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Sashi und Iman sind von der Sturzflut in Nepal betroffen
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  • Was die Flut zurücklässt: Wie Betroffene in Nepal neuen Mut finden

Die gute Seite Was die Flut zurücklässt: Wie Betroffene in Nepal neuen Mut finden

von Aktion Deutschland Hilft/TERRA Projekte International

Ende August 2026 hinterließ eine verheerende Sturzflut in Nepal eine Schneise der Zerstörung. Ganze Ortschaften wurden von den Wassermassen fortgerissen. Mehr als 1.400 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben.

Viele Familien haben alles verloren. Wie wichtig neben Hilfsgütern auch psychosoziale Unterstützung für die Betroffenen ist, zeigen die Geschichten von Iman Singh Tamang und Shashi Nepali (Name geändert). Beide wurden nach der Sturzflut von Helfer:innen unserer Bündnisorganisation TERRA Projekte International begleitet. 

  • Wie eine Eisenstange Imans Leben rettete
  • Shashi kämpft gegen die Last der Schuld

Wie eine Eisenstange Imans Leben rettete

Ein Mann sitzt bei seinem Vater am Bett
© TERRA Projekte International

Als Iman Singh Tamang am Morgen des 26. August seinen Arbeitsplatz, einen Wasserkrafttunnel im nepalesischen Distrikt Rasuwa, betritt, ahnt er nichts von der herannahenden Sturzflut. Während er seiner Arbeit nachgeht, schießen plötzlich Wassermassen durch den Tunnel und reißen ihn mit. 

Nur durch einen glücklichen Zufall wird er nicht fortgespült: Der Haken seines Gürtels verfängt sich an einer Eisenstange. “Diese Stange hat mich davor bewahrt, mitgerissen zu werden. Dann habe ich die anderen Stangen mit den Händen gepackt und mich festgehalten”, erinnert sich Iman.

Etwa eine Stunde lang klammert er sich an den Stangen fest. Dann spürt er einen Luftzug. Wasser und Schlamm scheinen langsam zurückzugehen, eine kleine Öffnung wird sichtbar. 

Durch Schlamm und Geröll ins Freie

Iman bewegt sich vorsichtig darauf zu. Rund 20 Meter kriecht er durch den Tunnel, bis er ins Freie sehen kann. Doch auch dort versperren Schlamm und Geröll den Weg. “Ich legte mich mit dem Gesicht nach unten in den Schlamm und kroch vorwärts. Schließlich gelang es mir, herauszukommen.”

In Sicherheit

Draußen ist von den Straßen nichts mehr zu erkennen. Ohne Telefon und von der Außenwelt abgeschnitten verbringt Iman die Nacht im Katastrophengebiet. Am nächsten Morgen bahnt er sich mühsam einen Weg durch den Schlamm, der stellenweise bis zu seinen Oberschenkeln reicht. Nach einiger Zeit erreicht er ein Dorf und kann sich in Sicherheit bringen.

Doch Iman kommt nicht zur Ruhe. Tagelang quält ihn die Ungewissheit über das Schicksal seiner Familie. Später erfährt er, dass seine Frau und seine Tochter überlebt haben und bei Verwandten untergekommen sind. Von seinem Vater fehlt jedoch jede Spur.

Unterstützung für Iman

Iman reist weiter, bis er verletzt und völlig erschöpft im provisorischen Auffangzentrum in Tupche eintrifft. Das Notfallteam von HDCS, einem Partner unserer Bündnisorganisation TERRA Projekte International, versorgt seine Verletzungen und bietet ihm psychosoziale Unterstützung an. Außerdem veranlasst das medizinische Team, dass er zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus überwiesen wird.

Unverhofft erlebt er im Auffangzentrum einen weiteren Moment der Erleichterung. Er trifft auf seinen Vater, der ebenfalls wohlauf ist.

Die Flut hat alles fortgerissen

Zwar haben Iman und seine Familie überlebt. Doch ihr Zuhause und ihr Besitz wurden von der Flut schwer getroffen. “Alles rund um mein Haus stand unter Wasser. Wir haben kein Zuhause mehr, nichts zu essen und keine Kleidung.”

Auch körperlich und seelisch hinterlässt die Katastrophe tiefe Spuren. Iman leidet weiterhin unter Schmerzen und kann kaum schlafen. Die medizinische Versorgung und die psychosoziale Unterstützung helfen ihm dabei, das Erlebte zu verarbeiten und wieder Hoffnung zu schöpfen.

Wie Iman leidet auch Shashi an dem Verlust ihres Zuhauses nach der Sturzflut. Eine Zeit lang wünscht sie sich sogar, die Katastrophe nicht überlebt zu haben – bis sie durch psychologische Unterstützung langsam wieder positive Gedanken fassen kann.

Shashi kämpft gegen die Last der Schuld

Eine Frau spricht in einer Notunterkunft mit einer psychologischen Beraterin
© TERRA Projekte International

Am Morgen des 26. August erreicht Shashi Nepali und ihre Familie die Warnung: Die Flut kommt. Viel Zeit bleibt ihnen nicht. Sie müssen ihr Zuhause in Trishuli verlassen und sich schnell an einen sicheren Ort bringen. 

Inmitten der hastigen Evakuierung lastet große Verantwortung auf der 56-Jährigen. Ihre Tochter und ihre Schwiegermutter haben ihr Geld und andere wertvolle Familienbesitztümer anvertraut. Shashi nimmt die Wertsachen aus dem Schrank, um sie mit sich zu nehmen. Doch in der Eile lässt sie die Besitztümer versehentlich zurück.

Dann fegt das Wasser durch den Ort und überflutet das Haus der Familie. Als das Wasser zurückgeht, kehrt Shashi nach Hause zurück. Sofort beginnt sie, nach den Wertsachen zu suchen. Doch sie sind verschwunden. Nur der Schrank, in dem sie zuvor gelegen hatten, steht noch unversehrt an seinem Platz.

“Ich wäre lieber gestorben”

Der Anblick lässt Shashi nicht mehr los. Immer wieder denkt sie: Hätte ich die Wertsachen nur im Schrank gelassen, wären sie vielleicht noch da. Der Verlust wird für sie zu einer schweren seelischen Belastung. Obwohl ihre Familie versucht, sie zu trösten, gibt sie sich selbst die Schuld. Sie glaubt, die ihr anvertrauten Besitztümer nicht ausreichend geschützt zu haben. “Ich wäre lieber gestorben, als noch am Leben zu sein”, sagt Shashi.

Raum, um die Trauer zu verarbeiten

Verzweiflung und Schuldgefühle machen Shashi schwer zu schaffen. In einer Notunterkunft erhält sie schließlich Unterstützung, das Erlebte zu verarbeiten. Shova begleitet Shashi in mehreren Gesprächen. Sie ist psychosoziale Beraterin bei HDCS, einem Partner unserer Bündnisorganisation TERRA Projekte International. Dabei erhält die 56-Jährige einen geschützten Raum, in dem sie über ihre Trauer, ihre Schuldgefühle und das Erlebte sprechen kann.

Schritt für Schritt hilft die Beraterin ihr zu verstehen: Der Verlust ist nicht ihre Schuld. In der lebensbedrohlichen Situation war vor allem entscheidend, dass Shashi und ihre Familie sich retten konnten. Ihr Leben und ihre Sicherheit wiegen schwerer als jeder materielle Besitz.

Neue Hoffnung nach der Verzweiflung

Bereits nach zwei Gesprächen stellt sich bei Shashi langsam eine Veränderung ein und die Schuldgefühle lassen nach. “Nach den Beratungsgesprächen ging es mir viel besser. Mir wird langsam bewusst, dass es mir besser geht als vielen anderen, die bei der Überschwemmung sowohl ihre Familien als auch ihr Hab und Gut verloren haben. Vielen Dank an das HDCS-Team für diese Unterstützung”, sagt Shashi.

Shashis Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, nach einer Katastrophe nicht nur die sichtbaren Schäden zu lindern. Psychosoziale Hilfe kann Betroffenen dabei helfen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und neuen Lebensmut zu fassen.

Allein in der ersten Woche nach der Katastrophe erhielten im Rahmen der medizinischen Erstversorgung und der Beratungsangebote von HDCS 239 Menschen in verschiedenen Notunterkünften psychologische Unterstützung.

Ohne Ihre Unterstützung wäre diese wichtige Hilfe nicht möglich. Herzlichen Dank!

 

+++ Spendenaufruf +++

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis der Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die von der Sturzflut betroffenen Menschen.

Stichwort: Flut Nepal
IBAN DE62 3702 0500 0000 1020 30, BIC: BFSWDE33XXX

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