von Aktion Deutschland Hilft
Die zwischen Israel und dem Libanon vereinbarte Waffenruhe sollte die Kampfhandlungen für mehrere Wochen beenden. Ohne weitere Verhandlungen wäre sie letzte Woche ausgelaufen. Hat die Waffenruhe den Zugang zu humanitärer Hilfe verbessert?
Drei Expert:innen aus dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft geben Antworten: Sophia Buller ist Leiterin des Johanniter-Büros in Jordanien, Franziska Jörns humanitäre Koordinatorin bei CARE Deutschland und Thomas Hamann-Richter Referent für internationale Programme bei Handicap International.
Aktion Deutschland Hilft: Wie hat sich die Ernährungssituation im Libanon seit der erneuten Eskalation im Nahen Osten durch den Irankrieg verändert?

Sophia Buller: Die Lage im Libanon hat sich dramatisch verschlechtert. Seit März 2026 hat Israel seine Angriffe auf den Libanon stark intensiviert und dabei bislang laut libanesischem Gesundheitsministerium mehr als 2.679 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen sind aktuell auf der Flucht. Ganze Dörfer im Süden Libanons sind zerstört.

Franziska Jörns: Man merkt sehr deutlich, dass sich die Ernährungssituation im Libanon weiter zugespitzt hat. Gleichzeitig verschärfen steigende Preise, zerstörte Infrastruktur und unterbrochene Lieferketten die Lage zusätzlich. Für viele Menschen geht es aktuell schlicht darum, von Tag zu Tag zu überleben.

Thomas Hamann-Richter: Hinzu kommt, dass die Situation für vulnerable Gruppen wie Menschen mit Behinderungen ist besonders kritisch ist: Sie können Verteilstellen oft nicht erreichen, verlieren während der Flucht dringend benötigte Hilfsmittel und sind dadurch noch stärker von Hunger und Mangelernährung bedroht.
Es wird immer wieder von Brüchen mit der aktuell geltenden Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon berichtet. Wie wirkt sich diese andauernde Unsicherheit auf die Möglichkeiten aus, den Menschen im Kriegsgebiet zu helfen?
Franziska Jörns: Humanitäre Organisationen können nur sehr begrenzt planen, weil Zugänge kurzfristig nicht mehr passierbar sind oder ganze Gebiete plötzlich evakuiert werden müssen. Besonders problematisch ist, dass auf Evakuierungsanordnungen oft sehr schnell Luftangriffe folgen, was Zivilist:innen genauso wie Helfer:innen enorm gefährdet.
Sophia Buller: Für unser Team und unsere Partner bedeutet das nicht nur eine massiv angestiegene Arbeitslast, sondern auch, dass sie selber den direkten Folgen des Kriegs ausgesetzt sind, Freunde und Familienmitglieder verlieren, und selbst Bombardierungen fürchten müssen. Wir leisten andauerndes Sicherheitsmanagement, um unser Team und unsere Partner so gut es geht zu unterstützen.
Thomas Hamann-Richter: Zugänge – vor allem in den Süd-Libanon – sind unsicher oder unterbrochen, wodurch die Verteilung von medizinischen Hilfsmitteln, Reha-Angebote oder die Aufklärung vor den Gefahren durch Minen und Blindgänger immer wieder angepasst werden müssen oder erst sehr verzögert durchgeführt werden können. Trotzdem gelingt es uns, die wichtige Hilfsmaßnahmen aufrechtzuerhalten – etwa durch mobile Einsätze in Notunterkünften. Doch wir erreichen längst nicht alle, die dringend Hilfe brauchen.
Was braucht es nun, um der Zivilbevölkerung im Libanon nachhaltig helfen zu können?
Franziska Jörns: Kurzfristig braucht es weiterhin umfassende Unterstützung, insbesondere den Zugang zu Gesundheitsdiensten sowie zu psychischer und psychosozialer Hilfe. Zentral ist jedoch eine verlässliche und eingehaltene Waffenruhe. Nur so können Menschen sicher zurückkehren und neue Perspektiven entwickeln.
Sophia Buller: Dann braucht es globale Aufmerksamkeit und eine anhaltende Spendenbereitschaft, damit der Zugang zu Schutz, medizinscher Versorgung, Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, sicherem Wohnraum und anderen überlebenswichtigen Diensten ausgeweitet werden kann. Bisher sind nur 38% des gemeinsamen Spendenaufrufs der humanitären Partner finanziert, mit dem die dringendsten humanitären Bedarfe gedeckt werden sollen.
Thomas Hamann-Richter: Gleichzeitig braucht es eine stärkere Koordinierung der Hilfe und eine konsequente Einbeziehung besonders verletzlicher Gruppen – etwa durch den Ausbau von Reha-Angeboten und inklusiver Versorgung, damit niemand zurückgelassen wird.
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis von mehr als 20 Hilfsorganisationen, leistet Nothilfe gemäß dem humanitären Imperativ. Dieser besagt unter anderem: Jeder Mensch hat das Recht, humanitäre Hilfe zu erhalten. Ausschlaggebend ist alleine der Bedarf an Hilfe. Weitere Informationen.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die betroffenen Menschen in Nahost.
Stichwort: Nothilfe Nahost
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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