Erst Flüchtling, jetzt Helferin: Zahra arbeitet im Malteser-Gesundheitszentrum
© Malteser International/Wolf

Hilfe für Flüchtlinge Erst Flüchtling, jetzt Helferin: Zahra arbeitet im Malteser-Gesundheitszentrum

27-08-2015

Malteser International ist seit August 2014 im Nordirak im Einsatz, um die medizinische Versorgung von Vertriebenen in der Region Kurdistan sicherzustellen. Zahra, selber Flüchtling, wurde nach kurzer Zeit ein wichtiges Mitglied des Malteser Teams.

Zahra, wie hat man sich den Tag Ihrer Flucht vorzustellen?
Zuerst dachte ich, dass wir in unserem Dorf vor den Terrormilizen sicher und geschützt sind. Ich hatte mich gerade für die Arbeit fertig gemacht, als meine Mutter mir sagte, dass wir aufbrechen müssen. Ich musste mich abschminken und mir etwas in gedeckten Farben anziehen, damit ich nicht auffalle. Dann sind wir losgerannt.

Auf welchen Wegen?
Vom Sindschar-Gebirge haben wir es zunächst bis Erbil geschafft. Dann sind wir weiter Richtung Dohuk geflohen.

Sie konnten ihr Leben retten, aber sonst kaum etwas...
Das stimmt, wir konnten nichts packen. Ich konnte keine Zeugnisse oder andere wichtige Papiere mitnehmen, auch keine Foto alben. Alle persönlichen Dinge mussten wir zurücklassen.

Das war im August 2014. Nun hilft die 27-Jährige anderen Flüchtlingen und Vertriebenen. Als ausgebildete Pharmazeutin kümmert sie sich im Flüchtlingslager Berseve 2 um die Apotheke des Gesundheitszentrums, welches Malteser International hier und in einem zweiten Lager ganz in der Nähe leitet. Im Krankenhaus in Sindschar arbeitete Zahra in einem großen Team. Hier in Berseve 2 hingegen hat sie nur wenige Kollegen und daher viel mehr zu tun.

Hatten Sie denn schon die Möglichkeit, all das Erlebte zu verarbeiten?

Hier gibt es keine Zeit zum Nachdenken. Ich kümmere mich einfach um die Patienten – und gebe dabei mein Bestes. In den vergangenen Monaten war die Arbeit im Gesundheitszentrum extrem hart. Nach der Eröffnung im Dezember 2014 kamen täglich rund 300 neue Patienten. Denn jeden Tag zwingen Gewalt und Verfolgung im Nahen Osten unzählige Menschen zur Flucht – oft mehrmals, von einem Ort zum anderen, immer auf der Suche nach etwas Schutz und Sicherheit.

Wo lag anfangs der Schwerpunkt Ihrer Arbeit in der Apotheke?
Erst einmal ging es darum, eine regelmäßige Versorgung mit den benötigten Medikamenten sicherzustellen. Seitdem das funktioniert, ist so etwas wie ein normaler Arbeitsalltag eingekehrt.

Wie viele Patienten kommen zur Behandlung?
Inzwischen sind es täglich rund 150 Patienten. Die am häufigsten gebrauchten Medikamente haben wir zum Glück immer vorrätig.

Wie in jedem Gesundheitszentrum, so gibt es auch in Berseve 2 Notfälle und chronisch kranke Patienten. Und es kommen Flüchtlinge, die das eintönige Lagerleben krank macht. Viele haben unfassbares Leid erlebt und sind stark traumatisiert.

Wie kommen Sie mit dem Leben als Flüchtling klar?
Seit wir losgerannt sind, lebe ich ein neues und völlig anderes Leben. Ich versuche es positiv zu sehen, ganz nach dem Lebensmotto von Audrey Hepburn: „Wenn du älter wirst, wirst du herausfinden, dass du zwei Hände hast: eine um dir selbst zu helfen, die andere, um den anderen zu helfen“.

Angesichts der kontinuierlich wachsenden Zahl von Vertriebenen und Flüchtlingen wird Malteser International ein weiteres Gesundheitszentrum in einem Flüchtlingslager bei Kadia eröffnen, das bis zu 25.000 Flüchtlinge aufnehmen kann. Rund 23.000 Patienten wurden alleine im Jahr 2014 im Nordirak in den  Gesundheitszentren der Malteser in Dohuk und Erbil sowie durch mobile medizinische Teams versorgt.

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