Hunger im JemenCARE zu Jemen: "Die Menschheit versagt"

07-12-2018

von CARE

"Es gibt eine einfache Definition von Hunger: Sie heißt Versagen. Wenn hunderttausende Menschen vom Hungertod bedroht sind, hat die Menschheit versagt." So kommentiert CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel den heute veröffentlichten Bericht über die Hungersituation im Jemen.

20 Millionen Menschen im Jemen dringend auf Hilfe angewiesen

Nach der sogenannten Integrated Food Security Phase Classification (IPC) leiden 240.000 Menschen in dem Bürgerkriegsland so akut Hunger, dass sie unter die Phase 5 der Klassifizierung fallen. Zur offiziellen Ausrufung einer landesweiten Hungersnot müsste diese Zahl bei rund 20 Prozent der Bevölkerung liegen. Dennoch spricht der Bericht deutliche Worte: Drei Viertel der Bevölkerung, also rund 20 Millionen Menschen, fallen in die dritte und vierte Kategorie und sind deshalb ebenso dringend auf Hilfe angewiesen.

"Die Klassifizierung in fünf Phasen von Hunger ist wichtig, denn sie hilft humanitären Organisationen dabei, mit knappen Mitteln Prioritäten zu setzen. Dennoch dürfen wir uns nichts vormachen: Auch die 20 Millionen Menschen, die derzeit 'noch' in die dritte oder vierte Phase fallen, leiden unermessliche Not und brauchen jetzt Hilfe", mahnt Zentel. Darunter seien 1,1 Millionen schwangere oder stillende Frauen sowie 1,8 Millionen Kinder, die akut mangelernährt sind.

Andauernde Kämpfe verschlimmern Not in Hodeida und Sa'ada

Die Regionen Hodeida und Sa'ada treffen die meisten Luftangriffe und Bodenoffensiven, und hier ist auch die höchste Stufe des Hungers, Phase 5, festgestellt worden. Der Krieg ist Haupttreiber des Hungers, das ist offensichtlich", erklärt Zentel weiter. "Es besteht auch kein Zweifel daran, dass ohne unsere Hilfe noch viel mehr Menschen hungern und sterben würden.

Alle vor Ort tätigen Hilfsorganisationen erfüllen unter Lebensgefahr und größten logistischen Schwierigkeiten täglich ihre humanitäre Pflicht. CARE unterstützt derzeit eine Million Menschen im Monat. Mit mehr finanziellen Mitteln könnten wir noch mehr Menschen helfen", betont der CARE-Generalsekretär.

Anfang dieser Woche veröffentlichten die Vereinten Nationen den voraussichtlichen Hilfsbedarf für den Jemen im kommenden Jahr. Mit vier Milliarden US-Dollar ist es der höchste finanzielle Bedarf, der jemals für ein einzelnes Land ausgerufen wurde.

"Frieden ist der einzige Weg, das Leiden im Jemen zu beenden"

Doch Zentel warnt: "Wir dürfen nicht vergessen, dass humanitäre Hilfe immer nur eine kurzfristige Linderung ist. Der einzige Weg, den Hunger und das Leiden der Menschen im Jemen zu beenden, ist Frieden. Wir rufen die Konfliktparteien deshalb dazu auf, sich ihrer Verantwortung für die Bevölkerung zu stellen und die sich aktuell abzeichnenden Gespräche in Schweden dazu zu nutzen, als ersten Schritt eine sofortige Waffenruhe zu vereinbaren."

Hintergrund: Die Hungersnot ist die letzte und damit schwerste Stufe auf einer fünfstufigen Skala der sogenannten "Integrated Food Security Phase Classification (IPC). Offiziell erklärt werden kann eine Hungersnot nur von den Vereinten Nationen oder der jeweiligen Landesregierung.

Folgende Kriterien beschreiben eine Hungersnot:

  • Die Unterernährungsrate bei Kindern liegt höher als 30 Prozent.
  • Jeden Tag sterben mehr als zwei von 10.000 Menschen an Unterernährung.
  • Mindestens jedem fünften Haushalt fehlen nahezu alle Lebensmittel.

Fragen & Antworten zur Nothilfe unseres Bündnisses im Jemen

Wie ist die aktuelle Situation im Jemen?

Seit 2015 wüten schwere Kämpfe im Jemen. Leidtragend ist dabei vor allem die Zivilbevölkerung.

Die humanitäre Not ist groß. Dabei ist die Versorgung mit Nahrungsmitteln am kritischsten. Mehr als 22 Millionen Menschen benötigen dringend Humanitäre Hilfe und Schutz. Die Hälfte von ihnen sind Kinder.

Die Hungersnot könnte nach Angaben der Vereinten Nationen bald 14 Millionen Menschen betreffen. Schon jetzt wissen drei von vier Einwohnern des Landes nicht, wo sie ihre nächste Mahlzeit oder sauberes Trinkwasser herbekommen.

Kinder starben an vermeidbaren Krankheiten wie Malaria oder Cholera. Die hochansteckende Krankheit breitet sich rasend schnell aus. Aktuell infizieren sich bis zu 10.000 Menschen pro Woche mit der Krankheit, die für viele der geschwächten Menschen tödlich enden könnte.

Die Infrastruktur ist zerstört. Tankstellen, Geschäfte, Schulen und Banken sind geschlossen, Krankenhäuser zerstört oder überfüllt. Menschen fliehen aus ihren Heimatdörfern, Kriminalität und Unruhen nehmen zu.

Grenzschließungen verschärfen die Lage massiv, da dringend benötigte Hilfsgüter die notleidende Bevölkerung nur schwer erreichen. Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft haben jedoch noch Vorräte für die Menschen im Land. Mitarbeiter sind vor Ort, um die Kinder, Frauen und Männer zu versorgen. Dabei arbeiten sie eng mit lokalen Partnern vor Ort zusammen.

Wie viele Menschen sind betroffen?

22 der insgesamt 27 Millionen Menschen im Jemen sind auf Humanitäre Hilfe angewiesen - das entspricht mehr als einem Viertel der Bevölkerung in Deutschland. Die Kinder, Frauen und Männer im Jemen brauchen Lebensmittel, sanitäre Versorgung, ein Dach über dem Kopf oder medizinische Unterstützung.

Die Hungersnot könnte nach Angaben der Vereinten Nationen bald 14 Millionen Menschen betreffen. Schon jetzt wissen drei von vier Einwohnern des Landes nicht, wo sie ihre nächste Mahlzeit oder sauberes Trinkwasser herbekommen. Mehr als sieben Millionen Kinder drohen nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef im Bürgerkriegsland Jemen zu verhungern.

Zusätzlich überrollt eine weitere Cholera-Epidemie das Land. Im vergangenen Jahr starben daran fast 2.300 Menschen. Im Jahr 2018 starben bisher 200 Menschen, doch die Zahl der Neuinfektionen steigt dramatisch. Aktuell sprechen Experten von mindestens 10.000 neuen Fällen pro Woche.

Mehr als 2,3 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht. Fast die Hälfte von ihnen sind Kinder.

Wie helfen die Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft?

Bündnisorganisationen stehen den Menschen vor Ort zur Seite. Sie verteilen Medikamente gegen Cholera und Hygiene-Sets, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet. Sie versorgen Kinder, Frauen und Männer mit Nahrungsmitteln und unterstützen die Menschen bei der Bewältigung von Traumata. Und sie sorgen dafür, dass es sauberes Trinkwasser gibt.

Weitere Informationen zur Hilfe der Bündnisorganisationen finden Sie hier.

 

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
nimmt Spenden für die Betroffenen im Jemen entgegen unter:

Spenden-Stichwort: Hunger Jemen
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
Spenden-Hotline: 0900 55 10 20 30 (Festnetz kostenfrei, mobil höher)
oder online spenden