Judith Cruz während einer Veranstaltung zur Aufklärung.

Taifun HaiyanJudith weiß sich zu helfen

08-11-2016

Menschen mit Behinderung werden auf den Philippinen mit Skepsis, oft sogar mit Ablehnung betrachtet. Es ist nicht einfach, die Ängste und Vorurteile der Bevölkerung zu durchbrechen und behinderten Menschen eine aktivere Rolle in ihrer Gemeinde zu ermöglichen. Genau das macht sich der ASB zur Aufgabe.

Judith Cruz ist eine von 76 Menschen mit Behinderung, die in dem kleinen Dorf Barangay Somosa wohnen, welches zur Gemeinde Tabogon gehört. Die 63-Jährige ist seit einer Polioerkrankung in ihrer Kindheit gehbehindert. Nur selten besuchte Judith Cruz die Gemeindeversammlungen im Zentrum von Somosa, in denen Dorfangelegenheiten besprochen werden. „Die Treffen finden weit weg statt. Es ist für mich zu anstrengend, dort hinzugelangen", begründete sie ihr Fernbleiben. Auch zu den Zusammenkünften der lokalen Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Behinderung ging sie nicht mehr. Interne Streitigkeiten nahmen ihr die Lust, sich zu engagieren. Die Organisation hatte sich de facto aufgelöst.

Judith lebt zusammen mit ihrem fünf Jahre älteren Mann Edgardo, der eine Sehstörung hat. Gemeinsam wohnen die beiden in einer kleinen Siedlung abseits des Dorfzentrums. Die Insel Cebu, auf der Somosa liegt, wurde 2013 vom Taifun Haiyan schwer getroffen. Der starke Wind wehte damals das Dach des älteren Ehepaares davon. Während des Sturms hockten die beiden hilflos auf dem Boden ihres Holzhauses. Anleitungen, wie sie sich in Sicherheit bringen könnten, hatten beide bis dahin nie erhalten.

Inklusion in Katastrophenvorsorge-Planungen

Das Projekt ENABLED hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderung besser in die kommunale Katastrophenvorsorge einzubeziehen. Die ersten Treffen fanden in einer Kapelle mitten in der kleinen Häusersiedlung statt, in der auch Judith und Edgardo Cruz leben. Natürlich nahm sie an den Veranstaltungen teil: „Ich bin glücklich, dass wir berücksichtigt werden, wenn es darum geht, wo die Treffen stattfinden. Sie werden nun ganz nah an unserem Haus abgehalten".
Was brauchen Menschen, um sich zu schützen?

Bei den Terminen identifizierten Judith und die anderen Teilnehmer alle Gebäude des Dorfes, in denen Menschen mit Behinderung wohnen. Sie machten sich Gedanken darüber, welche Ausrüstung die Menschen im Falle einer Katastrophe benötigten und legten sichere und zugängliche Evakuierungsrouten für jeden einzelnen fest. Im Notfall sind diese Vorkehrungen eine wertvolle Grundlage dafür, dass Menschen mit Behinderungen, aber auch ältere Menschen, sich in Sicherheit bringen können.

Die Veränderung tut der älteren Dame gut. Sie spricht nun ihre Ideen in den Meetings offen aus. Außerdem hat sie sich dafür stark gemacht, dass ihre lokale Selbsthilfeorganisation wieder zusammenfindet. Mit Erfolg: Die Streitigkeiten untereinander haben sich gelegt. Die Initiative hat zwischenzeitlich eine Satzung aufgestellt und ist mit einem Sitz im Gemeinderat vertreten. Dort macht sie sich für die Rechte aller behinderten Bürger stark.

Noch ist die Gemeinde ganz am Anfang, wenn es um die Inklusion Aller in das Gemeinschaftsleben geht. Aber der gute Start ist vielversprechend: „Wir werden sicherlich das Haus räumen, wenn der nächste Taifun kommt, denn jetzt kennen wir die Abläufe", sagt Judith mit einem Lächeln. „Jetzt können wir sogar anderen helfen."

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