Hilfe für FlüchtlingeSyrien: Eine Chronik des Kriegs

11-03-2021

von Aktion Deutschland Hilft

Seit 10 Jahren leben Menschen aus Syrien in Unsicherheit. Der Krieg zerstört jede Chance auf ein selbstbestimmtes und freies Leben. Millionen Menschen haben kein Zuhause mehr oder sitzen in Notunterkünften fest.

Was war Syrien für ein Land, bevor der Krieg ausbrach? Und wie sieht der Alltag dort heute aus? Eine Chronik der Ereignisse und wie wir Familien aus Syrien seit 2011 dank Ihrer Spende helfen, lesen Sie hier.


Bildergalerie: 10 Jahre Krieg in Syrien

2010: Syrien vor dem Krieg

  • Vor dem Krieg gilt Syrien als ein Land mit niedrigem bis mittlerem Einkommen und schnellem Wirtschaftswachstum.
  • Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft, Tourismus und Erdöl.
  • Gesundheitsversorgung und Schulwesen sind kostenlos.
  • Die syrische Gesellschaft setzt sich aus zahlreichen Religionsgemeinschaften und Ethnien zusammen, die friedlich miteinander leben.
  • Das Land hat eine reiche Kulturgeschichte, die vor 8.000 Jahren beginnt. Zahlreiche historische Orte zählen zum UNSECO-Welterbe.

Chronik Syrien: 10 Jahre Krieg – 10 Jahre Hilfe

2011: Aus friedlichen Protesten wird ein grausamer Krieg

  • Am 15. März sprühen Teenager in der Stadt Daraa eine politische Parole an eine Wand. Sie werden verhaftet.
  • Menschen demonstrieren gegen diese Verhaftung. Das syrische Regime reagiert mit Gewalt.
  • Dutzende Menschen sterben, als die Armee gegen die Demonstranten vorgeht. Es ist der Auftakt für den bis heute andauernden Krieg.

2012: Die Gewalt eskaliert – Winterhilfe startet

  • Die syrische Regierung verstärkt die Angriffe. Im Februar sterben in der umkämpften Stadt Homs mehr als 300 Menschen. Rebellen und Regierung weisen sich gegenseitig die Schuld zu.
  • Ende 2012 sind 500.000 Syrer:innen aus ihrer Heimat geflohen; die meisten in die Türkei, Jordanien und den Irak. Erstmals fliehen Menschen vor dem Krieg über das Mittelmeer.
  • Das Bündnis Aktion Deutschland Hilft leistet Winterhilfe für geflüchtete Syrer:innen: "Viele von ihnen sind nur notdürftig irgendwo untergekommen und sind ohne Strom, Heizung oder Brennmaterial nicht annähernd auf die winterlichen Temperaturen vorbereitet", erklärt Dr. Markus Moke von Aktion Deutschland Hilft. Zuvor hatte er Hilfsprojekte der Bündnisorganisationen in Jordanien und im Libanon besucht.

2013: Giftgasangriffe und Kriegsverbrechen

  • Zunehmend bilden sich in Syrien radikale, religiös motivierte Gruppen. Im Laufe des Jahres 2013 nehmen sie Städte ein und verüben Massaker an der Zivilbevölkerung. Die Stadt Raqqa wird zu einem ihrer Hauptquartiere.
  • Im August folgen mehrere Giftgasangriffe auf das von Rebellen gehaltene Gebiet Ghuta. Die syrische Regierung steht im Verdacht; wer die tatsächlichen Täter waren, ist bis heute unklar.
  • Die Vereinten Nationen werfen allen am Bürgerkrieg beteiligten Parteien Kriegsverbrechen vor.
  • Die Zahl der Geflüchteten nimmt dramatisch zu. Ende 2013 haben 2,3 Millionen Menschen Syrien verlassen.
  • Hilfsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft berichten von dramatischen Zuständen. Brot sei nur schwer erhältlich, es gebe kaum Mehl und Bäckereien würden gezielt bombardiert, heißt es bei arche noVa. Das Hammer Forum ergänzt: "Unsere Ärzte in Syrien schildern, dass die junge Generation, die einst Hoffnungsträger für eine demokratische Entwicklung des Landes war, Bücher gegen Waffen eingetauscht hat. Radikale Ideologien stoßen hier auf einen idealen Nährboden für diese verlorene Generation."
  • Das Bündnis stellt zusätzlich eine Million Euro aus seinem Nothilfe-Fonds für Syrien bereit – und macht mit der Aktion "STOPP. Schau hin!" auf die dramatische Lage der Geflüchteten aufmerksam.

2014: Der Krieg wird international – die humanitäre Hilfe geht weiter

  • Im Januar endet eine weitere Friedenskonferenz ergebnislos. Im Juni 2014 rufen islamistische Gruppen ein Kalifat in Teilen Syriens und des Iraks aus.
  • Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet eine Resolution, die den Zugang zu humanitärer Hilfe in Syrien erleichtern soll.
  • Die USA und Alliierte fliegen Luftangriffe; Russland verkündet, dass es die syrische Regierung beim Kampf gegen Terrorgruppen unterstützt.
  • Laut den UN wurden bisher mehr als 100.000 Menschen im Krieg getötet; fast jede:r zweite Syrer:in benötigt humanitäre Hilfe. Organisationen von Aktion Deutschland Hilft sind im Einsatz, um die Not zu lindern.
  • Prof. Dr. Horst Köhler, Schirmherr von Aktion Deutschland Hilft, fordert die deutsche Regierung zu mehr Verantwortung auf: "Das Leid, das sich in Syrien vor den Augen der Weltbevölkerung abspielt, ist unermesslich. Ich kann nur eindrücklich dafür werben, dass wir hier nicht die Augen verschließen. Wie können wir unseren Kindern und Enkelkindern Werte vermitteln, Tugenden wie Solidarität, Nächstenliebe und Menschlichkeit, wenn wir hier nicht endlich eine mutigere, eine menschlichere Flüchtlingspolitik machen?"

2015: Die große Flucht von Syrien nach Europa

  • Anfang 2015 berichten die Vereinten Nationen von 220.000 Toten. 7,6 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht.
  • Immer mehr Gruppen aus Syrien und weiteren Ländern kämpfen gegeneinander. Terroristen besetzen die antike Stadt Palmyra, sprengen Tempel und zerschlagen Tausende Artefakte des UNESCO-Weltkulturerbes.
  • Das Foto eines toten Jungen geht um die Welt. Alan Kurdi, der mit seiner Familie aus Syrien über das Mittelmeer geflohen war, wird an der türkischen Küste angeschwemmt. Er wurde zwei Jahre alt.
  • Die Zahl der geflüchteten Syrer:innen im Ausland erreicht im August die 4-Millionen-Marke. Im selben Monat verkündet die deutsche Bundesregierung, an den Grenzen ankommende Menschen nicht mehr zurückzuschicken. Anfang September erreichen Zehntausende innerhalb weniger Tage Deutschland und Österreich.
  • Aktion Deutschland Hilft ruft verstärkt zu Spenden für die Kinder, Frauen und Männer auf: "Unsere Bündnisorganisationen helfen dort, wo Flüchtlinge sind und unsere Unterstützung benötigen", sagt die geschäftsführende Vorständin Manuela Roßbach. "Erstens in Herkunftsländern wie Syrien oder dem Nordirak, zweitens in Transferländern wie Italien oder Serbien, drittens in Aufnahmeländern wie Deutschland."

2016: Flucht, Terror und Hürden für humanitäre Hilfe

  • Das Flüchtlingscamp Zaatari in Jordanien ist zur viertgrößten Stadt des Landes herangewachsen. Anfang 2021 leben dort mehr als 40.000 Menschen.
  • Im März wird das EU-Türkei-Abkommen (auch "Flüchtlingspakt") beschlossen. Das Ziel: die Zahl der über die Türkei nach Europa kommenden Geflüchteten einzudämmen.
  • Friedensverhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der Opposition verlaufen erneut ergebnislos. Weitere UN-Friedensgespräche werden für gescheitert erklärt.
  • Wegen geschlossener Grenzen bleiben Geflüchtete auf der so genannten Balkanroute stecken; es kommt zu Chaos und Gewaltausbrüchen.
  • Die Organisationen von Aktion Deutschland Hilft helfen in Syrien und den Nachbarländern. Doch die Lage für Helfer:innen ist schwierig. Gemeinsam fordert das Bündnis die Einhaltung des internationalen Völkerrechts, Zugang zu Hilfsmaßnahmen für alle Betroffenen und Zugänge für humanitäre Hilfe.

2017: Kaum ein Tag vergeht ohne Gewalt

  • Immer wieder werden Waffenruhen für einzelne Gebiete beschlossen – und immer wieder gebrochen. Stattdessen vergeht im Jahr 2017 kaum ein Tag ohne Gewalt.
  • Monatelang wird die von Terrorgruppen besetzte Quasi-Hauptstadt Raqqa bombardiert. Die Kämpfer verlassen schließlich die Stadt. In Chan Schaichun sterben Zivilist:innen bei einem mutmaßlich chemischen Angriff in einer von Rebellen besetzten Stadt.
  • Zahlreichen Berichten zufolge verweigert die syrische Regierung ihren Bürger:innen den Zugang zu dringend benötigten Nahrungsmitteln und Medikamenten.
  • Aktion Deutschland Hilft macht auf die alarmierende Situation der Kinder in Syrien aufmerksam. Die Bündnisorganisationen setzen sich für mehr Bildungsmöglichkeiten ein. Sie helfen Kindern und Familien im Norden Syriens, setzen Schulgebäude instand, verteilen Lehrmaterial und Essen.

2018: Noch mehr Angst und Chaos in Syrien

  • An den Kämpfen auf syrischem Boden sind weiterhin mehrere Staaten und zahlreiche Gruppierungen aus dem Land selbst beteiligt.
  • Hilfsorganisationen berichten im April von einem Chlorgasangriff in Ost-Ghouta nahe Damaskus. Als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff bombardieren Amerikaner, Briten und Franzosen Ziele in Syrien. Deutschland, Israel, die Türkei und die NATO befürworten die Angriffe.
  • 2018 sind innerhalb Syriens und in den Nachbarländern fast 19 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen. Aktion Deutschland Hilft fordert besseren Zugang für humanitäre Hilfe. "Die Nachrichten aus Syrien machen mich fassungslos! Es sind erschütternde Bilder von Menschen in Ost-Ghouta, denen die blanke Angst um ihr Leben ins Gesicht geschrieben steht, weil sie den Bomben nicht entkommen können", sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin des Bündnisses.
  • Auch die Politisierung der humanitären Not nimmt zu. Das Land sei auf Kosten der Zivilbevölkerung zunehmend zum Schauplatz eines politischen Kräftemessens geworden, erklärt Roßbach. Doch humanitäre Not sei kein politisches Instrument.  

2019: Gewalt in Idlib: Hunderttausende Menschen erneut vertrieben

  • Unterstützt von internationalen Mächten geht das syrische Regime gegen die letzte Rebellenhochburg des Landes vor: die Provinz Idlib. In der Region leben 3 Millionen Zivilist:innen.
  • Nach einer grausamen Großoffensive im Dezember 2019 müssen 235.000 von ihnen vor Bomben und Gewalt fliehen. Für viele ist es nicht die erste Flucht innerhalb dieses jahrelangen Krieges.
  • 6,7 Millionen Syrer:innen sind Vertriebene im eigenen Land. Die Familien sind gezeichnet von großer Armut und tiefsitzenden Traumata.
  • Im eisigen Winter fehlt es den Vertriebenen an allem. Es gibt kein Essen und keine sicheren Unterkünfte. Bündnisorganisationen von Aktion Deutschland Hilft leisten den Menschen Nothilfe mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und Notunterkünften.

2020: Krieg, Corona und die katastrophalen Folgen der Pandemie

  • In der Grenzregion Idlib sind fast drei Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es gibt keinen Ausweg: Die Grenzen zur Türkei sind abgeriegelt.
  • Hilfsorganisationen transportieren Trinkwasser und Lebensmittel über die Grenze und leisten dringend benötigte medizinische Hilfe. Die Gesundheitsversorgung ist aufgrund der zerstörten Infrastruktur und Bombardierung von Krankenhäusern eines der größten Probleme.
  • Mit Beginn der Corona-Pandemie verschlechtert sich die humanitäre Situation weiter.
  • Aktion Deutschland Hilft fordert entschlossenes Handeln. "Was den Betroffenen des syrischen Bürgerkriegs aktuell widerfährt, ist fernab jeder menschlichen Würde. Die Versäumnisse der europäischen Politik haben dazu beigetragen, dass Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht mit Füßen getreten werden", sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin des Hilfsbündnisses.
  • Die Hilfsorganisationen unseres Bündnisses leisten auch im zehnten Jahr des Krieges unermüdlich humanitäre Hilfe unter schwersten Bedingungen. Zum 9. Jahrestag veröffentlicht das Bündnis statt einer Meldung die Überschriften aus Medienmitteilungen von Aktion Deutschland Hilft zwischen 2012 und 2020, um auf die Situation der Familien im Krieg aufmerksam zu machen: "Jahrelange Warnungen und Hilferufe blieben unbeachtet und ungehört. Wir haben keine Worte mehr", sagt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin von Aktion Deutschland Hilft.

2021: Syrien heute

  • Zehn Jahre nach Ausbruch des Kriegs liegt das Land in Trümmern. 13 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe, darunter sind 4,8 Millionen Kinder.
  • Die Lebensmittelpreise sind allein im vergangenen Jahr um 236 Prozent gestiegen und heute 29-mal teurer als vor Beginn des Kriegs.
  • Viele Schulen wurden bei Kämpfen beschädigt oder zerstört. Hunderttausende Mädchen und Jungen können nicht mehr lernen – oder haben den Schulunterricht noch nie besucht.
  • Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht.
  • Die Lebenserwartung ist von 70 auf 55 Jahre gesunken.
  • Mit der Corona-Pandemie verschlechtert sich die Lage syrischer Familien dramatisch. In überfüllten Camps für Geflüchtete droht das Virus sich ungehindert zu verbreiten. Das Gesundheitssystem innerhalb des Landes ist kaum noch tragfähig.
  • Infolge des Kriegs stehen sechs Stätten des UNESCO-Welterbes auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes, darunter die antike Oasenstadt Palmyra sowie die Altstädte von Damaskus und Aleppo.

So helfen wir geflüchteten Familien aus Syrien

Hilfe für Geflüchtete in Syrien

  • Wir verteilen Trinkwasser, Lebensmittel und Hygienepakete
  • Wir bauen Basisgesundheitsstationen in ehemals stark umkämpften Gebieten wieder auf und versorgen Patient:innen dank mobiler Kliniken auch in schwer zugänglichen Regionen
  • Wir verteilen Medikamente, Hygieneartikel und klären Kinder und Erwachsene darüber auf, wie sie sich vor Corona schützen können
  • Wir organisieren Unterkünfte für Familien und helfen mit Haushaltsgegenständen
  • Wir sorgen für sicheren Zugang zu Trinkwasser, setzen Brunnen instand und erneuern Abwasserpumpen

Hilfe für Geflüchtete in Jordanien, im Libanon und Irak

  • Wir schaffen sichere Unterkünfte für syrische Familien
  • Wir verteilen Versorgungspakete mit überlebenswichtigen Gütern
  • Wir errichten Betreuungs- und Bildungsstätten für Kinder und Jugendliche
  • Wir unterstützen die Menschen dabei, ihre Traumata zu verarbeiten
  • Wir schulen lokales medizinisches Personal, um eine dauerhafte Grundversorgung aufzubauen
  • Wir bieten Ausbildungen und Schulungen an & helfen den Menschen damit, Mut für ihre Zukunft zu fassen

Hilfe für Geflüchtete in anderen Ländern

...wie im Balkan und in Deutschland

  • Wir verteilen Medikamente und behandeln erkrankte Geflüchtete in Feldkliniken
  • Wir helfen Kindern und Erwachsenen durch psychologische Betreuung, ihre durch Krieg und Flucht verursachten Traumata zu bewältigen
  • Wir unterstützen die Menschen durch Sprachkurse und Ausbildungsprogamme
  • Wir ermöglichen den Geflüchteten den Weg in eine selbstständige Zukunft, indem wir sie bei der Jobsuche unterstützen

Und dank Ihnen geht die Hilfe weiter!

Unsere Hilfe in Syrien geht auch im Jahr 2021 weiter. Gemeinsam hilft unser Bündnis in Syrien und den Nachbarländern. Mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten, Notunterkünften und Unterstützung für traumatisierte Menschen. Ohne Sie wäre das nicht möglich. Danke, dass Sie mit Ihrer Spende helfen.

Video: Freie Entscheidungen brauchen Frieden!



Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, GIZ (LI Portal), National Geographic, UNHCR, UN OCHA, Aktion Deutschland Hilft (Stand: März 2021)

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Flüchtlinge Syrien / Nahost:

Spenden-Stichwort: Flüchtlinge Syrien / Nahost
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