von Aktion Deutschland Hilft/Handicap International
Seit dem politischen Umbruch Ende 2024 kehren viele Menschen in Syrien an Orte zurück, die sie jahrelang nicht betreten konnten. In Dörfern und Städten wird gebaut, aufgeräumt und repariert. Doch manche Folgen des Krieges sind nicht sichtbar. Sie liegen unter der Erde.
Neuanfang in Syrien

Qais Al Hmeidi kehrte zunächst allein in sein Heimatdorf zurück. Sein Haus steht noch. “Als ich sah, dass zumindest die Mauern noch da sind, holte ich meine Familie”, erzählt er. “Wir bauen es langsam wieder auf.” Zuvor waren sie jahrelang auf der Flucht und haben viermal ihren Zufluchtsort gewechselt.
Es ist ein Neuanfang mit vielen Herausforderungen. Der Strom fällt immer wieder aus, die medizinische Versorgung ist knapp und große Teile der Infrastruktur sind zerstört. Ein weiteres Problem sind Landminen, die von verschiedenen militärischen Gruppen im Boden oder in der Umgebung versteckt werden.
Bereits eine leichte Berührung kann eine Explosion auslösen. Selbst lange nach dem Ende eines Konflikts bleiben die Minen im Boden zurück und stellen weiterhin eine große Gefahr für die Zivilbevölkerung dar. Auch Streubomben hinterlassen tödliche Kriegsreste: Viele ihrer Sprengkörper detonieren nicht sofort und bleiben als Blindgänger zurück.
Minen und explosive Kriegsreste prägen den Alltag
Syrien gehört noch immer zu den am stärksten kontaminierten Ländern weltweit. Im Jahr 2024 wurden dort mehr als tausend Menschen durch Landminen und explosive Kriegsreste getötet oder verletzt.
Für Familien wie die von Qais Al Hmeidi bedeutet die Rückkehr in die Heimat damit auch, ständig auf der Hut sein zu müssen: “Wir sind zurück, aber unsere Felder sind voller Minen. Meine Nichte ist beim Hüten der Schafe auf eine Mine getreten und hat dabei ihr Bein verloren.” Immer wieder hört er von weiteren Unfällen mit Landminen.
Die Landmine lauerte im Gras

Auch tausende Kilometer entfernt, in Afghanistan, prägen Landminen und Blindgänger den Alltag vieler Menschen. Dort lebt Omaid. Der 11-jährige Junge aus der Provinz Kunduz hat den Traum, Menschen zu helfen, die in einer ähnlichen Situation sind wie er: Er möchte Arzt werden.
Als er fünf Jahre alt war, spielte er in der Nähe seines Hauses. Im Gras versteckte sich eine Landmine. Die Explosion kostete ihn sein rechtes Bein, es musste oberhalb des Knies amputiert werden.
Heute bewegt sich Omaid mit Krücken fort. Er geht zur Schule, spielt Cricket und verfolgt seine Zukunftspläne. Gleichzeitig erlebt er immer wieder Ausgrenzung aufgrund seiner Behinderung.
Ein neues Prothesen- und Rehabilitationszentrum
Omaids Vater investiert trotz knapper finanzieller Mittel in die Behandlung und Ausbildung seines Sohnes. Und doch bleibt es ein Problem, dass spezialisierte medizinische Versorgung in der Region kaum verfügbar ist.
Trotzdem geht es voran: Seit einigen Jahren erhält Omaid Physiotherapie von der internationalen Hilfsorganisation Handicap International. Dort stärkt er sein gesundes Bein und den Stumpf seines rechten Beines für eine mögliche Prothese. Und mit der Eröffnung eines Prothesen- und Rehabilitationszentrums in Kunduz ist die Chance auf eine eigene Prothese endlich greifbar geworden.
Wie Handicap International Leben schützt
Nicht nur die Hilfe nach einem Unfall ist essenziell. Auch die Räumung von Minen macht Wohngebiete, Wege und Felder wieder sicher. Eine wichtige Rolle spielt auch die Prävention: In Syrien, Afghanistan und vielen anderen Ländern erklären Teams von Handicap International, wie explosive Überreste erkannt werden können und was im Ernstfall zu tun ist. Oft sind unter den Helfer:innen Menschen, die selbst verletzt wurden und heute andere aufklären.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Nothilfe in Syrien:
Stichwort: Nothilfe Syrien
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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