Die Teilnehmer des Netzwerktreffen "Gesundheit und Humanitäre Hilfe" stellen sich für ein Gruppenfoto auf.

Initiative #CSRhumanitär1. Netzwerktreffen „Gesundheit und Humanitäre Hilfe“

06-06-2016

von Marion Michels

Nicht nur Ebola, auch der Kampf gegen Tropenkrankheiten oder die medizinische Versorgung nach Naturkatastrophen und im Kontext humanitärer Krisen fordern einen enormen Einsatz der Humanitären Hilfe, um Leben zu retten und Not zu lindern. Um das zentrale Thema „Gesundheit im humanitären Kontext“ näher zu beleuchten und Wege zu entwickeln, die einen Beitrag leisten können zu einer effizienteren medizinischen Soforthilfe, fördert die Initiative #CSRhumanitär den Dialog von humanitärer Akteure mit der Gesundheitswirtschaft.

Gesundheitswirtschaft im Dialog mit NGO

40 Vertreter der Gesundheitswirtschaft und Experten aus Hilfsorganisationen kamen auf Einladung von #CSRhumanitär  am 1. Juni 2016 zum ersten Netzwerktreffen „Gesundheit und Humanitäre Hilfe“ im  Haus der Wirtschaft in Berlin zusammen.

Für das Auswärtige Amt begrüßte Anke Reiffenstuel (stellvertretende Referatsleitung Humanitäre Hilfe) die Teilnehmer und bedankte sich für ihre Unterstützung. Dem schloss sich Roland Göhde, Vorsitzender der BDI-Initiative GHP, in seiner Begrüßung an. Er lobte den Ansatz, gemeinsam und auf Augenhöhe den Dialog zu suchen.

action medeor informiert über medizinische Sachspenden

Bernd Pastors vom Medikamentenhilfswerk action medeor informierte über die Qualitätsanforderungen an medizinisch-pharmazeutische Sachspenden, die Leitlinien für Arzneimittelspenden und darüber, wie die Gesundheitswirtschaft einen wertvollen Beitrag leisten kann, z.B.  durch Bereitstellung von

  • medizinischen Verbrauchsmaterialien, medizinischen Geräten und Instrumenten oder Verbänden
  • Arzneimitteln von Pharmaherstellern und –großhändlern

Für die Annahme von Medikamenten-Sachspenden gelten folgende Vorgaben:

  • die „Guidelines for Drug Donations“ der WHO
  • der Arzneistoff muss in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel gemäß der WHO sein oder alternativ auf der nationalen Medikamentenliste des Empfängerlandes stehen
  • aus zuverlässigen Quellen stammen
  • eine Haltbarkeit von mind. 13 Monaten
  • die Beschriftung des internationalen (generischen) Namen tragen
  • Möglichst in der Sprache des Empfängerlandes,
  • über Analysenzertifikate (Einfuhr)verfügen

action medeor ist zudem Gründungsmitglieder der Online-Plattform EURmed die 2014 ins Leben gerufen wurde, um medizinische Sachspenden der europäischen Gesundheitswirtschaft weltweit zu kanalisieren.

Für die Annahme medizinischer Geräte gelten folgende Qualitätsanforderungen:

  • nur funktionsfähige Geräte (keine defekten oder unvollständigen Geräte)
  • über Installations-, Bedienungs- und Wartungshandbüche verfügen
  • Alle Gerätelieferungen müssen gemäß internationalen Versandbestimmungen verpackt sein

Zur Dokumentation und für den Versand der Waren benötigt action medeor vom Spender:

  • Analysenzertifikate
  • Gebrauchsinformationen in Englisch/Französisch/Spanisch

Best-Practice Beispiele

Zusammen mit Partnern aus der Gesundheitswirtschaft konnte action medeor medizinische Sachspenden erfolgreich für Menschen in Not bereitstellen, z.B.

  • 2010: Sachspende  von Boehringer Ingelheim in Abstimmung mit WHO: Thomapyrin und Buscogast, Wert: 883.480,-€ für Pakistan
  • 2008: Sachspende von Pfizer: Lustral (Sertraline) tabs. 100 mg, Wert: 1,9 Mio.,-€, Empfänger: Missionaries of Charity Äthiopien

Mehr über die Arbeit von action medeor erklärt das folgende Video „Notapotheke“ der Welt.


Im Anschluss stellte Thomas Schiffelmann von Handicap International die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren der Gesundheitswirtschaft vor.

Speed-Networking

Um die bilaterale Vernetzung von humanitären Akteuren mit Unternehmen zu fördern, fand im Anschluss ein „Speed-Networking“ statt. Außerdem diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen die Fragestellungen „Koordination“, „Sachspenden/Produkte“ und „Know-how/Training“.

Ein Vertreter der Gesundheitswirtschaft resümierte: „Ich möchte etwas wiederholen, dass ich ganz zum Start in Frankfurt  gesagt habe: wir denken über auf der einen Seite „CSR“ und auf der anderen „humanitär“ hinaus. Täten wir das nicht, hätten wir nicht einen solchen Austausch, der vor zehn Jahren völlig undenkbar gewesen wäre und auch vor fünf noch schwierig gewesen wäre."

Insgesamt lobten die Teilnehmer den konkreten, ergebnisorientierten Ansatz des Formats und den vertrauensvollen Dialog zwischen NGO-Vertretern und Unternehmen.

„Ich fand den Austausch sehr interessant und glaube, dass es wichtig ist, voneinander zu lernen und die Herausforderungen anzusprechen, die gerade auch die Hilfsorganisationen im Einsatz haben, damit wir gemeinsam gute Wege für die Zusammenarbeit finden.“

Die Weiterentwicklung der Ergebnisse erfolgt auf dem nächsten Netzwerktreffen.
Sind Sie interessiert an den Ergebnissen des Netzwerktreffens oder möchten Sie an den nächsten Netzwerktreffen teilnehmen? Dann wenden Sie sich bitte an Marion Michels, Projektleitung Initiative #CSRhumaniätr (0228- 242 92 455), michels(at)aktion-deutschland-hilft.de

Teilnehmer des Netzwerktreffens Gesundheit

  • action medeor
  • ADRA Deutschland
  • Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft
  • Agentur für Wirtschaft und Entwicklung
  • Aktion Deutschland Hilft
  • Aktion gegen den Hunger | ACF International
  • Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
  • ASB Deutschland
  • Auswärtiges Amt
  • BDI
  • CARE Deutschland-Luxemburg
  • Caritas International
  • Demira
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Dräger Medical
  • E&P Focus Africa Consulting
  • German Healthcare Partnership Initiative
  • Handicap International
  • Humedica
  • Islamic Relief
  • Johanniter-Unfall-Hilfe
  • Malteser International
  • medico International
  • Otto Bock
  • Philips GmbH Market DACH
  • RSO Shift
  • Sanofi Aventis Deutschland
  • Save the Children
  • SIGOR Licht
  • SOS Kinderdörfer
  • World Vision Deutschland