Hilfe für FlüchtlingeEin Ort, an dem es keine Kampfflugzeuge gibt

19-11-2019

von Aktion Deutschland Hilft/Islamic Relief

Layana* ist sechs Jahre alt. Sie ist jünger als der Krieg, der seit 2011 in ihrer Heimat Syrien tobt. Frieden kennt das Mädchen nicht. Mit seiner Familie lebt es in einem Flüchtlingscamp in der Nähe der Stadt Idlib. Dorthin waren Layanas Eltern aus dem umkämpften Ar-Raqqa geflohen. Doch in Sicherheit waren sie nicht.

Das Flugzeug kommt immer näher, wird immer lauter

Layana spielt mit anderen Kindern, als die Geräusche eines Flugzeugs immer näher kommen, immer lauter werden. Schnell rennen die Kinder davon. Später, als sie nach Monaten auf der Intensivstation und zahlreichen Operationen zu sich kommt, wird sich Layana nur daran erinnern, durch die Luft geflogen zu sein. 

Eine halbe Million Menschen sollen durch den Krieg in Syrien das Leben verloren haben, schätzen die Vereinten Nationen. Es ist schwer, inmitten des unübersichtlichen Krieges genaue Zahlen zu erheben. Jeder zweite Mensch in Syrien gilt als bedroht, durch explosive Waffen getötet oder verletzt zu werden. Zu diesen Waffen zählen zurückgelassene Landminen und Raketen, die von Flugzeugen abgeworfen werden. In dem Bürgerkriegsland ist das Alltag.

Die meisten Kinder werden beim Spielen getroffen

20 Prozent der Opfer explosiver Waffen sind Kinder. Und fast die Hälfte der verletzten oder getöteten Mädchen und Jungen wird beim Spielen getroffen – so wie Layana.

Das Mädchen hat schwere Verletzungen am Rücken und kann nicht mehr laufen. Sie ist erschöpft und hätte fast den Mut verloren. Doch Physiotherapeuten helfen der Sechsjährigen: Es kommt der Tag, an dem sie wieder auf ihren Füßen steht; der Tag, an dem sie die ersten Schritte geht; und schließlich der Tag, an dem sie sich wieder zum Spielen mit ihren Freunden trifft.


Unsere Bündnisorganisation Islamic Relief unterstützt Gesundheitseinrichtungen in Syrien und hat auch Layana auf ihrem Genesungsweg begleitet. Seit 2011 steht Aktion Deutschland Hilft den Menschen zur Seite, die in Syrien und den Nachbarländern auf der Flucht sind. Sie arbeiten mit lokalen Partnern sowie internationalen Organisationen zusammen.

"Die Gewalt hat tiefe Wunden in der syrischen Gesellschaft hinterlassen"

"Menschen sind traumatisiert und Städte zerstört. Die Gewalt hat tiefe Wunden in der syrischen Gesellschaft hinterlassen", sagt Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand von Aktion Deutschland Hilft. "Seit Jahren versuchen die Hilfsorganisationen, die Spirale von Armut, Hunger und Not in Syrien zu durchbrechen. Das ist eine große Aufgabe und Hilfe ist nicht uneingeschränkt möglich."

Seit Beginn der Militäroffensive an der syrisch-türkischen Grenze im Oktober ist die Situation im Land erneut angespannt. Tausende Familien wurden zur Flucht gezwungen – teils zum wiederholten Mal. "Auch für die Zukunft wird finanzielle Unterstützung dringend benötigt", sagt Manuela Roßbach.


Es gibt unzählige Geschichten von syrischen Kindern wie Layana, denen der Krieg eine unbeschwerte Kindheit genommen hat. Was bleibt, ist Hoffnung. Layana glaubt daran, dass später einmal alles besser sein wird. Wenn sie groß ist, möchte sie Menschen helfen, so wie ihr geholfen wurde. "An einem Ort, an dem es keine Kampfflugzeuge gibt", sagt das Mädchen.

Auch Aadil und Junah wachsen inmitten des Syrienkrieges auf. Doch auch sie haben den Mut nicht verloren.

Aadil ist dank einer Beinprothese zurück im Leben


Aadil* ist sechs Jahre alt, als seine Eltern aus Idlib fliehen. Der Junge kann sich erinnern, wie die Familie nachts über Felder rennt und versucht, unter Olivenbäumen ein wenig Schlaf zu finden. Und er kann sich an die Explosion der Rakete erinnern, die seine Mutter und seinen Bruder tötet und ihn selbst schwer verletzt.

Sein Bein muss amputiert werden – damit retten Ärzte dem Jungen das Leben. Mithilfe einer Prothese findet Aadil langsam zur Normalität zurück. Er ist nun zehn Jahre alt, besucht die vierte Klasse in einer Schule im Flüchtlingscamp und sagt: "Ich kann laufen und rennen, das liebe ich so sehr!" Aadils Berufswunsch steht fest: Als Arzt möchte er anderen Menschen mit Beinprothesen helfen.

Junah möchte als Chirurgin Kinderleben retten


Zuerst nahm ihr der Syrienkrieg den Vater, dann das Zuhause. Vor vier Jahren flieht Junah* mit ihrer Mutter und ihren jüngeren Brüdern aus Damaskus. Die Familie versucht, sich in einem Flüchtlingscamp im Norden des Landes ein neues Leben aufzubauen. Die Mutter findet eine Arbeit, die Kinder besuchen die Schule.

Doch der Alltag ist nicht einfach, die 15-Jährige beschreibt ihn als "Getümmel". Doch Junah ist es sehr wichtig, trotz allem gut in der Schule zu sein. "Wenn ich gute Noten nach Hause bringe, ist meine Mutter stolz und glücklich. Dann ist es ein guter Tag." Und Junah weiß, wohin ihr Weg sie führen soll: "Ich träume davon, Chirurgin zu werden. Ich möchte Kindern das Leben retten, die in diesem Krieg groß werden müssen."

*alle Namen geändert

Hintergrundinformationen: Die aktuelle Situation in Syrien

Einfach erklärt: Warum ist in Syrien Krieg?

Als Auslöser des syrischen Bürgerkrieges gilt der Arabische Frühling im Jahr 2011. Millionen Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika lehnten sich gegen Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen auf und demonstrierten für demokratische Strukturen.

Auch in Syrien gingen Menschen auf die Straße, um sich für Reformen, bessere Lebensbedingungen, mehr Freiheit und Mitsprache einzusetzen. Die Situation eskalierte im März 2011, als Jugendliche in der Stadt Dara den Spruch "Das Volk will den Sturz des Regimes" an Wände schrieben. Sie wurden von syrischen Sicherheitskräften verhaftet.

In Demonstrationen wurden die Freilassung der Gefangenen sowie Reformen gefordert. Die Proteste weiteten sich aus, die Fronten verhärteten sich. Über die Jahre entwickelte sich ein bewaffneter Konflikt, an dem terroristische Gruppen, Rebellengruppen, die syrische Regierung sowie internationale Akteure beteiligt sind.

Wer kämpft im Syrienkrieg gegen wen?

Die Beantwortung dieser Frage ist schwierig. Längst ist der Krieg in Syrien nicht mehr nur ein Konflikt zwischen der Regierung und einer Rebellen-Gruppe. Zahlreiche Akteure – auch aus dem Ausland und mit unterschiedlichsten Interessen – sind involviert. Die Situation ist komplex, unübersichtlich und für die Zivilbevölkerung seit Jahren eine humanitäre Katastrophe.

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge haben mehr als 500.000 Menschen in dem Krieg ihr Leben verloren. Unzählige Kinder, Frauen und Männer wurden verletzt oder verstümmelt.

Die Hilfsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft stehen den Menschen aus Syrien seit vielen Jahren zur Seite. Wie die Nothilfe unseres Bündnisses in Syrien und den Zufluchtsländern aussieht, erfahren Sie hier!

Warum sind so viele Menschen aus Syrien geflohen?

Seit März 2011 herrscht ein brutaler Krieg in Syrien. An vielen Orten sind Häuser, Schulen, Krankenhäuser, Wasser- und Stromversorgung und ein Großteil der Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Die Wirtschaft des Landes ist am Boden. Ein Großteil der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Syrien ist kein sicherer Ort mehr. Die Menschen führen ein Leben zwischen den Fronten, das bestimmt ist von Angst, Ungewissheit und Entbehrung. Flucht ist oft die einzige Alternative.

Mittlerweile sind in Syrien 13 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als 6 Millionen sind als Binnenvertriebene im eigenen Land auf der Flucht. Und mehr als 5 Millionen Kinder, Frauen und Männer leben als Flüchtlinge in den Nachbarländern Türkei, Jordanien, Libanon, Irak sowie in Ägypten.


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