Flüchtlinge SyrienSeite 2

03-02-2015

Tag 2 - Kostenlose Hilfe für Menschen mit körperlicher Behinderung

Zurück in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Heute besuchen wir das sogenannte „Mobility Solutions Center“. Diese Einrichtung versorgt syrische Flüchtlinge und auch Jordanier kostenlos mit Prothesen. Auch Physiotherapie und weitere Angebote zur Rehabilitation von Menschen mit körperlicher Behinderung stehen kostenlos zur Verfügung. Mit Hilfe des Spendenbündnisses „Aktion Deutschland hilft“ konnten wir das Center mit Rohmaterial für die Herstellung von Beinprothesen unterstützen. Beim Rundgang durch die Orthopädiewerkstätten zeigen uns die Mitarbeiter die verschiedenen gefertigten Prothesen. Unglaublich, wie echt die künstlichen Hände aussehen.

Wir treffen einen Mann im Rollstuhl, der im Center eine Ausbildung zum sogenannten „peer educator“ absolviert. Am Ende der mehrwöchigen Ausbildung wird er anderen Menschen mit Behinderung helfen können, sich zu motivieren und einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Wie wichtig diese Aufgabe für ihn selbst ist, erfahren wir als er uns seine Geschichte erzählt: in seiner Heimatstadt in Syrien wurde er von einem Heckenschützen angeschossen und schwer verletzt. Zum Glück konnte er zur medizinischen Behandlung über die Grenze nach Jordanien gebracht werden, doch die Verletzung am Rückenmark war so schwer, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Anfangs hat ihn das sehr frustriert, aber die Ausbildung, sagt er, hat ihn motiviert wieder den Weg zurück ins Leben zu finden.

Tag 3 - Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben

Wir sind weitergefahren in den Libanon. Beim Besuch in Saida erfahren wir, wie komplex die Situation der Flüchtlinge hier ist: in der dicht bevölkerten Flüchtlingssiedlung Ein El Helweh, leben nicht nur syrische Flüchtlinge sondern auch palästinensische Flüchtlinge, die einst vor dem Konflikt mit Israel nach Syrien geflüchtet waren und jetzt wiederum fliehen mussten. Sie alle haben Aufnahme gefunden in ehemaligen Flüchtlingslagern von Exilpalästinensern, die schon seit den sechziger Jahren hier leben. Aus den Lagern wurden im Laufe der Zeit feste Siedlungen. Den Zutritt zur Siedlung kontrolliert die libanesische Armee. Auch wir müssen uns vorab registrieren, um eine Zugangsgenehmigung zu bekommen. Mit dem Auto bahnen wir uns einen Weg durch die engen Straßen. Wir kommen nur langsam voran. Entgegenkommende Fahrzeuge und zahlreiche Menschen schieben sich an uns vorbei. Für einen Kilometer brauchen wir fast 30 Minuten.

In einem Gemeindezentrum hat unsere Partnerorganisation Naba‘a zu einer Diskussionsrunde geladen, um sich die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge anzuhören und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Vor allem Mütter suchen hier Hilfe. Schnell wird eines der Hauptprobleme klar: auch hier erhalten die Menschen vor allem Hilfsgüter – Bargeld für andere wichtige Ausgaben, wie Schulsachen für die Kinder, Medikamente oder Kerosin für die Heizöfen, haben sie nicht. Um diese Dinge beschaffen zu können, werden Nahrungsmittelgutscheine vergeben. Für die verschiedenen Flüchtlingsgruppen sind unterschiedliche UN-Organisationen zuständig. Das führt zu Missverständnissen und Unklarheiten und macht das Leben der Flüchtlinge zusätzlich kompliziert.

Wie in den jordanischen Flüchtlingssiedlungen sind auch hier die Wohnungen in einem schlechten Zustand. Es ist Winter und kalt und es regnet häufig, Dächer und Türen sind oft kaputt. Zusammen mit Naba’a und mit finanzieller Unterstützung der deutschen Regierung konnten wir bereits einige Wohnungen renovieren und Matratzen, Decken und Kleidung verteilen. Unter den ungesunden Wohnbedingungen in der Siedlung leiden insbesondere Kinder, ältere und kranke Menschen. Für die anwesenden Männer in dem Gemeindezentrum ist die Situation auf andere Weise unerträglich: sie fragen vor allem danach, wie sie Geld verdienen können, um ihre Familien zu unterstützen. Neben Hab und Gut mussten die Flüchtlinge auch ihre Arbeitsstelle und damit ihr Einkommen in Syrien zurücklassen. Nun hoffen sie darauf, eines Tages wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können – auch wenn das nicht in ihrer Heimat sein wird.

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