
von Aktion Deutschland Hilft/Handicap International
Die Bündnisorganisation Handicap International ist in sieben Dörfern in der Provinz Deir ez-Zor in Syrien aktiv, um die Region vor Blindgängern zu befreien und so der Bevölkerung eine sichere Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.
Räumungsexperte David Theodore Francis spricht im Interview darüber, wie sein Team in Syrien arbeitet und was sie dabei erleben.
Aktion Deutschland Hilft: Wie kann man sich die Minenräumung in Syrien vorstellen? Wie gehen Sie und ihr Team vor?
David Theodore Francis: Unsere Einsätze fangen immer mit Gemeindearbeit an, um das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen und das Eis zu brechen. Dann beginnen wir damit, an besonders wichtigen Orten wie Schulen, Krankenhäusern und Wasseraufbereitungsanlagen mit der Räumung von gefährlichen und leicht sichtbaren Blindgängern.
Es vergeht nicht lange, dann jagen uns die Leute buchstäblich auf Motorrädern hinterher und rufen: “Bitte, kommt zu meinem Haus. Ich habe eine Rakete entdeckt.” Wenn die Menschen uns vertrauen und sehen, dass wir wertvolle Arbeit machen, dann arbeiten sie mit und zeigen uns, wo sich Kriegsreste in ihrer Umgebung befinden.
Welche Arten von explosiven Kriegsresten findet Sie und ihr Team?
Es gibt jede Menge Raketen, Granaten und Munition, die von bewaffneten Gruppen zurückgelassen wurden. Wir haben bereits viele davon geräumt, aber Gebiete voller Trümmer brauchen eine besondere Genehmigung – vor allem, wenn es sich um ehemalige Wohnhäuser handelt. Bis wir diese haben, konzentrieren wir uns darauf, die sichtbaren Gefahren zu beseitigen.
Hat es während der Einsätze auch gefährliche Situationen gegeben?
Einmal kam ein Mann verzweifelt aus einem Minenfeld heraus auf mich zu. Er hatte eine große scharfe Mine unter dem Arm, und in der Nähe waren Kinder. Ich musste ihn anschreien, damit er stehen blieb. Wir haben dann alle in Sicherheit gebracht und den Sprengkörper entfernt. Die Mine hätte Dutzende töten können. Damit sowas nur Einzelfälle bleiben, klären wir die Bevölkerung über die Gefahren und den richtigen Umgang mit Blindgängern und Minen auf – insbesondere Kinder an Schulen.
Sie sprachen davon, dass Sie auch in einer Wasseraufbereitungsanlage tätig waren? Was hatte es damit auf sich?
Die Wasseraufbereitungsanlage in Deir ez-Zor ist die größte Anlage in der Region. Sie versorgt die gesamte Stadt mit Wasser, das betrifft schätzungsweise 350.000 Menschen. Wir wurden dringend um Hilfe gebeten, nachdem Munition in einem der Tanks vermutet wurde. Sowas ist nicht ungewöhnlich: Geschosse oder Bomben treffen auch städtische Infrastruktur, und wenn sie nicht explodieren, liegen sie dort jahrzehntelang herum und können Wasser oder Böden konterminieren.
Das Gelände der Wasseranlage in Deir ez-Zor ist komplex und schwer zugänglich. Das heißt, dass nur speziell ausgerüstete Teams solche Arbeiten machen können. Zum Glück haben wir die notwendige Ausrüstung, Ausbildung, Erfahrung und qualifiziertes Personal dafür, um solche Einsätze durchzuführen.
Wie entscheiden Sie, wo als nächstes entmint wird?
Das hängt teilweise von Anfragen der Gemeinden und humanitären Organisationen ab, die in kontaminierten Gebieten tätig werden wollen. Teilweise geht es auch um strategische Überlegungen, zum Beispiel welche Infrastruktur den Wiederaufbau beschleunigt.
Dazu gehören dann nicht nur Wasseraufbereitungsanlagen und Schulen, sondern auch landwirtschaftliche Lagerstätten. Diese sind für die Erholung des Landes von entscheidender Bedeutung. Wenn man solche Standorte räumt, dann fördert das langfristig die Ernährungssicherheit und sichert Lebensgrundlagen.
+++ Spendenaufruf +++
Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet dringend um Spenden für die Nothilfe in Syrien:
Stichwort: Nothilfe Syrien
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX
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