Hungersnot WestafrikaInterview mit Frau Winkler-Stumpf

30-07-2005

1994 gründete Ute Winkler-Stumpf die Hilfsaktion Noma e.V. Die Organisation hat sich zur Aufgabe gemacht, über die bakterielle Erkrankung Noma aufzuklären und erkrankte Kinder zu heilen. Die Krankheit, an der vor allem unterernährte Kinder in Entwicklungsländern leiden, hat schwere Gesichtsverstümmelungen zur Folge, die körperliche Funktionen wie Essen, Sprechen, Riechen, Sehen und Hören beeinträchtigen können.

Ute Winkler Stumpf bereist den Niger vier Mal jährlich, Ende Juli ist sie von dort zurück gekehrt, um in Deutschland Geld zu sammeln für ein Schnellprogramm, das momentan dringlicher ist als die Bekämpfung von Noma: die Bekämpfung des Hungers, der als eine Ursache für die Krankheit gilt.

Hilfsaktion Noma e.V. ist eine Partnerorganisation von action medeor

ADH: Eigentlich bereisten Sie für eine Aufklärungskampagne über Noma das Land. Dabei konnten Sie sich von dem Ausmaß der Not in Niger überzeugen. Wie ist Ihr Eindruck von der Situation?

Winkler-Stumpf: Fast überall, wo man hinschaut, hungern die Menschen. Wir müssen etwas gegen den Hunger tun. Und das sofort, und nicht erst nächste Woche. Dieses ist sozusagen eine Hungerkatastrophe mit Ankündigung. Für viele ist sie weit weg. In der Öffentlichkeit haben die Hungernden in Niger noch immer keine starke Aufmerksamkeit gefunden, sie werden einfach ignoriert.

ADH: Wie sieht Ihr Schnellprogramm aus?

Winkler-Stumpf:
Unsere Organisation ist in fünf von acht Regionen in Niger vertreten, wir beginnen am 1. August mit der Eröffnung von Sonderstationen, in denen die unterernährten Kinder medizinisch untersucht werden. Dringend benötigte Medikamente gegen Durchfallerkrankungen, Proteine und Vitamine haben wir von action medeor erhalten.

ADH:
Medikamente allein aber werden nicht ausreichen...

Winkler-Stumpf:
Richtig. Die Menschen brauchen etwas zu essen. Deshalb erhalten die Familien zunächst Nahrungsmittelpakete mit Hirse, eiweißhaltigen Bohnen, Milchpulver, Öl und Vitaminpulver. Nach einer Woche untersuchen wir dann, ob sich der körperliche Zustand verbessert hat. Wenn nicht, müssen die Kinder umgehend in ein Krankenhaus gebracht werden.

ADH: Wie viele Menschen erreichen Sie in Ihren Sonderstationen?

Winkler-Stumpf: Unsere lokalen Mitarbeiter, die selbst verschiedenen Stämmen angehören, schätzen, dass pro Tag mehr als 100 Menschen kommen.

ADH: Werden Sie von der Regierung unterstützt?

Winkler-Stumpf: Ich glaube, Fehler wurden auf allen Seiten begangen. Mittlerweile hat man erkannt, dass die Devise “Anpacken” heißt. Es wurden Programme aufgestellt, die auch den regierenden Beamten Solidarität abfordern. Ein Teil ihrer Gehälter fließt in Hilfsfonds. Die Regierung geht nun offen mit der Situation um und zeigt sich kooperativ, uns wurden z. B. Gebäude für die Sonderstationen zur Verfügung gestellt. – Der Staat hat leere Taschen, aber wo es um strukturelle Unterstützung geht, erfahren wir als langjährig in Niger ansässige und geschätzte Organisation jede gewünschte Hilfe. Mir gegenüber hat sich der Generalsekretär des Gesundheitsministers erleichtert geäußert, dass ausländische Hilfsorganisationen gegen das Elend im Land angehen.

ADH: Wie lange werden Sie die Sonderstationen betreiben?

Winkler-Stumpf: Die Sonderstationen sind erst mal bis zur Ernte Ende Oktober vorgesehen. Deren Qualität allerdings ist recht fraglich, das Saatgut war schlecht. Außerdem sind die Menschen zu entkräftet, um die harte Erntearbeit zu leisten. – Wir müssen alles dafür tun, dass in Niger eine solche Katastrophe im nächsten Jahr nicht wieder passiert.

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