Fünf Stufen der Hungersnot: Wenn die Hungerkrise zur Katastrophe wird

HungersnöteFünf Stufen der Hungersnot: Wenn die Hungerkrise zur Katastrophe wird

Erst werden die Vorräte knapp, dann gibt es nur noch einmal am Tag etwas zu essen und irgendwann nur noch jeden zweiten Tag. Obwohl sich Nahrungsmittelknappheit im Gegensatz zu plötzlich hereinbrechenden Naturkatastrophen vorhersagen lässt, lassen sich Hungersnöte nicht vollends verhindern.

Dürren oder Kriege können Hungersnöte verursachen

Viele Faktoren können eine Rolle spielen: Etwa Dürren oder Wetterdesaster, durch die landwirtschaftliche Erträge zerstört werden, aber auch bewaffnete Konflikte, die ganze Regionen zur Flucht zwingen, Märkte zerstörten und Hilfsmaßnahmen erschweren.

Not- und Katastrophenfälle verantworten laut World Food Programme (WFP) weniger als acht Prozent der hungernden Menschen weltweit. So ist der Hunger in der Welt – auch wenn nur zeitweilig und im Katastrophenfall darüber berichtet wird – keine temporäre, sondern auf tragische Weise eine alltägliche Katastrophe. Schätzungsweise 815 Millionen Menschen leiden auf der Erde unter Hunger. Das bedeutet, dass jeder neunte Mensch nicht genügend zu Essen hat, um ein gesundes Leben zu führen.

Frühzeitige Hilfe, um Folgen einer Hungerkrise mindern

Das World Food Programme der Vereinten Nationen (WFP) und Hilfsorganisationen vor Ort warnen schon Wochen im Vorfeld vor einer bevorstehenden Hungersnot und den verheerenden Folgen, die sie nach sich ziehen kann. Reagiert die Weltgemeinschaft früh genug und leitet entsprechende Hilfsmaßnahmen ein, kann das Schlimmste verhindert werden. Doch oft genug kommt die Hilfe zu spät.

Nimmt die Zahl der Hungerleidenden in einer bestimmten Region extreme Ausmaße an, wird von der Weltgemeinschaft eine Hungerkrise ausgerufen. Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC), die durch Experten des World Food Programme (WFP), der Welternährungsorganisation (FAO) und verschiedenen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen entwickelt wurde, definiert fünf Stufen einer Hungerkrise.

Die fünf Stufen der Hungersnot

Stufe 1 Die Ernährung der Bevölkerung gilt als generell gesichert. Weniger als drei Prozent der Menschen sind unterernährt. Das gilt beispielsweise für viele Industriestaaten.
Stufe 2 Es besteht eine moderate Ernährungssicherheit. Weniger als zehn Prozent der Menschen sind unterernährt. Betroffene Gebiete sind beispielsweise die nördlichen Andenstaaten Südamerikas und China.
Stufe 3 Regionen, in denen sich Menschen täglich um ihr Essen sorgen müssen. Dort sind zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung akut mangel- oder unterernährt. Ein Beispiel für Stufe 3 ist Indonesien.
Stufe 4 Ab der vierten Stufe gilt die Situation als humanitärer Notfall. Mehr als 15 Prozent der Bevölkerung sind akut mangel- und unterernährt. Der Zugang zu Nahrung ist stark eingeschränkt. Zu diesen Regionen gehören besonders Länder in Asien und in Afrika südlich der Sahara.
Stufe 5 Eine Hungersnot wird von den Vereinten Nationen ausgerufen, wenn mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind, weniger als 4 Liter Wasser am Tag zur Verfügung haben, täglich weit weniger als 2.100 Kilokalorien zu sich nehmen und zwei von zehntausend Menschen täglich an Nahrungsmittelmangel sterben. Zudem haben große Teile der Bevölkerung ihre gesamte Lebensgrundlage verloren und somit keine Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften.

Wenn Millionen Menschen der Hungertod droht

Spätestens wenn die Unterernährung in einem Land Stufe vier erreicht, wird schnellstmöglich eine Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung eingerichtet. Tonnen von Hilfsgütern werden in die betroffenen Gebiete geliefert. Getreide, Reis, Bohnen und Öl sollen über die Phase des akuten Nahrungsmangels hinweghelfen, unterernährte Kinder werden mit Spezialnahrung versorgt, die mit besonderen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien angereichert ist. Solche Maßnahmen bewahren die Menschen in der Katastrophe vor dem akut drohenden Hungertod.

Bilder von unterernährten Kindern sind eine Zeit lang täglich in den Medien zu sehen, Regierungen geben Geld und Privatleute spenden. Nach einigen Wochen verschwindet das Thema Hunger wieder aus den Medien und wird erst wieder aufgegriffen, wenn andernorts die nächste Hungerkatastrophe eintritt.

Aktion Deutschland Hilft, Bündnis deutscher Hilfsorganisationen,
bittet um Spenden für die Katastrophenvorsorge:

Spenden-Stichwort: Katastrophenvorsorge
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