilität in sich, das ihr einst selbstverständlich und dauerhaft erschien. Es fühlte sich so an, als läge noch alles vor ihr und als gäbe es immer genug Zeit, ihre Träume zu verwirklichen.
Am 24. Februar 2024 verschwand dieses Gefühl schlagartig. Gemeinsam mit ihrer Familie sah sie sich zur Flucht gezwungen. Sicherheit fanden sie dann in Spanien. Zurück blieb ein Leben, das plötzlich nicht mehr erreichbar war. Was ihr in dieser Zeit Halt gab, war die Hoffnung, eines Tages zurückkehren zu können. Und: die Hoffnung, irgendwann als Psychologin zu arbeiten.
Die ersten Monate im Ausland waren schwierig. Die neue Umgebung, die fremde Sprache und das Gefühl, entwurzelt zu sein, bestimmten Lizas Alltag. Obwohl sie in Sicherheit war, fiel es ihr schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen. Sie fühlte sich erschöpft, ängstlich, schaffte es kaum noch aus dem Bett, zog sich zurück und verlor zunehmend den Zugang zu sich selbst: “Ich existierte, aber ich lebte nicht.”
Mit der Zeit begann sich ihr Alltag langsam zu verändern. Sie fand eine Arbeit, verließ wieder häufiger das Haus und begann, sich schrittweise zurück ins Leben zu bewegen. Kleine Routinen gaben ihr Halt, auch wenn das Gefühl blieb, dass ein Teil von ihr weiterhin in der Ukraine war.
Keine Heimat, keine Perspektive
Ein Wendepunkt kam durch ein Gespräch mit ihrer Schwester: Konnten sie sich vorstellen, die nächsten Jahre in Spanien zu leben, konnten sie diesen Ort wirklich ihr Zuhause nennen?
Auch wenn die Antwort nicht direkt klar war, realisierten beide, dass eine Rückkehr für sie die einzige Option ist: “Es ist ein Risiko. Aber die Idee, ohne ein Zuhause zu leben, fühlt sich noch gefährlicher an.”
Herausforderung: Neufang
Zurück in Mykolaiv begann für Liza ein neuer Abschnitt. Der Neuanfang war herausfordernd: Sie musste eine Wohnung und Arbeitsstelle finden und ihren Alltag von Grund auf neu aufbauen. Gleichzeitig erkannte sie, wie viel Stärke sie in den vergangenen Jahren entwickelt hatte.
Heute arbeitet sie als Psychologin in einem humanitären Hilfsprojekt für die vom Krieg betroffene Bevölkerung in der Ukraine, das von der Bündnisorganisation Malteser International gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Mental Health Service umgesetzt wird. Dort unterstützt sie Menschen, die selbst Flucht, Verlust und Unsicherheit erlebt haben. Ihre eigenen Erfahrungen helfen ihr dabei, anderen auf Augenhöhe zu begegnen.
Heilung ist möglich
Auch heute ist vieles nicht einfach. Die Erfahrungen des Krieges wirken nach, und die Zukunft bleibt ungewiss. Doch Liza hat begonnen, wieder neue Perspektiven zu entwickeln und Vertrauen in sich selbst zu fassen.
Manchmal, sagt sie, sind es die kleinen Momente im Alltag – ein Gespräch, ein Gefühl von Verständnis, ein kurzer Augenblick von Ruhe –, die zeigen, dass Heilung möglich ist. Und dass ein Neuanfang nicht bedeutet, alles hinter sich zu lassen, sondern Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückzufinden.
Ähnlich wie Liza kennt auch Nurul den Zustand ständiger Unsicherheit. Seit der Flucht aus Myanmar lebt er im größten Geflüchtetencamp der Welt: nahe der Stadt Cox's Bazar in Bangladesch, wo die überwiegende Mehrheit der muslimischen Minderheit der Rohingya angehört.
Gesundheitshelfer Nurul baut Brücken

Nurul war 17 Jahre alt, als er 2017 aus Myanmar nach Bangladesch fliehen musste. Heute ist er im Rohingya-Flüchtlingscamp Kutupalong als Gesundheitshelfer unterwegs und unterstützt Familien dabei, Zugang zu medizinischer Versorgung zu finden. Doch sein Weg dorthin begann mit Angst, Orientierungslosigkeit – und dem Gefühl, in der Masse unterzugehen.
Die Erinnerungen an seine Flucht sind bruchstückhaft: Hitze. Angst. Die Hand seiner Mutter, die seine so fest umklammerte, dass seine Finger taub wurden. Im Camp angekommen, stand er vor endlosen Reihen aus Bambus und Planen – ohne zu wissen, wie ein Leben hier aussehen kann. Als Krankheit seine Familie traf, wusste er nicht, an wen er sich wenden konnte.
Im Jahr 2020 änderte sich etwas: An einem schwarzen Brett sah er, dass Gonoshasthaya Kendra (GK) – die Partnerorganisation von Malteser International – Gesundheitshelfer:innen für die Gemeinde suchte. Nurul bewarb sich – und wurde ausgewählt.
Heute, mit 26 Jahren, geht er täglich von Tür zu Tür, spricht mit Familien über Gesundheit, erklärt Symptome und ermutigt sie, Angebote im Camp zu nutzen. Seine Aufgabe: Er erklärt, wann medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, warum eine frühzeitige Behandlung wichtig ist und wo man sie findet. Wenn ein Kind mehrere Tage Fieber hat, ermutigt er die Eltern, nicht zu warten. Schwangeren Frauen legt er ans Herz, regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen.
Nähe, die Vertrauen schafft
Als Geflüchteter kennt er die Sorgen der Menschen aus eigener Erfahrung. Die Familien sehen in ihm keinen Außenstehenden, sondern jemanden, der ihre Realität teilt.
Durch Schulungen hat er Wissen über Hygiene, Ernährung und Vorsorge aufgebaut – und gibt es jeden Tag weiter. So wird aus einzelnen Gesprächen allmählich eine bessere Gesundheitsversorgung. “Weil du in unsere Häuser kommst und mit uns sprichst”, sagen die Menschen ihm immer wieder, “sind wir heute viel besser vor Krankheiten geschützt als früher.”
Die Herausforderungen im Camp bleiben immens, und die Zukunft ungewiss. Doch Nurul macht weiter. Zwischen engen Wegen und einfachen Unterkünften entsteht so etwas Entscheidendes: Vertrauen. Und genau dort wird er zu einer Brücke – zwischen seiner Community und der Hilfe, die sie brauchen.
Während Nurul Familien beim Zugang zu medizinischer Versorgung unterstützt, setzt sich Uta Prehl von Handicap International für Kinder mit Behinderungen ein in Benin ein.
Kleine Schritte, große Wirkung für Kinder mit Behinderung

Ein kleines Mädchen sitzt auf einer Matte in einem Rehabilitationszentrum in Benin, Westafrika. Es hat eine Zerebralparese: eine nicht fortschreitende Bewegungsstörung, die durch eine frühkindliche Schädigung des Gehirns entsteht. Konzentriert versucht das Mädchen, eine Bewegung auszuführen, die für andere selbstverständlich wäre.
Neben ihr kniet Uta Prehl, spricht leise Mut zu, führt behutsam die Hände. Dann passiert es: Das Kind greift nach einem Ball. Ein kurzer Moment – und doch ein großer Schritt. Für Uta sind es genau diese Augenblicke, die sie in ihrer Arbeit antreiben.
Für die Bündnisorganisation Handicap International koordiniert sie Reha-Projekte in Westafrika und setzt sich dafür ein, dass Kinder mit Behinderung die Unterstützung bekommen, die sie brauchen – nicht nur heute, sondern langfristig. So entsteht mehr als nur medizinische Versorgung: Rehabilitation eröffnet Perspektiven – Schritt für Schritt, Bewegung für Bewegung.
Wo die medizinische Versorgung lückenhaft ist, bleiben viele gesundheitliche Probleme unbehandelt – obwohl sie gut behandelbar wären. Kinder, die mit einer körperlichen Behinderung oder mit kognitiven Beeinträchtigungen geboren werden, brauchen frühzeitig Förderung, damit sie ihre Fähigkeiten so gut wie möglich entfalten können.
Hinzu kommen Kinder, die unterernährt und dadurch zu schwach sind, um sich altersgerecht zu entwickeln. Ohne gezielte Unterstützung können die Folgen von Mangelernährung zu bleibenden Beeinträchtigungen führen.
Hilfe, die bleibt
Uta Prehl sind nachhaltige Veränderungen besonders wichtig. Sie baut verlässliche Strukturen auf, damit Kinder auch langfristig vor Ort Unterstützung bekommen können. So bildet sie Physiotherapeut:innen fort und entwickelt Therapie- und Trainingspläne.
“Es ist beeindruckend zu sehen, wie engagiert alle Beteiligten zusammenarbeiten, um das Leben dieser Kinder langfristig zu verbessern”, berichtet sie.
Gemeinsam zeigen Liza, Nurul und Uta, was humanitäre Hilfe im Kern ausmacht: Menschen, die Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für andere. Sie bauen Brücken zwischen Angst und Zuversicht, zwischen Gesundheitsdiensten und Gemeinschaften, zwischen Behinderung und echter Teilhabe.
Damit diese Hilfe weiterhin erfolgen kann, ist anhaltende Unterstützung nötig. Jede Spende trägt dazu bei, dass Kinder, Frauen und Männer durch die Unterstützung der Helfer:innen unserer Bündnisorganisationen und deren lokaler Partner sich nicht vergessen fühlen, dass sie medizinische Versorgung erhalten und psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Nothilfe weltweit
Stichwort: Nothilfe weltweit
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Jetzt online spenden!






