Flüchtlinge SyrienFlucht nach Amman - die Krise aus Sicht eines Flüchtlingsmädchens

04-10-2012

Mitarbeiter von „Aktion Deutschland Hilft“ waren Anfang Oktober für drei Tage in Jordanien, um sich die Situation der syrischen Flüchtlinge anzusehen. In der Hauptstadt Amman haben sie einem Mädchen eine kleine Kamera in die Hand gedrückt und es darum gebeten, Fotos von dem Zimmer zu machen, in der die Achtjährige mit ihrer Familie seit der Flucht lebt. Das Mädchen heißt Ghoroob. Das ist Arabisch und bedeutet übersetzt „Sonnenuntergang“. Hier ihre Geschichte:

„Ich komme aus Homs in Syrien und ich mag meine Stadt eigentlich sehr gerne. Aber auf einmal war alles anders. Männer haben mit Gewehren auf andere Männer geschossen. Dann kamen Flugzeuge und haben Bomben abgeworfen. Auch unser Haus wurde getroffen, es war komplett kaputt. Ich hatte riesengroße Angst. Zusammen mit meiner Familie bin ich zu Nachbarn geflohen, aber auch das Haus der Nachbarn wurde zerstört. Drei Onkel von mir sind tot. Zwei von ihnen wurden erschossen, der dritte Onkel mit einem Messer ermordet.

Dann sind wir von Homs nach Damaskus, das ist die Hauptstadt von Syrien, und wir dachten, dass wir dort sicher sein werden. Das waren wir aber nicht. Auch dort hörten wir immer wieder Schüsse und Explosionen. Dann sind wir wieder geflohen, diesmal Richtung Jordanien, die letzten Kilometer bis zur Grenze sind wir sogar zu Fuß gegangen. Auf der anderen Seite der Grenze hat uns dann die jordanische Armee in ein großes Lager gebracht, wo wir zwei Tage geblieben sind. Das Lager war schrecklich, dort wollten wir nicht bleiben. Weil meine beiden Schwestern und einer meiner drei Brüder geistig behindert sind, haben uns sogar Polizisten bei der Flucht aus dem Lager geholfen.

Wir sind dann nach Amman gereist. Hier leben wir jetzt in einer Wohnung mit einem Zimmer, einer kleinen Küche und einem Bad. In das Zimmer haben wir Matratzen auf den Boden gelegt und dort schlafen wir jetzt alle. Mama, Papa, meine fünf Geschwister – Nadeen, Husam, Abdulhadi, Isra’a und Abdulmalik – und natürlich ich. Außerdem haben wir noch einen alten Fernseher, den haben wir von Nachbarn bekommen. Im Fernsehen laufen immer Nachrichten über den Krieg in Syrien, aber eigentlich will ich das gar nicht sehen. Ich bin lieber draußen und spiele mit anderen Kindern auf der Straße.

Für die Wohnung müssen wir jeden Monat viel Geld bezahlen. Aber wir haben kein Geld. Wir haben auch sonst nichts mehr, alles was wir hatten, wurde in Homs zerstört. Mein Papa hat mir aber gesagt, dass die Menschen von CARE uns helfen können. Die können uns etwas Geld geben und wissen außerdem, wo wir Essen und Trinken bekommen. Das ist wichtig, denn wir wissen ja nicht, wie lange wir noch hier bleiben müssen. Am liebsten würde ich sofort wieder nach Hause, nach Homs. Mein Papa sagt, dass wir uns ein neues Haus bauen werden. Aber wann das sein wird, das sagt er nicht.“

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
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