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  • Ebola-Ausbruch: Interview mit World Vision

Ebola Zentralafrika Ebola-Ausbruch: Interview mit World Vision

27.05.2026
Profilbild eines Mannes

von World Vision/Aktion Deutschland Hilft

Im Interview warnt David Munkley, Programmdirektor für Kongo bei World Vision, vor einer rasant eskalierenden Ebola-Ausbreitung in der Demokratischen Republik Kongo. Der betroffene Ebola-Stamm Bundibugyo verfügt bislang weder über einen Impfstoff noch über eine spezifische Behandlung. Besonders betroffen sind die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu im Nordosten des Landes. Auch im benachbarten Uganda wurden Fälle bestätigt.

Der Ausbruch trifft Regionen, in denen Menschen seit Jahren vor Gewalt fliehen – ohne ausreichende medizinische Versorgung, ohne sauberes Wasser, ohne Sicherheit. Unter diesen Bedingungen stellt Ebola eine zusätzliche, lebensbedrohliche Gefahr dar.

Schnelle Hilfe entscheidet über Leben und Tod

World Vision prüft derzeit, wie betroffene Kinder, Frauen und Männer medizinisch unterstützt werden können. Im Interview erklärt Munkley, warum jetzt jede Stunde zählt und weshalb eine abgestimmte humanitäre Reaktion entscheidend ist, um die Ausbreitung einzudämmen.

Wie beschafft World Vision Hilfsgüter und Material zur Eindämmung der Infektionskrankheit? Da die Grenze zu Ruanda geschlossen ist: Wie gelangt das Material in die betroffene Region?

David Munkley: Im Allgemeinen geht das über verschiedene Häfen, zum Beispiel über Mombasa (Kenia) oder über Daressalam (Tansania) oder über große Wirtschaftszentren wie Kampala (Uganda) und Nairobi in Kenia. Es könnte auch über Kigali in Ruanda gehen, über die Gahondo-Barriere – einen Kontrollpunkt an der Straße zwischen Ruanda und Kisoro in Uganda – oder weiter nördlich durch Uganda zur Grenze an Orten wie Beni und Bunia.

Da die Grenzen geschlossen sind, glaube ich, dass nur der absolut notwendige Handel durchkommt. Wir hoffen, dass dies weiterhin für persönliche Schutzausrüstung der Fall sein wird. Die Nachfrage ist in Gesundheitszentren, Schulen, Kirchen, auf Märkten und in unzähligen Büros sehr hoch.

Was die Ausstattung angeht – beispielsweise Schutzanzüge, Handwaschstationen, Seife – gibt es davon genug oder gibt es einen Mangel? 

Wir befinden uns in einer Phase der Krisenbewältigung, in der wir das Boot bauen, während wir damit fahren. Wir wissen nicht, welche Materialien zu bekommen sind. Deshalb prüfen wir diese Aspekte gerade. Der letzte Ausbruch von Ebola war 2025 in der Provinz Kasai in Balupe. Aufgrund der geografischen Lage und des Virus-Stammes konnten wir das als Teil der humanitären Gemeinschaft, der Weltgesundheitsorganisation und gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium der kongolesischen Regierung recht gut bewältigen. 

Dieser hier ist anders. Die Zahlen waren, als sie erstmals veröffentlicht wurden, viel höher als das, was wir 2025 in Bulape gesehen haben. Und angesichts der Tatsache, dass es für diesen Stamm keinen Impfstoff gibt, stehen uns weniger Schutzmaßnahmen zur Verfügung, die wir im Kampf gegen Ebola einsetzen können.

Welche Lehren wurden aus dem vergangenen Ebola-Ausbruch von 2018 bis 2020 gezogen, die bei diesem Ausbruch angewendet werden müssen, falls er sich tatsächlich auf die Kivu-Provinzen ausbreitet und die Zahl der Infizierten steigt?

Bei einer solchen Reaktion ist es sehr wichtig, sicherzustellen, dass man mit den richtigen Personen spricht und ihnen die richtigen Informationen vermittelt. So kam es beispielsweise häufig zu Ansteckungen, wenn Menschen Leichen versorgten. Dabei infizierten sie sich selbst.

Daher ist es äußerst wichtig, die Gemeinschaften, Kinder und Familien an verschiedenen Stellen in der Gemeinschaft zu sensibilisieren – wiederum gemeinsam mit Kirchenpersonal, Gemeindevorständen, Gesundheits- und Bildungsbeauftragten –, um eine kontextbezogene Aufklärung zu gewährleisten und den Menschen zu vermitteln, wie sie die Ausbreitung stoppen, Infektionen verhindern und für sich selbst und ihre Familien sorgen können. 

Ein weiterer Punkt ist natürlich eine sehr gut koordinierte Reaktion. Wir können es uns nicht leisten, dass Akteur:innen das eine tun, ohne zu wissen, was andere Akteur:innen tun. Deshalb legen wir großen Wert darauf, eine koordinierte Reaktion mit anderen Nichtregierungsorganisationen, Gesundheitsministerien und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sicherzustellen, damit wir hier alle an einem Strang ziehen.

Viele Menschen in Goma und der Region Kivu leben von Tag zu Tag. Wenn es einen Lockdown gäbe, bei dem die Menschen aufgefordert würden, zu Hause zu bleiben und Menschenansammlungen zu meiden, was hätte das für Auswirkungen?

Ein Lockdown würde die Wirtschaft lahmlegen. Das würde Probleme verursachen. An bestimmten Orten wie Goma, Beni, Butembo oder vielen anderen Orten in der Region Kivu könnte dies eine Frage von Leben und Tod sein, da die Menschen jeden Tag Geld verdienen müssen, um zu überleben. Wenn man die Menschen nicht arbeiten lässt oder ihnen die Möglichkeit nimmt, Geld zu verdienen, wird es gefährlich. 

Hinzu kommt eine weitere Gefahr: Unterernährung, weil die Menschen nicht genug zu essen haben. Und es entstehen Folgeprobleme. Die Gesundheitssysteme werden überlastet sein. Die Sterblichkeitsraten werden steigen. Die Fälle von Vernachlässigung von Kindern werden zunehmen. In diesem Zusammenhang würde die Verhängung eines Lockdowns, so notwendig sie auch sein mag, eine Vielzahl von Folgeproblemen schaffen, die sich negativ auf Kinder und Gemeinschaften überall auswirken.

Es gab offensichtlich weltweit massive Kürzungen bei den humanitären Hilfsgeldern. Glauben Sie, dass ein legitimer Grund für eine Aufstockung der Mittel darin besteht, sicherzustellen, dass sich die Krankheit nicht ausbreitet?

Wir gehen stets von der Sichtweise aus, den Menschen helfen zu wollen. Wenn ich in der gleichen Lage wäre, was würde ich brauchen? Was bräuchte ich, um sicherzustellen, dass meine Familie gesund bleibt? Es geht um die Bereitstellung von Wasser und sanitären Einrichtungen, Aufklärung über gute Hygiene sowie die Versorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln für diejenigen, die keine zwei Wochen überleben können, ohne auf den Markt zu gehen oder Geld zu verdienen. 

Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem wir, wenn wir einen umfassenden globalen humanitären Ansatz verfolgen und diesem Virus dort begegnen, wo es auftritt, die steigenden Fallzahlen eindämmen und lebenswichtige Hilfe leisten können. Um sicherzustellen, dass es unter Kontrolle gebracht wird und wir dieses Virus ausrotten können, damit es Kindern und Familien in der DR Kongo und anderswo nicht weiter schadet.

Reagiert World Vision auf die Situation?

Ja, World Vision reagiert auf die Situation. Wir sind in Ituri nur sehr begrenzt präsent, daher prüfen wir derzeit, was wir vernünftigerweise und verantwortungsbewusst tun können, um den betroffenen Kindern und Familien wichtige medizinische Hilfe zu leisten. In Nord- und Süd-Kivu sind wir sehr stark vertreten. Wir wollen stets die Sicherheit unserer Mitarbeiter:innen gewährleisten. 

Deshalb werden wir sicherstellen, dass unsere Mitarbeitenden Zugang zu persönlicher Schutzausrüstung haben. Und wir achten auch auf die Gemeinden, in denen wir helfen. Wir werden uns darauf konzentrieren, sie zu unterstützen und sicherstellen, dass wir diese Krankheit stoppen können, bevor sie sich weiter ausbreitet.

 

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